Auch im Zeitmanagement höhlt steter Tropfen den Stein

Ich wuchs in einem kleinen Dorf mitten in den Schweizer Alpen auf. Nicht weit von dort befindet sich der Aletschgletscher, der größte und längste Gletscher der Alpen.

Was mich bei Gletschern immer fasziniert hat: Sie bewegen sich scheinbar nicht und haben doch eine so große Kraft, dass sie richtige Täler in einen Berg fressen können.

Auch wenn ein Gletscher verschwunden oder kaum mehr sichtbar ist, sieht man noch Jahrhunderte lang ganz genau, wo er einmal war.

Unser Sprichwort “Steter Tropfen höhlt den Stein” bezeichnet den selben Umstand: Kleine, aber ausdauernde, stete Ursachen können einen immense Wirkung entfalten.

Was im richtigen Leben stimmt, kann im Zeitmanagement nicht falsch sein. Auch im Zeitmanagement ist die kleine, aber andauernde Veränderung eine gute Strategie zur Verbesserung.

Massive Aktion oder stetige Veränderung?

Vielleicht denken Sie: “Moment, sonst heisst es doch immer, man solle sich ein Ziel setzen und dann durch massive Aktion dessen Erreichung vorantreiben? Und jetzt kommt der Blatter und will ein Säuseln anstelle eines Sturmes?”

Nebenbei: Ich bin gar nicht sicher, ob der Begriff “massive Aktion” verständlich ist. Er ist die englische 1-zu–1-Übersetzung von “massive action”, der häufig in der Erfolgsliteratur benutzt wird. Er sagt nichts anderes aus, als dass man sich ein Ziel setzen soll und dann alle Energie in die Umsetzung hineinstecken soll – eben die massive Aktion (“massiv” im Sinn von “entscheiden”, “heftig”, “erheblich”, “wuchtig” ). So erreicht man so schnell wie möglich massive Resultate.

Aber wie ist das nun mit dieser massiven Aktion und der stetigen Veränderung? Widersprechen die sich?

Ja und nein:

  • “Ja”, weil beides gleichzeitig logischerweise nicht geht.
  • “Nein”, weil beide Strategien lediglich zwei der Werkzeuge im Zeitmanagement-Kasten sind, die man je nach Situation einsetzen kann.

Es gibt Ziele und Veränderungen, die man besser in einer massiven Aktion angeht. Es gibt aber auch Ziele und Veränderungen, bei denen eine massive Aktion völlig verkehrt, demotivierend und erfolglos ist. Hier hilft vielleicht die stete Veränderung:

  • Sagt Ihnen den Arzt “Sie müssen sofort abnehmen, sonst winkt schon bald der Herzinfarkt” ist eine radikale Umstellung sicher nicht falsch, sondern lebensnotwendig. Wollen Sie aber nur 10 Kilo abnehmen, damit Sie sich wohler fühlen, dann steigen die Erfolgschancen, wenn Sie langsam vorangehen und beispielsweise wöchentlich ein halbes Kilo verlieren (wollen).
  • Steht Ihre Firma kurz vor dem Konkurs, müssen Sie vielleicht in einer massiven Aktion retten, was zu retten ist. Sehen Sie Ihre Firma mittel- bis langfristig in finanzielle Probleme schlittern, reichen vielleicht kleine Veränderungen, Schritt für Schritt – dafür wirksam und nachhaltig.
Auch im Zeitmanagement höhlt steter Tropfen den Stein.
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Kleine Veränderungen motivieren mehr

Es gibt also Veränderungen, die radikal angegangen werden sollten (ja sogar: müssen) und andere, bei denen das nicht nötig ist.

Nun setzen wir uns häufig Ziele, die uns Angst machen und bei denen wir nicht so richtig wissen, wie wir sie angehen sollen. Die Folge: Wir gehen sie überhaupt nicht an. Das ist dann die schlechteste Variante von allen.

Beispiele:

  • Wir nehmen nicht ab, weil wir uns vor einer radikalen Diät fürchten.
  • Wir räumen nie auf, weil wir meinen, wir hätten keine Zeit dazu.
  • Wir bauen unsere Schulden nicht ab, weil wir nicht wissen, woher wir einen so großen Betrag nehmen sollen.

Genau hier zeigt sich der Vorteil der kleinen, aber steten Veränderung:

  • Ich kannte jemanden, der baute über 10’000 Euro Schulden ab, indem er jeden Monat einen kleinen Betrag (zu Beginn nur 200 Euro pro Monat, später dann 400 Euro pro Monat) überwies. 10’000 Euro hat er nie besessen und doch alles zurückgezahlt.
  • Wollen Sie ein Buch schreiben? Dann schreiben Sie täglich 500–700 Worte (das ist weniger als die Länge dieses Artikels).
  • Wollen Sie abnehmen? Dann notieren oder fotografieren Sie, was Sie täglich essen und trinken. Das alleine wird Ihnen bereits helfen, gesündere Entscheidungen zu treffen (funktioniert wirklich!).
  • Wollen Sie mehr lesen? Dann lesen Sie täglich eine Viertelstunde vor dem Einschlafen. In 15 Minuten können Sie 10–15 Seiten lesen, das macht in zwei Wochen bereits ein dünnes Buch, in einem Monat bereits zwei Bücher und im Jahr zwölf Bücher. Damit übertreffen Sie jeden Durchschnitt!

Das sind nur ein paar Beispiele. Wenn Sie also gerne eine Veränderung möchten, aber diese bisher noch nie angegangen sind, dann versuchen Sie es mit kleinen, aber stetigen Schritten. Das gilt auch und besonders im Zeitmanagement.

