Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Heute gehört es offenbar dazu, immer zu betonen, wie beschäftigt man ist:

“Ich habe so viel zu tun, ich bin im Stress, ich habe keine Zeit, ich komme zu nichts, ich habe so viele Meetings/E-Mails/Aufgaben.”

Das mag ein Fakt sein. Vielleicht arbeiten diese Leute tatsächlich auch viel länger und härter als andere.

Doch Fakt ist auch, dass die ständige Wiederholung dieser Floskeln nervt.

Ehrlich gesagt kann ich diese Äusserungen auch nicht immer ernst nehmen. Sie werden wie ein Schild vorweg getragen, häufig um zu zeigen, wie wichtig man ist.

Lesen Sie hier, was damit auch sonst noch so ausgesagt wird.

Die drei wichtigsten wirklichen Gründe für Überstunden

Was sagt man eigentlich genau mit folgenden Sätzen aus?

  • Ich habe zu wenig Zeit.
  • Ich bin so beschäftigt.
  • Ich habe zu viel zu tun.

Ist das wirklich ein Zeichen von Wichtigkeit und harter Arbeit oder könnte es einfach nur ein Symptom von schlechter Arbeitsorganisation und misslungenem Zeitmanagement sein?

Natürlich gibt es Tage oder sogar Phasen, an denen wir viele Überstunden schieben (müssen?). Sind jedoch 80-Stunden-Woche die Regel gibt es eigentlich nur drei Gründe dafür:

  1. Sie sind ein Workaholic und arbeiten einfach gerne. Dann müssen Sie aufpassen, nicht auszubrennen.
  2. Sie haben tatsächlich zu viel zu tun, aber Ihre Firma weigert sich, einen weiteren Mitarbeiter einzustellen.
  3. Sie arbeiten ineffizient, setzen falsche Prioritäten oder können nicht “Nein” sagen. Mit anderen Worten: Ihr Zeitmanagement funktioniert nicht.

Weshalb sind Sie so beschäftigt?

In jedem Fall lohnt sich die Frage:

Weshalb sind Sie so beschäftigt?

Was ist der Grund dafür? 80-Stunden-Wochen sind nicht “normal”. So lange kann kein Mensch wirklich produktiv arbeiten.

Ich bin sehr der Meinung: Lieber “nur” 60 Stunden, die dafür aber sehr produktiv.

Hier ein paar Gründe, weshalb Sie vielleicht ineffizient arbeiten:

  • Sie machen alles selbst: Oder noch schlimmer: Sie machen auch noch den Job anderer. Delegieren ist eine Kunst, aber eine notwendige Kunst.
  • Sie überfordern sich: Viele Leute wissen gar nicht so genau, wie viele Rollen sie spielen müssen bzw. wie viele Commitments Sie eingegangen sind. Das Anti-Zeitmanagement widmet ein eigenes Prinzip diesem Thema (“Sich selbst verpflichten“). Es lohnt sich, genau zu überprüfen, mit wie vielen Bällen Sie versuchen zu jonglieren.
  • Sie schaffen sich selbst Probleme: Unerledigte Aufgaben, bremsende Glaubenssätze, Aufschieberitis: Es geht nicht um die Schuldfrage, sondern darum, bei der Wurzel anzusetzen. Die liegt häufig bei Ihnen selbst (und nicht beim Chef, bei der Wirtschaft, den Kunden, den Kollegen, dem Wetter, der Politik oder wo auch immer).
  • Sie nörgeln ständig: Nörgeln ist Aufschieben und endgültig ein Zeichen, etwas ändern zu müssen.
  • Sie tun die falschen Dinge: Produktives Arbeiten heisst, Entscheidungen zu treffen – das zeigt das Anti-Zeitmanagement in einem eigenen Prinzip. Vielleicht treffen Sie schlicht die falschen Entscheidungen und tun damit Dinge, die Sie besser lassen sollten.
  • Sie lassen sich von Zufälligkeiten treiben: Arbeitsorganisation und Zeitmanagement heissen auch, den Tag zu planen. Aber so, dass er uns eine Spur vorgibt, ohne den Tag zu sehr einzuschränken. Dann heisst es auch, fokussiert zu arbeiten und sich nicht von Zufälligkeiten leiten zu lassen. Sonst entgleitet Ihnen Ihre Zeit.
  • Sie organisieren statt zu produzieren: Ich erlebe manchmal Leute, die optimieren Ihre Aufgabenliste bis ins letzte Detail oder suchen ständig neue Apps, mit Hilfe derer Sie besser arbeiten können. Eine gute Arbeitsorganisation muss zuerst mal eingerichtet sein, doch sie ist nur dann gut, wenn Sie sich dann nicht ständig darum kümmern müssen, sondern Ihnen Ihre Arbeit tatsächlich erleichtert. Schliesslich werden Sie dafür bezahlt, Ihre Aufgaben zu erledigen und nicht dafür, sie nur zu verwalten.

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