Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

In meinem letzten Artikel “So erleichtern Sie sich Ihr Leben” habe erzählt, wie ich vor ein paar Wochen am Samstag an der Supermarkt-Kasse Geduld üben konnte und versucht habe, meine Stimmung zu beeinflussen. Ich habe die Zeit mit E-Mails beantworten und Blogs lesen verkürzt, was dann einen Kommentar von Alex provoziert hat, in dem er zurecht darauf hinweist, dass man in der Warteschlange auch meditieren oder affirmieren kann. Recht hat er!

Rein “zufällig” (ich glaube nicht an Zufälle) habe ich diese Woche einen interessanten Artikel auf LifeDev gefunden, nämlich “Finding Stress-Reducing Idle Moments“. Der Autor Albert van Zyl plädiert darin, diese Momente der erlaubten Untätigkeit auch wirklich dafür zu nutzen, nämlich untätig zu sein. In unserer Gesellschaft, in der man ständig beschäftigt sein muss oder wenigstens beschäftigt aussehen muss, ist Untätigkeit dann erlaubt, wenn sie durch etwas Nützliches sozusagen maskiert oder bedingt ist. Also etwa wenn man darauf wartet, bis etwas endlich herunter geladen ist oder wenn man auf ein Taxi wartet. Dann ist Untätigkeit erlaubt.

Albert von Zyl versucht nun, diese Momente der erlaubten Untätigkeit nicht sofort zu füllen, sondern sie bewusst zur Untätigkeit zu nützen. Wenn der PC startet, schaut er mit einem Kaffee in der Hand zum Fenster hinaus, wenn er auf seine Partnerin und Kinder warten muss, liest er entspannt in einem Buch und wenn er auf den Wasserkocher warten muss, geniesst er ein paar Minuten Kontemplation.

Anstatt also dann schnell einen Anruf zu machen, eine SMS zu schreiben oder die E-Mails abzurufen, nutzt er diese Momente als willkommene kurze Anti-Stress-Inseln.

Eine sehr schöner Artikel. Es gibt also zwei Strategien, mit solchen Zeiten umzugehen:

  1. Die iPhone-Strategie: Nutze die Zeit, die sonst nur vergeudet wäre, und tue etwas, was Du sowieso tun musst oder möchtest.
  2. Die Insel-Strategie: Suche Dir jeden Tag kleine Inseln, wo Du untätig sein darfst, und geniesse diese Minuten zum Abschalten.

Ich denke, beide Strategien haben ihre Berechtigung und – wie so oft – geht es um das Gleichgewicht. Das eine schliesst das andere nicht aus, besonders wenn es im eigenen Tagesablauf viele solche Zeit der Untätigkeit gibt. Manchmal bin ich froh, dass ich in der Strassenbahn zu einem Termin abschalten, den Leuten zusehen und einfach meinen Gedanken nachhängen kann. Manchmal bin ich aber auch froh, dass ich ein paar E-Mails lesen und beantworten kann, damit das erledigt ist.

Stressabbau hat viel mit Hören und Beobachten zu tun, nämlich zu hören, was ich wirklich brauche und was meine Bedürfnisse im Moment sind. Der negative Stress, der nur belastet, baut sich nicht schlagartig auf, sondern über viele Wochen und Monate verteilt. Ich kann problemlos ein paar Tage hintereinander mit wenig Schlaf und viel Arbeit zurecht kommen, aber nicht über Wochen und Monate. Irgendwann kommt die Quittung und der Körper rebelliert. Deshalb ist es wichtig, dass immer ein Gegengewicht zum Stress besteht. Wann ein Gegengewicht wieder nötig ist, kann man problemlos herausfinden, wenn man eben in sich hineinhorcht. Jede und jeder von uns weiss selber am besten, was für sie/ihn gut ist – wenn man es denn zulässt. Die Insel-Strategie kann dabei ein kleines Puzzleteil sein.

Hat dir der Artikel gefallen? Dann sprich darüber:

Ähnliche Beiträge