5 Einstellungen, die produktives Arbeiten behindern

Produktives Arbeiten ist bewusstes und fokussiertes Arbeiten. Unser Zeitgeist steht diesem Grundsatz häufig entgegen. Das können wir bedauern oder mit den Zähnen knirschen: Hilft alles nichts. Viel wichtiger ist zu lernen, wie wir persönlich damit umgehen und wie wir persönlich produktiv arbeiten können.

Dazu hilft Ihnen die BAR-Strategie, die ich kürzlich vorgestellt habe. Genau in deren Sinn möchte ich in diesem Artikel das Bewusstsein für ein paar Einstellungen schärfen, die produktives Arbeiten behindern.


1. Die Kultur des Snacks und des Zappens

Anstatt uns in wenigen Mahlzeiten im Verlaufe des Tages zu ernähren, haben wir immer etwas zu knabbern, immer etwas zu essen in der Nähe: Hier ein Bissen, dort ein Snack.

Das selbe Phänomen tritt auch im Bereich der Aufmerksamkeit auf: Hier schnell etwas lesen, dort schnell etwas angucken. Ganz klassisch: Das Zappen beim fernsehen. Die Zeiteinheiten werden immer kürzer und schon brauchen wir einen neuen Input.

Sind wir das gewöhnt, fällt es uns schwer, uns für eine Stunde auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren.

Produktives Arbeiten heisst: Auch fähig sein, sich für längere Zeit auf eine einzige Aufgabe fokussieren zu können.


2. Kultur der magischen Pille

In jeder Buchhandlung ist es zu sehen: „In nur 4 Wochen sichtbar schlank, stark und sexy“ oder „Automatisch Millionär“. Einfache Rezepte, die jeder schnell anwenden kann und dank deren Hilfe man sofort eine Wirkung bekommt.

Klingt gut, funktioniert aber nicht. Klingt nicht nur gut, sondern sogar sehr verführerisch. Es gibt aber keine magische Pille, es gibt keine Sofort-Resultate, es gibt keinen Instant-Erfolg. Glücksfälle gibt es natürlich und Lotto-Gewinner auch. Doch die grosse Zahl der Menschen, die wirklich Erfolg haben oder die wirklich sehr produktiv arbeiten, haben das erlernt und mussten zuerst etwas investieren, bevor sie ernten konnten.

Produktives Arbeiten heisst: Bereit sein, zuerst etwas zu investieren und erst dann zu ernten – auch wenn Geduld gefragt ist.


3. Die Kultur des Entertainments

Heute werden sogar Nachrichtensendungen als Infotainment bezeichnet. Das alleine ist ja zwar noch nicht beklagenswert. Steht jedoch überall nur das Entertainment im Vordergrund, rücken Resultate und Wirkungen in den Hintergrund. In den 1980er-Jahren beklagte Neil Postman: „Wir amüsieren uns zu Tode.“

Unterhaltung ist gut zum Entspannen. Es geht aber besonders darum, die Balance zwischen Resultate und Unterhaltung zu finden.

Produktives Arbeiten ist nicht immer nur amüsant und unterhaltsam. Es darf zwar Spass machen, das ist aber keine Grundvoraussetzung.

Produktives Arbeiten heisst: Fokus auf Resultate – nicht (nur) auf Spass und Unterhaltung.


4. Kurzfristig versus langfristig

Gerade im Selbstmanagement und besonders bei Gewohnheiten können Sie davon ausgehen, dass die kurzfristige und die langfristige Wirkung meistens unterschiedlich und oft gegensätzlich sind. Kurzfristig ist es sicher attraktiver, auf dem Sofa zu liegen und Chips zu essen. Langfristig stehen die Folgen diesem Genuss diametral entgegen. Dann geht es nämlich nicht mehr um Genuss, sondern um Antriebslosigkeit und gesundheitliche Probleme.

Häufig erscheint uns eine Aktion kurzfristig enorm attraktiv und wir vergessen die langfristigen Auswirkungen.

Produktives Arbeiten heisst: Die langfristigen Wirkungen und Ziele nie aus den Augen zu verlieren und vielleicht kurzfristig etwas zurückstecken zu müssen.


5. Symptome statt Ursachen

Gerade im Zeitmanagement geht es längst nicht nur um Tools, Hilfsmittel und Techniken. Setzen wir nur da an, bleiben wir bei der Symptombekämpfung. Langfristig erfolgreicher sind wir, wenn wir uns auf die Ursachen konzentrieren.

Haben Sie Kopfschmerzen, nehmen Sie eine Tablette. Haben Sie dauernd Kopfschmerzen, gehen Sie ja auch zum Arzt um herauszufinden, woher die Schmerzen kommen. Genauso im Zeitmanagement: Schieben wir ständig Dinge auf, helfen uns die 10 besten Tipps gegen die Aufschieberitis vielleicht im Moment, aber lösen das Problem nicht wirklich. Haben wir Angst etwas zu verpassen, nützen uns die Tipps zum Umgang mit dem Posteingang herzlich wenig. Die Angst ist dann doch stärker und wir suchen ständig neue E-Mails.

