Wie ich zum Frühaufsteher wurde

Seit einigen Monaten stehe ich täglich recht früh auf. Früher sah das so aus: 7 Uhr, Wecker geht los: Fluchen, sich aus dem Bett quälen und ab unter die Dusche. Nach der Dusche schnell rasieren, anziehen, Kaffee kochen, etwas kleines essen, Sachen packen und ab die Post. Entspricht nicht gerade meiner Vorstellung von einem ruhigen, Kraft spendenden Morgen… Früh aufzustehen scheint bei Bloggern über Produktivität modern zu sein (z.B. bei Leo von Zen Habits, Steve Pavlina, lifehack.org, LifeRemix und Scott H. Young). Von denen lies ich mich inspirieren und habe meinen Rhythmus angepasst: Heute stehe ich zwischen 5 und 5.30 Uhr auf. Das bestimmt mein Wecker. Ich habe so einen Schlafphasenwecker, der mich irgendwann in dieser halben Stunde aufgeweckt, nämlich genau dann, wenn ich gerade in einer Leichtschlafphase bin. So fällt einem das Aufstehen viel leichter.
Das mag dem einen oder anderen (speziell den Nachteulen) merkwürdig vorkommen, freiwillig so früh aufzustehen. Ich habe aber gute Gründe:

  • Ich bin ein ausgesprochener Morgenmensch. Morgens habe ich am meisten Energie und Motivation. Die will ich bewusst nutzen. Abends bin ich meist nur müde.
  • Morgens ist man generell noch frisch, sobald man richtig wach und wenn man ausgeschlafen ist. Bei mir dauert das keine 30 Sekunden und ich bin voll da.
  • Am Morgen früh sind die Ablenkungen am geringsten. Es gibt noch keine Anrufe, keine Mails (ausser die vom Vorabend), nichts Interessantes im TV, keine anderen Menschen, die von einem was wollen.
  • Abends bin ich immer müde, egal, wann ich aufstehe. Meist mache ich dann nichts mehr Sinnvolles, im schlimmsten Fall bleibe ich vor der Glotze hängen. Deshalb gehe ich lieber früh ins Bett und nutze die Morgenstunden.

Wer Lust hat auszuprobieren, früher aufzustehen, für den habe ich ein paar Tipps:

  1. Nicht übertreiben: Kaum jemand schafft es von heute auf morgen zwei oder drei Stunden früher aufzustehen. Deshalb immer schön langsam. Ich habe meinen Wecker wöchentlich 15 Min. früher gestellt. Um eine Stunde früher aufzustehen, brauchte ich also vier Wochen.
  2. Schlafpensum: Jeder Mensch hat ein gewisses Pensum Schlaf, das er benötigt, um fit zu sein. Das ändert sich nicht, wenn man früher aufsteht. Deshalb muss man logischerweise auch entsprechend früher ins Bett gehen.
  3. Snooze-Knopf: Der ist tabu! Wenn man sich entschieden hat, früher aufzustehen, dann soll man auch zu seiner Entscheidung stehen. Wer nach dem Weckruf noch mehrmals 5 Minuten Dösen dran hängt, wird nur fauler und träger.
  4. Einfach aufstehen: Wenn ihr Mühe habt, aus dem Bett zu kommen, dann stellt einfach den Wecker ein paar Meter neben das Bett. Wenn er dann abgeht und man muss aufstehen, um ihn zu stoppen, dann bleibt man eher auf den Beinen.
  5. Routine: Überlegt euch vorher, was ihr mit der gewonnenen Zeit anfangen wollt und schafft euch eine Routine, die ihr dann immer einhaltet. Am besten fixiert ihr das schriftlich. Meine sieht im Moment so aus (ausgehend davon, dass der Wecker um 5 Uhr losgeht):

    5 Uhr: Aufstehen
    5.10 Uhr: Mit gebrautem Kaffee Google Reader starten.
    5.30 Uhr: Blogeintrag für den Tag schreiben.
    6.30 Uhr: Frühstück mit meiner Freundin
    7.00 Uhr: Morgengebet
    7.15 Uhr: Parat machen fürs Büro
    7.30-7.45 Uhr: Wohnung verlassen

  6. Rhythmus: Der schwierigste Punkt kommt zuletzt: Es wäre sinnvoll, wenn man den Rhythmus täglich einhält. Das bedeutet, dass man auch am Wochenende so früh aufsteht. Das ist gut für den Körper, das Einüben dieser Routine geht besser und schneller von Statten. Das ist aber recht schwierig, ich schaffe das auch (noch) nicht. Trotzdem ist mein Körper so programmiert, dass ich nie länger schlafen kann als bis 7, höchstens 8 Uhr, egal wann ich ins Bett gehe. Darauf kann ich aufbauen mit dem Ziel, auch am Wochenende um 5 Uhr aufzustehen.

