Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Ich wuchs in einem kleinen Dorf mitten in den Schweizer Alpen auf. Nicht weit von dort befindet sich der Aletschgletscher, der größte und längste Gletscher der Alpen.

Was mich bei Gletschern immer fasziniert hat: Sie bewegen sich scheinbar nicht und haben doch eine so große Kraft, dass sie richtige Täler in einen Berg fressen können.

Auch wenn ein Gletscher verschwunden oder kaum mehr sichtbar ist, sieht man noch Jahrhunderte lang ganz genau, wo er einmal war.

Unser Sprichwort “Steter Tropfen höhlt den Stein” bezeichnet den selben Umstand: Kleine, aber ausdauernde, stete Ursachen können einen immense Wirkung entfalten.

Was im richtigen Leben stimmt, kann im Zeitmanagement nicht falsch sein. Auch im Zeitmanagement ist die kleine, aber andauernde Veränderung eine gute Strategie zur Verbesserung.

Massive Aktion oder stetige Veränderung?

Vielleicht denken Sie: “Moment, sonst heisst es doch immer, man solle sich ein Ziel setzen und dann durch massive Aktion dessen Erreichung vorantreiben? Und jetzt kommt der Blatter und will ein Säuseln anstelle eines Sturmes?”

Nebenbei: Ich bin gar nicht sicher, ob der Begriff “massive Aktion” verständlich ist. Er ist die englische 1-zu–1-Übersetzung von “massive action”, der häufig in der Erfolgsliteratur benutzt wird. Er sagt nichts anderes aus, als dass man sich ein Ziel setzen soll und dann alle Energie in die Umsetzung hineinstecken soll – eben die massive Aktion (“massiv” im Sinn von “entscheiden”, “heftig”, “erheblich”, “wuchtig” ). So erreicht man so schnell wie möglich massive Resultate.

Aber wie ist das nun mit dieser massiven Aktion und der stetigen Veränderung? Widersprechen die sich?

Ja und nein:

  • “Ja”, weil beides gleichzeitig logischerweise nicht geht.
  • “Nein”, weil beide Strategien lediglich zwei der Werkzeuge im Zeitmanagement-Kasten sind, die man je nach Situation einsetzen kann.

Es gibt Ziele und Veränderungen, die man besser in einer massiven Aktion angeht. Es gibt aber auch Ziele und Veränderungen, bei denen eine massive Aktion völlig verkehrt, demotivierend und erfolglos ist. Hier hilft vielleicht die stete Veränderung:

  • Sagt Ihnen den Arzt “Sie müssen sofort abnehmen, sonst winkt schon bald der Herzinfarkt” ist eine radikale Umstellung sicher nicht falsch, sondern lebensnotwendig. Wollen Sie aber nur 10 Kilo abnehmen, damit Sie sich wohler fühlen, dann steigen die Erfolgschancen, wenn Sie langsam vorangehen und beispielsweise wöchentlich ein halbes Kilo verlieren (wollen).
  • Steht Ihre Firma kurz vor dem Konkurs, müssen Sie vielleicht in einer massiven Aktion retten, was zu retten ist. Sehen Sie Ihre Firma mittel- bis langfristig in finanzielle Probleme schlittern, reichen vielleicht kleine Veränderungen, Schritt für Schritt – dafür wirksam und nachhaltig.
Auch im Zeitmanagement höhlt steter Tropfen den Stein.
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Kleine Veränderungen motivieren mehr

Es gibt also Veränderungen, die radikal angegangen werden sollten (ja sogar: müssen) und andere, bei denen das nicht nötig ist.

Nun setzen wir uns häufig Ziele, die uns Angst machen und bei denen wir nicht so richtig wissen, wie wir sie angehen sollen. Die Folge: Wir gehen sie überhaupt nicht an. Das ist dann die schlechteste Variante von allen.

Beispiele:

  • Wir nehmen nicht ab, weil wir uns vor einer radikalen Diät fürchten.
  • Wir räumen nie auf, weil wir meinen, wir hätten keine Zeit dazu.
  • Wir bauen unsere Schulden nicht ab, weil wir nicht wissen, woher wir einen so großen Betrag nehmen sollen.

Genau hier zeigt sich der Vorteil der kleinen, aber steten Veränderung:

  • Ich kannte jemanden, der baute über 10’000 Euro Schulden ab, indem er jeden Monat einen kleinen Betrag (zu Beginn nur 200 Euro pro Monat, später dann 400 Euro pro Monat) überwies. 10’000 Euro hat er nie besessen und doch alles zurückgezahlt.
  • Wollen Sie ein Buch schreiben? Dann schreiben Sie täglich 500–700 Worte (das ist weniger als die Länge dieses Artikels).
  • Wollen Sie abnehmen? Dann notieren oder fotografieren Sie, was Sie täglich essen und trinken. Das alleine wird Ihnen bereits helfen, gesündere Entscheidungen zu treffen (funktioniert wirklich!).
  • Wollen Sie mehr lesen? Dann lesen Sie täglich eine Viertelstunde vor dem Einschlafen. In 15 Minuten können Sie 10–15 Seiten lesen, das macht in zwei Wochen bereits ein dünnes Buch, in einem Monat bereits zwei Bücher und im Jahr zwölf Bücher. Damit übertreffen Sie jeden Durchschnitt!

Das sind nur ein paar Beispiele. Wenn Sie also gerne eine Veränderung möchten, aber diese bisher noch nie angegangen sind, dann versuchen Sie es mit kleinen, aber stetigen Schritten. Das gilt auch und besonders im Zeitmanagement.

Veränderung gefällig? Dann versuchen Sie es mit kleinen, aber stetigen Schritten.
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