Hast du schon mal Leserbriefe oder – in der modernen Form – in Foren gelesen? Ich tue das ab und zu, weil es unglaublich lustig ist.

Da wird gemotzt und genörgelt ohne Ende. Nichts kann man recht machen. Irgendwas ist immer falsch und der nächste nörgelt dann über den ersten usw.

Sehr amüsant, doch es kann einen auch runterziehen. Ist alles wirklich so schlecht, wie da beschrieben? Was sind das für Menschen, die sich über etwas ärgern und sich dann auch noch die Zeit nehmen, darüber zu schreiben?

Nörgeln ist letztendlich Aufschieben und hat damit viel mit Zeitmanagement zu tun. Was genau und was du gegen dein eigenes Nörgeln tun kannst, zeige ich dir hier.


Nörgeln und Zeitmanagement

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Nörgeln und Zeitmanagement

Nörgeln, jammern, beklagen, reklamieren – verschiedene Begriffe mit einer Folge: ich bleibe inaktiv.

Denn wer ständig nörgelt, tut eigentlich gar nichts.

Genau, er tut gar nichts, sondern jammert eben nur.

  • Ich jammere über den blöden Job, aber bleibe doch hier.
  • Ich nörgle über die ach-so-blöden Kunden, aber suche mir trotzdem keine neuen.
  • Ich beklage mich über den Dienstleister, aber gebe ihm doch wieder einen neuen Auftrag.

Nörgeln ist nichts anderes als Aufschieben. Ich habe die Situation vielleicht korrekt erkannt, aber tue gar nichts. Ich scheue mich aus irgendeinem Grund vor dem Handeln oder vor der Entscheidung, was zu tun ist. Das ist Aufschieben.

Doch Nörgeln hat auch einen direkten Einfluss auf deine Produktivität. Fühlst du dich nach dem Nörgeln besser? Nein, meistens nicht. Sondern du bist in einer negativen Grundstimmung und musst jetzt trotzdem etwas für den Kunden tun oder den Job erledigen.

Zeitmanagement hat unglaublich viel mit Einstellungen, Stimmungen und Psychologie zu tun. Denn Zeitmanagement findet in deinem Kopf statt – und nicht in einer Methode oder einem Tool. Stimmt’s im Kopf nicht, hilft dir auch kein Tool weiter.

Folgst du den falschen Glaubenssätzen oder bist du in einer negativen Stimmung, wirst du nicht produktiv arbeiten können. Ständiges Nörgeln bringt dich genau hierhin.

Die gute Seite an Nörgeln

Natürlich tut es ab und zu richtig gut, das Ventil aufzumachen und alles so richtig rauszulassen. Das befreit.

  • Es geht hier nicht darum, alles Negative zu unterdrücken, denn es kommt sowieso raus auf die eine oder andere Art.
  • Es geht mir hier darum, das Nörgeln aus Gewohnheit abzuschalten. Denn Nörgeln kann tatsächlich zu einer schlechten Gewohnheit werden.

Neben der Ventilfunktion hat oder hatte Nörgeln eine wichtige Funktion. Wir tendieren aus evolutionären Gründen dazu, negativen Erfahrungen mehr Gewicht als positiven zu geben.

Ist ja auch klar: als wir Menschen noch ums Überleben kämpfen mussten, war es entscheidend, Gefahren blitzschnell zu erkennen und zu handeln. „Negative Erfahrung“ hieß vor tausenden Jahren: tot oder lebendig.

Deshalb werden beim Nörgeln Stresshormone ausgeschüttet, die dann dazu führen, zu flüchten oder so. Allerdings hemmen Stresshormone auch unsere Fähigkeit, Probleme zu lösen und blockieren andere kognitive Funktionen.

Zurecht! Was nützt es mir denn, wenn ein wildes Tier auf mich zustürmt und ich nehme gleichzeitig die schönen Blümchen in der Wiese war? Nein, in dieser Situation muss ich so schnell wie möglich wegrennen und das Vogelgezwitscher und die schöne Wiese sind ausgeblendet.

Die Gefahren in unserer Zeit (und unseren Breitengraden) sind jedoch überschaubar – besonders im Büro. Damit ist Nörgeln zwecklos für uns und bremst uns nur aus.

Die problematischen Seiten vom Nörgeln

Nörgeln, jammern, klagen: all das bringt dich in eine Position, in der du nicht sein willst:

  • Es nährt eine negative Stimmung. Ich bin kein Tschakka-Vertreter, doch es ist wichtig, in einer positiven Stimmung zu sein, wenn du das, was du tust, gerne, effizient, effektiv, fokussiert und im Flow erledigen willst.
  • Es beeinflusst deine Umgebung. Negative Stimmungen verbreiten sich rasch. Plötzlich sind alle um dich herum in derselben Stimmung.
  • Es ändert nichts. Das ist der Unterschied zur hilfreichen Kritik. Eine gute Kritik hilft, wenn sie eine echte Alternative oder Lösung bietet. Nörgeln hilft nichts, ändert nichts, bringt nichts.
  • Es schmälert all die guten Dinge in deinem Leben. Dadurch, dass wir eher die negativen Dinge sehen, verblassen die positiven. Dabei gibt es so viele super-tolle Dinge in deinem Leben.
  • Es ist unattraktiv. Warst du auch schon mal auf einem Date, wo dein Gegenüber nur genörgelt hat? Hat es dann geklappt zwischen euch? Wahrscheinlich nicht. Nörgeln macht unglaublich unattraktiv und sogar hässlich.

