Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Eines meiner Hobbys ist es, Automatismen zu hinterfragen. Wir tun viele Dinge einfach aus Gewohnheit. Das ist auch gut so. Denn wenn ich mir nämlich jeden Morgen überlegen müsste, weshalb und wie ich jetzt meine Zähne putzen soll, würde ich es wohl öfters weglassen. Gleichzeitig können viele nicht-hinterfragte Gewohnheiten einem bewussten Leben im Weg stehen. Es geht also – wie so oft – um das richtige Mass: Welche Gewohnheiten helfen mir im Leben, welche helfen mir weniger, ohne das ich es bemerke?

Ich habe in den letzten Wochen einen dieser Automatismen unter die Lupe genommen, nämlich Kaffee trinken. Ich habe mir lange überlegt, ob ich diesen Artikel hier schreiben will, weil es auch nur indirekt etwas mit Arbeitsorganisation und Produktivität zu tun hat. Aber die Lektion, die ich während dieses Experimentes gelernt habe, kann vielleicht auch nützlich für Sie sein.

Seit dem Aschermittwoch verzichte ich nun weitgehend auf Kaffee. “Weitgehend” heisst zwei Dinge: Erstens gönne ich mir noch meinen Morgenkaffee und zweitens ist koffeinfreier Kaffee erlaubt. Ganz ohne Koffein lebe ich also nicht. Auch koffeinfreier Kaffee hat ja einen kleinen Restanteil an Koffein. Trotzdem konnte ich meinen Kaffeekonsum von 5-10 Kaffees pro Tag auf mehr oder weniger einen reduzieren, was ja doch schon ein beachtlicher Fortschritt ist.

Zwar ist heute unklar, ob die positiven oder die negativen Effekte von Kaffee überwiegen. Für mich ist jedoch entscheidender, dass bei der Menge Kaffee, die ich getrunken habe, bereits eine Abhängigkeit besteht. Die Abhängigkeit und den Automatismus wollte ich stoppen.

Der natürliche Rhythmus

Zu Beginn meines Kaffeestopps hatte ich mit leichten Kopfschmerzen zu kämpfen, die aber auszuhalten waren. Doch schon bald habe ich positive Veränderungen bemerken können. Um diese zu verstehen, muss man wissen, dass wir nicht nur in der Nacht einem 90-Minuten-Rhythmus unterworfen sind, sondern auch tagsüber. Sie kennen bestimmt die verschiedenen Schlafphasen (z.B. die REM-Phase). Dieser Rhythmus schwingt tagsüber ähnlich weiter. Es gibt also Phasen des Energieschubs, Phasen des Energiemaximums und Phasen des Energiesinkflugs. Ist die Energie am tiefsten, erholen sich Körper und Geist, sofern man das zulässt und nicht künstlich beeinflusst.

Und genau hier ist der springende Punkt: Unser Körper ist so eingerichtet, dass er sich selber regenerieren kann. Wenn wir aber während eines Energietiefs Kaffee trinken oder ein anderes Aufputschmittel konsumieren, wird der Körper um seine natürliche Regenerationsphase gebracht. Koffein gibt zwar kurzfristig Energie, aber trägt nichts zur Regeneration bei. Sie erhalten zwar einen starken Schub, aber erholen sich nicht. So trägt Kaffee paradoxerweise mit bei, dass wir immer müder werden und dass unser Energielevel im Verlaufe des Tages weiter sinkt, als natürlich wäre.

Meine Erfahrungen

Diesen Effekt konnte ich nun live an mir beobachten, natürlich in die andere Richtung. Bei einem Energietief warte ich jetzt einfach. Je nachdem gehe ich an die frische Luft oder mache eine kurze Pause. Ich bin nicht weniger oft müde als vorher (logisch: der Rhythmus bleibt natürlich gleich), aber ich erhole mich viel schneller. Ausserdem habe ich bis in den Abend hinein mehr Energie und meine Energie schwankt weniger. Und hier schaffe ich den Bogen zurück zur Arbeitsorganisation: Mehr Energie = mehr Motivation = bessere Konzentration = höhrere Leistung. :-)
Erst seit Beginn dieses Experimentes nehme ich bewusst wahr, dass mich Kaffee aufgeregter und nervöser gemacht hat, aber mir keine Power gibt

Ich habe schon immer darauf geachtet, dass ich nach 16 Uhr keinen Kaffee mehr trinke, um meinen Schlaf nicht zu beeinflussen (ich gehe als Frühaufsteher früh ins Bett). Trotzdem hat sich mein Schlaf verbessert: Ich schlafe tiefer und benötige weniger Schlaf.

Insgesamt hat sich also dieses Experiment schon gelohnt. Ich werden auch noch die restliche Fastenzeit dafür nutzen und nach Ostern überlegen, wie es weiter geht. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich auch danach auf Kaffee verzichten werde – ausser auf den morgendlichen Energietritt in Form meines Morgenkaffees.

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