Veränderung gefällig? Dann versuchen Sie es mit kleinen, aber stetigen Schritten.
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Ivan Blatter

Über Ivan Blatter

Ich bin Personal Trainer für neues Zeitmanagement und zeige meinen Kunden, wie sie ihre Produktivität verdoppeln und mehr erreichen, ohne sich dabei auszulaugen.

Ich helfe einerseits Solopreneuren und Unternehmern, ihr persönliches Zeitmanagement zu verbessern, so dass sie ihr volles Potential umsetzen können für ein erfolgreiches Business mit mehr Freude und Motivation. Andererseits unterstütze ich Unternehmen dabei, die Produktivität ihrer Teams zu erhöhen und so die Ziele schneller zu erreichen.

So einfach wie möglich, immer persönlich und individuell.

9 Gedanken zu “Auch im Zeitmanagement höhlt steter Tropfen den Stein”

  1. Schöner Beitrag, der mir aus der Seele spricht! Ich bemerke es fast täglich in meinem direkten Umfeld: Viele Menschen wollen immer gleich den ganz großen Sprung, statt mehrere (u.U. viele) kleine Schritte zu gehen. Und wenn es für den großen Sprung nicht reicht, macht man lieber gleich gar nichts. Seltsam, oder?

    Noch ein wenig off-topic: Vor ca. 2 Jahren habe ich mit Frau und Kindern einen wunderbaren Wander-Urlaub im Wallis verbracht. Unser Chalet war in 1500 m in Fiesch. Eine wirklich schöne Zeit und natürlich haben wir auch den Alletsch bewundert – großartig!

    • Ja, das finde ich auch seltsam, aber es ist mir von mir selbst auch nicht ganz unbekannt. Sobald ich aber realisiere, dass ich nur die kleinen Schritte machen muss und die nötige Geduld aufbringe, macht es dann wiederum Spass.

      @Wallis: Ach wie schön! Ich bin dort aufgewachsen, wo andere Urlaub machen. Leider realisiert man das erst, wenn man nicht mehr dort lebt…

  2. Hach endlich wieder ein Blogeintrag :-). Ich finde die Einträge immer so erfrischend und sehr, sehr motivierend. Endlich kann auch in unserer Küche an der Tafel wieder ein neuer Motivationssatz stehen! DANKE! Die Twitter-Sätze eigenen sich dafür hervorragend.
    Zum Inhalt: Ich glaube, die Angst vor dem großen Berg (großen Veränderung) lässt uns oft zögen bzw. hindert uns daran, die ersten Schritte zu tun. Mir ist das neulich beim Radfahren aufgefallen. Ich musste einen wirklich steilen Berg hinauffahren und war schon ziemlich erledigt (sollte dringend etwas für meine Kondition tun ;-) ). Da bin ich diesen Berg angegangen, wie es Kinder tun – nämlich mit der Einstellung: Oh ein Berg, da will ich hinauf! Also bin ich losgeradelt, ohne darüber nachzudenken, wie lange das dauert und wieviel Kraft dafür nötig ist und wie erledigt ich schon bin… Ehe ich mich versah, war ich oben und bei weitem nicht so erledigt wie sonst!

    • Danke für Ihre aufgestellte und fröhliche Reaktion!

      Ein schönes Beispiel führen Sie da auf! Das erinnert mich an etwas, was ich mal über das Laufen von Marathons las: Dort rennt man die erste Hälfte mit den Beinen und die zweite mit dem Kopf. Wenn man dann ständig daran denkt, wie weit man noch rennen muss, hat man praktisch schon verloren. Konzentriert man sich aber auch die nächsten 10 Meter oder sogar nur den nächsten Schritt, dann geht’s.

  3. Absolut richtig. „Steter Tropfen höhlt den Stein“ ist der Titel meines jüngstens Blogbeitrages. Und so neu ist das Konzept eigentlich nicht, denn jeder, der schon mal eine Fremdsprache gelernt hat, ist früher oder später auf das Vokabellernsystem mit den Karteikästen gestoßen, das sowohl in Hardware als auch in Software umgesesetzt.ist. Täglich fünf Minuten fürs Vokabellernen aufbringen… Man spürt es dann bald auch gar nicht mehr. Ich will auch wieder damit anfang, u.a. auch mein Französisch aufpolieren. Aber ich habe noch andere Prozesse, bei denen ich merke: Hat es sich erstmal eingeschliffen, geht’s ruckzuck von der Hand: Täglich zwei Minuten für das Haushaltsbuch aufzubringen ist einfacher, als am Sonntagabend für eine ganze Woche.

    Und jeder kennt auch den besonderen Reiz, wenn sich in der Küche das schmutzige Geschirr stapelt. Da bekommt man doch richig Lust, abzuwaschen. (Achtung: Ironie!) – Natürlich ist es einfacher, täglich einen kleinen schnellen Abwasch durchzuführen. Dann sind es nur drei Handgriffe und die tun kaum weh.

  4. Hallo Herr Blatter,

    obwohl dieser Artikel doch ein wenig älter ist, würde ich gerne dennoch dazu was kommentieren.

    Kleine Veränderungen, vielleicht nicht unbedingt jeden Tag und auch nicht über Stunden hinweg. Aber doch ziemlich regelmäßig. Das kann wirklich was bringen.
    Was ich auch schon überlegt habe dazu ist, sich praktisch bestimmte Zeiten einfach aus der Gewohnheit heraus festlegen, zum Beispiel:

    Dienstag Abend, komme was wolle, ist Sport angesagt.
    Ich kann diesen Termin nicht verschieben.

    Jeden Abend, 20:00 Uhr: Eine Viertel Stunde lesen.

    Und das kann man auch mit einem Terminkalender wunderbar festhalten.
    Irgendwann braucht man das auch gar nicht mehr, die Gewohnheit hat sich festgebrannt.

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