Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Produktives Arbeiten ist bewusstes und fokussiertes Arbeiten. Unser Zeitgeist steht diesem Grundsatz häufig entgegen. Das können wir bedauern oder mit den Zähnen knirschen: Hilft alles nichts. Viel wichtiger ist zu lernen, wie wir persönlich damit umgehen und wie wir persönlich produktiv arbeiten können.

Dazu hilft Ihnen die BAR-Strategie, die ich kürzlich vorgestellt habe. Genau in deren Sinn möchte ich in diesem Artikel das Bewusstsein für ein paar Einstellungen schärfen, die produktives Arbeiten behindern.


1. Die Kultur des Snacks und des Zappens

Anstatt uns in wenigen Mahlzeiten im Verlaufe des Tages zu ernähren, haben wir immer etwas zu knabbern, immer etwas zu essen in der Nähe: Hier ein Bissen, dort ein Snack.

Das selbe Phänomen tritt auch im Bereich der Aufmerksamkeit auf: Hier schnell etwas lesen, dort schnell etwas angucken. Ganz klassisch: Das Zappen beim fernsehen. Die Zeiteinheiten werden immer kürzer und schon brauchen wir einen neuen Input.

Sind wir das gewöhnt, fällt es uns schwer, uns für eine Stunde auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren.

Produktives Arbeiten heisst: Auch fähig sein, sich für längere Zeit auf eine einzige Aufgabe fokussieren zu können.


2. Kultur der magischen Pille

In jeder Buchhandlung ist es zu sehen: “In nur 4 Wochen sichtbar schlank, stark und sexy” oder “Automatisch Millionär”. Einfache Rezepte, die jeder schnell anwenden kann und dank deren Hilfe man sofort eine Wirkung bekommt.

Klingt gut, funktioniert aber nicht. Klingt nicht nur gut, sondern sogar sehr verführerisch. Es gibt aber keine magische Pille, es gibt keine Sofort-Resultate, es gibt keinen Instant-Erfolg. Glücksfälle gibt es natürlich und Lotto-Gewinner auch. Doch die grosse Zahl der Menschen, die wirklich Erfolg haben oder die wirklich sehr produktiv arbeiten, haben das erlernt und mussten zuerst etwas investieren, bevor sie ernten konnten.

Produktives Arbeiten heisst: Bereit sein, zuerst etwas zu investieren und erst dann zu ernten – auch wenn Geduld gefragt ist.


3. Die Kultur des Entertainments

Heute werden sogar Nachrichtensendungen als Infotainment bezeichnet. Das alleine ist ja zwar noch nicht beklagenswert. Steht jedoch überall nur das Entertainment im Vordergrund, rücken Resultate und Wirkungen in den Hintergrund. In den 1980er-Jahren beklagte Neil Postman: “Wir amüsieren uns zu Tode.”

Unterhaltung ist gut zum Entspannen. Es geht aber besonders darum, die Balance zwischen Resultate und Unterhaltung zu finden.

Produktives Arbeiten ist nicht immer nur amüsant und unterhaltsam. Es darf zwar Spass machen, das ist aber keine Grundvoraussetzung.

Produktives Arbeiten heisst: Fokus auf Resultate – nicht (nur) auf Spass und Unterhaltung.


4. Kurzfristig versus langfristig

Gerade im Selbstmanagement und besonders bei Gewohnheiten können Sie davon ausgehen, dass die kurzfristige und die langfristige Wirkung meistens unterschiedlich und oft gegensätzlich sind. Kurzfristig ist es sicher attraktiver, auf dem Sofa zu liegen und Chips zu essen. Langfristig stehen die Folgen diesem Genuss diametral entgegen. Dann geht es nämlich nicht mehr um Genuss, sondern um Antriebslosigkeit und gesundheitliche Probleme.

Häufig erscheint uns eine Aktion kurzfristig enorm attraktiv und wir vergessen die langfristigen Auswirkungen.

Produktives Arbeiten heisst: Die langfristigen Wirkungen und Ziele nie aus den Augen zu verlieren und vielleicht kurzfristig etwas zurückstecken zu müssen.


5. Symptome statt Ursachen

Gerade im Zeitmanagement geht es längst nicht nur um Tools, Hilfsmittel und Techniken. Setzen wir nur da an, bleiben wir bei der Symptombekämpfung. Langfristig erfolgreicher sind wir, wenn wir uns auf die Ursachen konzentrieren.

Haben Sie Kopfschmerzen, nehmen Sie eine Tablette. Haben Sie dauernd Kopfschmerzen, gehen Sie ja auch zum Arzt um herauszufinden, woher die Schmerzen kommen. Genauso im Zeitmanagement: Schieben wir ständig Dinge auf, helfen uns die 10 besten Tipps gegen die Aufschieberitis vielleicht im Moment, aber lösen das Problem nicht wirklich. Haben wir Angst etwas zu verpassen, nützen uns die Tipps zum Umgang mit dem Posteingang herzlich wenig. Die Angst ist dann doch stärker und wir suchen ständig neue E-Mails.

Erfolgreiches Zeitmanagement und produktives Arbeiten heisst: Ursachen beseitigen, statt nur Symptome bekämpfen.

Hat dir der Artikel gefallen? Dann sprich darüber:

Ähnliche Beiträge