Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Als ich heute früh beim Sport eine Folge des hervorragenden Podcasts von Michael Hyatt hörte (diese hier: How to Benefit from Setbacks and Failures), war ich voll Bewunderung, wie er ganz locker von den großen Misserfolgen und Fehlern in seinem Leben erzählen konnte.

Nun kann man natürlich einwenden, das sei nicht so schwer, da Michael Hyatt sich von jedem Misserfolg erholte und heute als sehr erfolgreich gelten kann.

Doch dieser Podcast rief mir auch in Erinnerung, wie wenig die “Fehlerkultur” in unseren Breitengraden entwickelt ist.

Während besonders in den USA Fehler eher als notwendige Zwischenschritte zum Erfolg angesehen werden, sind wir hier sehr darauf bedacht, ja keinen Fehler zu machen. Das geht sogar soweit, dass wir lieber nichts machen oder bewusst niedrige Ziele wählen, um ja nicht zu scheitern.

Lesen Sie deshalb mein Plädoyer für weniger Debattieren und mehr Experimentieren.

Mehr Experimentierfreudigkeit

Ich weiss, ich male hier schwarzweiß, da es in den USA durchaus Bereiche mit völlig übertriebener Nulltoleranz gibt und man hierzulande bei einem Fehler nicht immer gleich geteert und gefedert wird.

Trotzdem denke ich, dass uns mehr Experimentierfreudigkeit gut täte. Das beinhaltet auch, mit Fehlern zu rechnen. Und das heisst besonders auch: Weniger Reden, mehr Testen.

Auch hier male ich natürlich wieder schwarzweiß: Falls Sie Herzchirurg oder Tragwerksplaner sind, rate ich Ihnen von Experimenten in Ihrem Berufsalltag ab. Nur sind wir in der Regel weder das eine noch das andere.

  • Was spricht also dagegen, einfach mal drei Wochen zu testen, welche Auswirkung genügend Schlaf auf uns hat? Weshalb müssen wir uns lange den Kopf darüber zerbrechen, wie wir das bitteschön anstellen sollen, da wir so viel zu tun haben und dann ist da noch die Familie, die Freunde, die Hobbys, die Tagesschau, die Soap und das verdiente Feierabendbier auf dem Sofa…
  • Was spricht dagegen, einfach mal zwei Wochen lang täglich Sport zu treiben und zu schauen, welche Auswirkungen das auf uns, unseren Körper, unsere Psyche und unsere Arbeit hat? Anstatt das Wetter zu beklagen, die vielen Überstunden, dann ist da ja noch der verdiente Feierabend und überhaupt…
  • Was spricht dagegen, einfach mal während 14 Tagen täglich den Posteingang komplett zu leeren und alle E-Mails abzuarbeiten? Aber das geht ja nicht, weil da sind so viele Mails und was bringt das schon, denn es kommen ja immer wieder neue Mails und was weiss schon ein Produktivitätstrainerlein vom Berufsalltag…
  • Was spricht dagegen, während zwei Wochen die Mailbenachrichtigung auszuschalten? Anstatt stundenlang zu debattieren, wie wichtig es (angeblich) ist, immer sofort über jede E-Mail benachrichtigt zu werden, denn man ist ja wichtig und es könnte ja dringend sein…
  • Was spricht dagegen, eine Woche lang auf jegliches Multitasking zu verzichten und einfach nur das zu tun, was man gerade tut? Aber das geht ja nicht, ich habe so viel zu tun und muss schauen, dass ich alles erledige…

Sie sehen, wie schnell Ausreden zur Hand sind – was ich übrigens von mir selbst auch kenne.

Doch entscheidend ist, da in jeder dieser Beispielfragen nur von einer überschaubaren Zeitdauer die Rede ist. Es geht hier nicht darum, etwas ein für alle Mal bis in alle Ewigkeit anders zu machen. Das schreckt nur ab. Sondern es geht nur um ein Experiment.

Natürlich kann so ein Experiment schief gehen. Vielleicht schaffen Sie Ihre Arbeit tatsächlich nicht, weil Sie jetzt täglich zusätzlich eine Stunde beim Sport “verlieren”. Doch das wissen Sie erst, nachdem Sie es ausprobiert haben.

Deshalb mein Tipp für Sie:

  1. Suchen Sie sich einen Bereich oder ein Thema aus, in dem Sie sich verbessern wollen.
  2. Überlegen Sie sich, was Sie sich davon erhoffen. Warum wollen Sie sich genau hier verbessern?
  3. Beantworten Sie die Frage: Was wollen Sie genau anders tun?
  4. Tun Sie es für eine überschaubare Zeitdauer (je nachdem 1, 2 oder 3 Wochen).
  5. Blicken Sie danach zurück und ziehen Sie Ihre Schlüsse daraus.

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