10 Anti-Nörgel-Tipps

Soweit so gut. Doch was kann man nun gegen das eigene Nörgeln tun? Hier sind 10 Anti-Nörgel-Tipps:

  1. Triff eine Entscheidung, nicht mehr zu nörgeln. Du kannst alles an dir verändern, was du willst. Zu Beginn braucht das etwas Aufmerksamkeit (siehe Tipp 2), doch eigentlich startet alles mit einer bewussten Entscheidung. Denn auch das Nörgeln ist eine Entscheidung, die du triffst – bewusst oder unbewusst.
  2. Sei aufmerksam. Gewohnheiten laufen ja bekanntlich automatisch ab. Leider gilt das auch für die schlechten Gewohnheiten. Nimm dir für die nächsten sieben Tage vor, besonders darauf zu achten, wenn du nörgelst. Kommt das dann vor, dann gibt Gegensteuer, beispielsweise indem du halt nicht sagst, was du grad sagen wolltest, oder indem du Tipp 3 beachtest.
  3. Achte auf die Auslöser. Wann nörgelst du? Häufig am Nachmittag? Oder wenn du mit bestimmten Personen zusammen bist? Oder in einer bestimmten Situation (z.B. beim Feierabend-Bier)? Erkenne, was das Nörgeln bei dir auslöst und such Alternativen dazu – entweder zu deiner Reaktion oder zur Situation an sich.
  4. Entschärfe dein Nörgeln. Manchmal merken wir erst, dass wir nörgeln, wenn’s schon raus ist. Hänge in dem Fall bewusst ein positives Aber an, also z.B. „Sch…-Wetter heute, aber dafür fällt es mir heute leicht, im Büro zu sitzen.“
    Macht das etwas aus? Ja, wir funktionieren manchmal erstaunlich simpel. Jedes „Aber“ relativiert das Vorhergehende. In diesem Fall wirkt es positiv und bringt dich in eine andere Stimmung.
  5. Nutze Nörgeln nicht als Statussymbol. Heute ist es schick, immer gestresst zu sein, denn schließlich zeigt man damit, dass man gefragt und wichtig ist. Das halte ich übrigens für Schwachsinn, denn damit zeigt man nur, dass man seine Dinge nicht im Griff hat.
    Auch Nörgeln wird häufig als Statussymbol genutzt: „Ich habe soviel zu tun„, „Kunden rufen mich ständig an“, „der Konkurrent hat doch keine Ahnung“ usw. Solche Aussagen versuchen zu zeigen, wie gut, erfolgreich, gefragt und mächtig ich bin. Das brauchst du aber nicht. Lass es einfach sein.
  6. Beginne kein Gespräch mit Nörgeln. Smalltalk und Nörgeln sind häufig eng beieinander. Da wird über das Wetter oder die Politik genörgelt. Wie wird das Gespräch verlaufen? Vermutlich genau so negativ, wie es begonnen hat.
    Probier mal das aus: Fragt dich jemand, wie’s dir geht, dann sag „hervorragend“ oder „ausgezeichnet“. Du wirst auf großes Erstaunen stoßen, da das so selten zu hören ist. Nebenbei hast du dann auch einen schönen und positiven Einstieg ins Gespräch, denn es folgt bestimmt eine Nachfrage dazu.
  7. Achte auf deine Körpersprache. Tony Robbins sagt, dass eine physische Veränderung deine emotionale Stimmung komplett drehen kann. Bist du unmotiviert, dann mach ein paar Liegestütze oder geh aufs Mini-Trampolin. Bist du traurig oder „schlecht drauf“, dann lächle. Genauso beim Nörgeln. Du kannst unmöglich mit einem Lächeln und einer geraden, selbstsicheren Körperhaltung nörgeln. Geht nicht. Achte also auf deine Körpersprache und passe sie entsprechend an, besonders wenn du einen Nörgel-Anfall bekommst.
  8. Nimm deine Verantwortung wahr. Du bist häufig für den Nörgel-Grund (mit)verantwortlich. In jedem Fall bist aber du für das Nörgeln verantwortlich. Falls dich etwas zum Nörgeln bringt, dann versuch, es zu ändern. Falls das nicht geht, dann akzeptiere es oder nimm eine radikale Veränderung wahr (z.B. such dir einen neuen Job oder neue Kunden). In jedem Fall hast du die Fäden in der Hand. Nimm diese Verantwortung auch wahr.
  9. Halte fest, wofür du dankbar bist. Das lenkt den Fokus auf all die tollen Dinge in deinem Leben. Viele nutzen dafür das Tagebuch und halten kurz drei Menschen/Dinge fest, für die sie heute dankbar sind. Bist du nicht so der Tagebuch-Typ, dann schreib einfach mal so auf, wofür du in deinem Leben dankbar bist. Nimm dir Zeit dafür und erstellt eine so richtig lange Liste. Die wirst du nämlich problemlos zusammenkriegen, da es mehr fantastische Dinge in deinem Leben gibt, als dir vielleicht bewusst ist.
  10. Wisse, was du willst. Weißt du eigentlich ganz bewusst, was dich zufrieden und glücklich macht? Wann gehst du im Moment so richtig auf? Vielleicht ist das ein Hobby, vielleicht wäre das ein anderer Job. Nörgeln entsteht häufig aus irgendeiner Unzufriedenheit, der du dir gar nicht bewusst bist. Schreib also mal auf, was du wirklich willst, vergleiche dann die Liste mit deinem Leben und beginne, Dinge zu verändern.

Ich bin fest davon überzeugt, Nörgeln ist eine Entscheidung, die du triffst – bewusst oder unbewusst.

Achte mehr auf deine Worten und Taten. Frag dich künftig, wenn du den Mund aufmachst, ob du lieber nörgeln oder glücklich sein willst. Denn darauf läuft es schlussendlich hinaus.

Bildnachweis: © Depositphotos.com / ALLVISIONN

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