Für was ihr eure gewonnene Zeit einsetzt, hängt von euch ab. Da müsst ihr selber eure Prioritäten setzen. Eine Zeit lang habe ich versucht, morgens meine Inbox zu leeren, ein wenig Hausarbeit zu erledigen und zu lesen (Bücher). Das hat sich sehr bewährt, bis ich angefangen habe zu bloggen. Jetzt schreibe ich lieber morgens. Ich bin überzeugt, wer nicht gerade ein Nachtmensch ist und eine Zeit lang früher aufsteht, wird es nicht mehr missen wollen!

Ähnliche Beiträge

Ivan Blatter

Über Ivan Blatter

Ich bin Personal Trainer für neues Zeitmanagement und zeige meinen Kunden, wie sie ihre Produktivität verdoppeln und mehr erreichen, ohne sich dabei auszulaugen.

Ich helfe einerseits Solopreneuren und Unternehmern, ihr persönliches Zeitmanagement zu verbessern, so dass sie ihr volles Potential umsetzen können für ein erfolgreiches Business mit mehr Freude und Motivation. Andererseits unterstütze ich Unternehmen dabei, die Produktivität ihrer Teams zu erhöhen und so die Ziele schneller zu erreichen.

So einfach wie möglich, immer persönlich und individuell.

11 Gedanken zu “Wie ich zum Frühaufsteher wurde”

  1. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man für die Morgenstunden Aufgaben parat haben muss. Sonst liegt man im Bett und denkt „Ich habe eh nichts zu tun!“ dann fällt das Aufstehen entsprechend schwerer. Hat man sich hingegen schon Aufgaben zurecht gelegt, so steht man gerne auf um diese zu erledigen.
    Gruß Mario

  2. @Mario: Guter Hinweis! Es ist auf alle Fälle wichtig zu wissen, was man tun will. Das können entweder Aufgaben sein, wie Du sagst, aber das kann auch einfach eine Routine sein, wo man für einen selber wichtige Dinge tut (z.B. ein Buch lesen, Sport treiben, Morgengebet, bloggen usw.). Du hast recht: Hauptsache, man weiss, wozu man aufsteht!
    Gruss
    Ivan

  3. Hallo Ivan,

    ja, das mit dem morgens früh aufstehen, will ich jetzt auch mal angehen. Zumal ich mit zunehmendem Alter immer mehr das Gefühl einer senilen Bettflucht habe.

    Also warum dann die neu gewonnene Zeit nicht effektiv nutzen.

    Frage: Funktioniert dieser Schlafphasenwecker bei dir?

    Gruß
    Matthias

  4. Hallo Ivan,
    jeden Tag um 5 Uhr aufstehen. Das nenne ich einen echten Frühaufsteher! Das mit den 30 Sekunden bekomme ich noch nicht so ganz hin:) Super Beitrag und sehr gut, dass du die Routine angesprochen hast.

    Gruß Tobias

  5. Hallo Ivan,
    ich bin auch Frühaufsteher und bin eigentlich immer mit dem Sonnenaufgang auf den Beinen. Allerdings arbeite ich einmal die Woche nachts (~22.30-4.30 Uhr) und bin danach immer total geschlaucht weil ich dann meist nur von 5 bis 9 oder allerhöchstens 10 schlafen kann. Gibt es deines Erachtens sinnvollere Optionen? Zum Beispiel den Schlaf aufsplitten in vor und nach der Arbeit? Wenn ich dieses Problem lösen könnte, wäre mein Lebensstil super. Denn ich stehe gern um 5 auf. Den Job zu wechseln steht jedoch nicht zur Debatte. :D
    LG

    • Das ist ein echtes Problem, denn die eine Nacht bringt deinen ganzen Rhythmus durcheinander. Ich bin mir nicht sicher, ob man das Problem wirklich lösen könnte.

      Es gäbe höchstens den polyphasischen Schlaf – den du aber jeden Tag so durchziehen müsstest. Google mal danach, vielleicht wirst du fündig.

Kommentare sind geschlossen.