Erfolgreiches Zeitmanagement und produktives Arbeiten heisst: Ursachen beseitigen, statt nur Symptome bekämpfen.

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Ivan Blatter

Über Ivan Blatter

Ich bin Personal Trainer für neues Zeitmanagement und zeige meinen Kunden, wie sie ihre Produktivität verdoppeln und mehr erreichen, ohne sich dabei auszulaugen.

Ich helfe einerseits Solopreneuren und Unternehmern, ihr persönliches Zeitmanagement zu verbessern, so dass sie ihr volles Potential umsetzen können für ein erfolgreiches Business mit mehr Freude und Motivation. Andererseits unterstütze ich Unternehmen dabei, die Produktivität ihrer Teams zu erhöhen und so die Ziele schneller zu erreichen.

So einfach wie möglich, immer persönlich und individuell.

9 Gedanken zu “5 Einstellungen, die produktives Arbeiten behindern”

    • Nicht ganz. Die Punkte 1 und 3 habe ich bei Eben Pagan kennen gelernt, Punkt 2 bei ihm und vielen anderen, 4 und 5 habe ich selber gemerkt. Deshalb habe ich darauf verzichtet, eine Quelle anzugeben. Ist ja keine Doktorarbeit. :-)

      Vermutlich könnte man alle 5 Punkte auch bei Seiwert, Knoblauch, Küstenmacher, Covey und Allen nachweisen. Nur die Sätze sind definitiv aus meiner digitalen Feder. :-)

  1. Gutes Posting. Ich möchte auch gerade für den Punkt 4 eine Lanze brechen – es ist manchmal so schwer, die langfristige positive Wirkung den kurzfristigen Vergnügungen vorzuziehen. Ein einfaches Beispiel: das Wohnzimmer müsste längst mal renoviert werden, man ärgert sich jeden Tag über den halbkaputten Zustand. Schiebt das aber ständig aufgrund irgendeines Films oder anderer Ablenkungen vor sich her (man denkt kurzfristig). Irgendwann kommt der Tag, wo man sich motiviert kriegt – und siehe da, es hat nicht mal einen Tag gedauert das Zimmer soweit in Ordnung zu kriegen. Anschließend lächelt man jeden Tag, wenn man den neuen Superzustand sehen kann – der langfristig positive Effekt ist offensichtlich.
    Das Problem ist nur: wir wissen ja eigentlich, dass wir durch eine größere zeitliche Investition einen langfristig positiven Effekt erzielen werden, wir sind aber dennoch auf den kurzfristigen Spaß fokussiert.
    Daher ist das ein sehr wichtiger Hinweis und wir sollten hier etwas bewusster über die langfristigen Wirkungen nachdenken.

    • Kann Mirko in diesem Punkt nur rechtgeben – die Spaßkultur macht es hart, sich unangenehmen Aufgaben zu widmen. Umso bedeutender ist es in meinen Augen, in den sauren Apfel zu beißen und die wichtigen Baustellen im Leben anzugehen. Am Besten, man startet bei Punkt 2 – und trainiert sukzessive das eigene Durchhaltvermögen. Wundermittel mag es nicht geben, Erfolg durch Hartnäckigkeit aber sehr wohl.

      Mit herzlichen Grüßen, Tanja Handl

  2. @Ivan: VOR ALLEM Produktivitätstrainer kennen das. ;-) Was durfte ich neulich von einem Teilnehmer in einem meiner Vorträge lernen: „Ein Leuchtturm ist an seinem Fuß immer dunkel.“

  3. “Ein Leuchtturm ist an seinem Fuß immer dunkel.”

    So ist das wohl. Und wenn wir den Trainer als Wegweiser verstehen, dann fällt mir ein Gedanke von Schopenhauer ein, dass (in diesem Fall) der Philosoph ein Wegweiser sei, der den Weg tunlichst NICHT selber gehen sollte. Wie sollte er sonst nutzen?

    Oder „walk your talk“. Ein strahlendes Vorbild? Jemand der immer alles richtig macht. Im Selbstmanagement oder in meinem Falle im Gesundheits- und Stressmanagement.

    Ich denke der Trainer erzielt die beste Wirkung, der sich aufrichtig auch selbst auf seinem Weg bemüht und die Themen seiner Kunden auch aus eigener Erfahrung gut kennt. Und der auch die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von guten Ideen kennt. Auch aus eigener Anschauung.

    • Genau, sehe ich auch so.

      Ich betone in meinen Seminaren auch immer, dass es gar nicht um Perfektion geht und schon gar nicht darum, den letzten Tropfen herauszupressen. Sondern es geht darum, sein eigenes Potential optimal umzusetzen.

      Wenn aber alle Optimierungen zur Folge haben, dass wir uns auslaugen oder der Aufwand unverhältnismässig hoch wird, dann bringt das nichts.

      Und schlussendlich sind wir immer noch Menschen. Natürlich dürfen wir auch unproduktiv sein, natürlich dürfen wir auch mal etwas aufschieben, natürlich dürfen wir auch mal faul sein. Erst wenn das zur Gewohnheit wird oder wir uns selbst Steine in den Weg legen, haben wir ein Problem.

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