Unser Umgang mit der Zeit ist voller falscher Glaubenssätze und Missverständnisse. Einer meiner Lieblinge:

Ich muss mich beeilen, ich habe keine Zeit.

Klar: Schnell und effizient arbeiten – ja.
Aber: Hetzen, unsorgfältig und schlampig arbeiten, stressen – nein.

Haben wir zu wenig Zeit, versuchen wir, die Dinge schneller als sonst zu erledigen. Das geht so nicht. Meistens heißt das nämlich auch, dass die Qualität unserer Arbeit leidet.

Und dann? Dann müssen wir die Fehler korrigieren oder das Ganze nochmal machen.

richtig tun
© Ivan Blatter

Schnell erledigt, dafür aber doppelt soviel Zeit gebraucht. Ganz zu schweigen von dem Ruf, den wir uns erarbeiten:

Ach ja, das ist ja der mit den ganzen Fehlern in seinem E-Mails.
Oje, wenn die etwas tut, ist es nie ganz richtig.

Willst du diesen Ruf? Ich nicht..

Wenn du keine Zeit hast, etwas beim ersten Mal richtig und sorgfältig zu erledigen, dann frage dich: Hast du die Zeit, es später noch einmal zu machen – dafür aber dann richtig?

Blöde Frage, nicht wahr? Aber genau darauf läuft es aus, wenn wir etwas nicht gleich richtig machen.

Hier ein paar Beispiele:

  • Hetzen: Kopflos loszurennen, führt meistens dazu, dass wir es noch einmal tun oder viele Fehler korrigieren müssen.
  • Aufgaben offen lassen: Zeigarnik-Effekt zum Trotz: Beenden wir unsere Aufgaben nicht ganz, brauchen wir meistens mehr Zeit. Wir brauchen Zeit, um uns wieder darin einzudenken. Wir haben den Faden verloren. Offene Aufgaben führen auch zu Stress („Oh, das muss ich ja auch noch fertig machen.“). Sind wir dann auch noch spät dran, haben wir zusätzlich noch alle Nachteile der Hetze.
  • Schlecht vorbereitet: Warst du auch schon mal spontan einkaufen und hast zu Hause gemerkt, dass du etwas vergessen hast? Kein Wunder: Erledigt man etwas unvorbereitet, ist die Gefahr groß, etwas zu vergessen oder zu übersehen.
  • Unvorbereitet in Meetings gehen: Hattest du keine Zeit, dich für das Meeting vorzubereiten, dann kannst du deine Teilnahme gleich absagen. Du wirst nämlich nicht folgen können – sofern das Meeting gut organisiert ist, Ziele gesetzt sind und effizient geleitet wird.
  • Fehlende Klarheit: Wichtige Eigenschaft in jedem Business ist Klarheit. Besonders wenn du Mitarbeiter hast oder generell mit Menschen zusammenarbeitest – und wer tut das nicht? Fehlende Klarheit führt zu Missverständnissen, unnötigen Rückfragen und viel Leerlauf. Es kostet dich zwar ein wenig mehr Zeit, glasklar zu kommunizieren (auch in E-Mails!), doch diese Zeit kommt mehrfach zurück, einfach weil die Dinge klar sind.

Das sind ein paar Beispiele, die zeigen: Tu etwas lieber gleich richtig, um Zeit zu sparen.

Deshalb lautet auch mein wichtigster Anti-Stress-Tipp: Je mehr du zu tun hast, je größer der Druck und der Stress sind, desto ruhiger und besonnener solltest du werden. Anti-zyklisches Verhalten eben.

Mein Chef in meinem letzten Angestelltenverhältnis hat das wunderbar vorgelebt: je mehr Dinge auf ihn eingeprasselt sind, desto ruhiger wurde er. Er hat sich einen Espresso geholt, sich in seinem Bürostuhl zurückgelehnt und gesagt: „Mooooooment, was steht jetzt alles genau vor mir? Was kommt als Erstes, dann als Zweites, dann als Drittes?“ Er hat sich also die Zeit genommen, seine Situation durchzudenken und hat dann Prioritäten gesetzt.

Das heißt natürlich keineswegs, dass du nicht versuchen solltest, dasselbe Ergebnis in weniger Zeit zu erreichen. Die Betonung hier liegt aber auf „dasselbe Ergebnis“. Mehr in weniger Zeit zu erreichen, ist möglich, macht aber nur dann Sinn, wenn die Qualität des Ergebnis gleich hoch ist.

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