Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Ich empfehle immer wieder, zu planen, vor allem seine Ziele zu definieren und den Weg dorthin zu planen. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich im Planungsprozess stecken bleibe. Ich plane und plane und plane, gehe vom Hundertsten ins Tausendste und revidiere den Plan sicherheitshalber gleich nochmal. Leider komme ich in dem Fall nie über das Planungsstadium hinaus. Ist es Angst vor dem Ausführen des Plans? Ist es Angst vor Misserfolg? Oder ist es gar Angst vor Erfolg? Oder will ich vielleicht das Ziel gar nicht so sehr erreichen, wie ich mir das einbilde? Ich glaube, dass es sich hier um ein anderes Problem handelt als bei Aufschieberitis (Prokrastination), obwohl dort ähnliche Tendenzen zu beobachten sind. Hier geht es um den ganz normalen Planungsprozess, wo man sich aber darin verliert.

“Ready – Aim – Fire” oder “Ready – Fire – Aim”?

Das Problem ist also, dass man den Prozess von “Ready – Aim – Fire” (etwa: “Achtung – Fertig – Los” oder wörtlich: “Bereit – Zielen – Feuer”) nicht zu Ende bringt, sondern mittendrin stecken bleibt, also “Ready – Aim – Aim- Aim- …”. Es gibt aber eine Gegenstrategie, nämlich “Ready – Fire – Aim“. Man dreht also den Prozess um, legt los und macht dann die notwendigen Anpassungen. Diese Strategie funktioniert, wenn man sich zuerst bewusst macht, dass Fehler nicht das Gegenteil von Erfolg sind, sondern Teilschritte in Richtung Erfolg. Fehler gehören zu jedem Lernprozess dazu. Solange man nicht aufgrund eines Fehler komplett scheitert, kann man aus Fehlern lernen und es das nächste Mal besser machen. Wenn sich dann der Erfolg einstellt, spielen die gemachten Fehler keine Rolle mehr.

Oder erinnert sich noch jemand daran, dass Bill Gates und Paul Allen vor Microsoft bereits ein Unternehmen gegründet hatten (“Traf-o-Data”), welchem aber kein Erfolg beschieden war? Thomas Edison hat 10’000 Experimente gemacht, bis seine Glühbirne endlich geleuchtet hat. Hätte er nach dem 3. oder 100. oder 4265. Versuch aufgehört, hätte wir elektrisches Licht noch nicht so lange und niemand würde sich an ihn erinnern. Abraham Lincoln war sogar ein Experte des Scheiterns: Er verlor seinen Job, machte Konkurs, verlor viele Wahlen, verlor auch viele Wiederwahlen, hatte einen Nervenzusammenbruch und vieles mehr. Trotzdem ging er als einer der bekanntesten Präsidenten der USA in die Geschichte ein.

Die Strategie “Ready – Fire – Aim” basiert darauf, Fehler zu machen, aus ihnen zu lernen und es das nächste Mal besser zu machen. Fehler gehören dazu, um ein Ziel zu erreichen. Der Weg dorthin ist ein ständiger Lernprozess und kann nie ganz durchgeplant werden. Deshalb empfiehlt beispielsweise Steve Pavlina in seinem Artikel “Do It Now“, eine Idee einfach auszuprobieren. Wenn es nicht funktioniert, kann man aus den Fehlern lernen, neu ansetzen und es besser machen.

Ein Beispiel

Um diese beiden Vorgehensweise zu verdeutlichen, bietet sich der Sport an. Nehmen wir zwei Personen, die sich gleichzeitig vornehmen, regelmässig zu joggen. Der erste holt direkt nach der Idee seine alten Sportschuhe aus dem Keller, zieht sie an und rennt drauf los. Er macht das nun täglich nach dem Aufstehen. Nach ein paar Tagen hat er Blasen an den Füssen und Knieschmerzen. Also kuriert es sich davon und geht in der Zwischenzeit ein paar gute Laufschuhe in einem Sportladen kaufen. Dann geht’s weiter. Plötzlich lässt die Motivation nach, doch er gibt nicht auf. Er schliesst sich mit einem Freund zusammen und geht mit ihm einmal pro Woche laufen. Ausserdem meldet er sich beim Lauftreff in seinem Quartier an. Nach 4 Wochen rennt er immer noch. Das ist “Ready – Fire – Aim”.

Der andere surft zuerst einmal ein paar Tage im Internet herum und liest alle möglichen Trainingspläne und Tipps. Dann schreibt er sich in einem Forum für Jogger ein und liest täglich bei den Diskussionen mit. Nach langen Vergleichen (Qualität, Preis etc.) bestellt er sich spezielle Laufschuhe aus den USA, die das Laufen angenehm machen sollen. Als die Schuhe endlich ankommen, regnet es, so dass er unmöglich mit dem Joggen beginnen kann. Als der Regen endlich aufhört, fällt ihm ein, dass er ja seinen Puls überwachen muss. Also macht er sich über alle Pulsuhren auf dem Markt kundig und bestellt eine. Und wenn er schon dabei ist, kauft er sich auch noch einen neuen iPod, denn schliesslich will er sich ja nicht langweilen beim Rennen. Nach vier Wochen ist er noch dabei, seine MP3-Sammlung zu vervollständigen und iTunes einzurichten. In dieser Zeit hat der andere schon viele Kilometer abgelaufen, Erfahrungen gesammelt und seine Fitness verbessert, während dieser hier noch nicht einmal begonnen hat. Das ist “Ready – Aim – Aim – Aim – …”.

Wissen, was man will

Die Strategie bedeutet freilich nicht, einfach kopf- und planlos drauf los zu stürmen. Das Wichtigste ist, genau zu wissen, was man eigentlich will. Was ist das Ziel? Steckt da mein Herzblut drin? Das Ziel muss einem so wichtig sein, dass man es unbedingt erreichen will. Das Ziel muss im Vordergrund stehen und nicht der Weg dorthin. Genauso muss man Hilfsmittel als das behandeln, was sie sind: Hilfsmittel. Sie dürfen keinen Eigenzweck erhalten. Natürlich braucht man vernünftige Laufschuhe, aber die Suche nach dem optimalen, perfekten Paar steht nicht im Vordergrund, sondern das Laufen. Auf dem Ziel liegt der Fokus und die Konzentration.

Was haltet ihr davon? Habt ihr euch auch schon im Planungsprozess verloren und seid bei “Aim” hängen geblieben? Oder habt ihr schon Erfahrungen mit “Ready – Fire – Aim” gesammelt? Hinterlasst einen Kommentar, ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.

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