Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Was würden Sie mit zwei Extrastunden pro Tag tun?
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Haben wir wirklich ein Zeitproblem? Denken Sie wirklich, wenn Ihr Tag 26 oder 32 oder 48 Stunden hätte, hätten Sie weniger zu tun?

Ich glaube, hier hängen wir einer großen Illusion nach.

Wenn ein gutes Zeitmanagement nur heißt, wir haben mehr Zeit für die unwichtigen Dinge, für noch mehr Hektik und noch mehr Streß, dann hat das Zeitmanagement versagt.

“Mehr, mehr, mehr…” kann nie die Antwort sein.

Die Geschichte von Momo

Kennen Sie die Geschichte von Momo?

Momo lebt in einer normalen, entspannten Welt. Alle tun das, was sie eben tun. Die Leute halten zusammen, haben Spaß, alles ist gut und schön.

Doch dann übernehmen die grauen Herren die Herrschaft. Diese überreden alle Menschen, Zeit zu sparen, keine Zeit zu verplempern, mehr und effizienter zu arbeiten. Immer mehr, immer schneller.

Die Folge: Je mehr die Leute tun, desto weniger Zeit haben sie. Und noch schlimmer: Niemand hat mehr Zeit für die anderen oder für sich. Alle hetzen und rennen schneller umher. Das Leben wird leer, trostlos und alle sind unglücklich.

…außer natürlich die grauen Herren. Denn die stehlen die gesparte Zeit. Sie brauchen sie, damit sie überhaupt leben können.

Nein, Produktivitätstrainer sind nicht die grauen Herren, sondern ich sehe mich eher als Momo, die versucht, die Welt wieder schöner und die Menschen zufriedener zu machen.

Die falsche Frage?

Vielleicht stellen wir einfach nur die falschen Fragen. Vielleicht erhoffen wir uns die falschen Dinge von einem besseren Zeitmanagement.

Fragen Sie sich doch mal:

Was würde ich tun, wenn ich jeden Tag zwei Extrastunden bekäme?
Diesen Satz twittern...

Lautet Ihre Antwort “dasselbe wie jetzt”?

Gut möglich, dann ist das ein Hinweis darauf, dass Sie bereits das tun, was Ihnen wirklich entspricht und was Sie gerne tun.

Lautet Ihre Antwort “dann könnte ich endlich alles erledigen”?

Dann hängen Sie vermutlich einer Illusion nach. Wenn Sie einfach 2 Extrastunden pro Tag hätten, dann werden Sie automatisch mehr tun wollen und mehr übertragen bekommen. Das Ergebnis: Derselbe Stress – aber halt nur zwei Stunden länger.

Lautet Ihre Antwort “dann könnte ich endlich XY tun” oder “dann könnte ich endlich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen”?

Dann sind Sie auf dem richtigen Weg.

Denn ein gutes Zeitmanagement schafft nicht einfach Raum für “Mehr”, sondern es schafft Zeit für die wirklich wichtigen Dinge – die sich bekanntlich nicht immer auf dem Schreibtisch befinden.

Was wollen Sie eigentlich?

Wenn Sie Ihr Zeitmanagement verbessern wollen, lautet die erste Frage immer: Wozu? Was wollen Sie eigentlich ganz genau?

Es ist völlig OK, mehr Zeit haben zu wollen, um…

  • endlich das Buch zu schreiben, das schon so lange in Ihrem Kopf umherschwirrt;
  • endlich dem neuen Hobby genug Zeit zu widmen;
  • endlich genug Zeit für die wichtigsten Aufgaben im Job zu haben;
  • endlich mehr Zeit mit seinen Liebsten verbringen zu können;
  • endlich ein eigenes Projekt beginnen zu können, dem man schon lange nachhängt;
  • endlich mehr Zeit für mich zu haben.

All das sind berechtige und gute Gründe. Sie müssen Sie aber zuerst einmal überhaupt kennen und dann bewusst verfolgen.

Zwei Extrastunden pro Tag? Kein Problem!

Wir unterschätzen, wie schnell sich Zeit summieren kann und wieviel es bereits bringt, wenn wir uns kleine Zeitfenster freischaufeln. So ist es absolut kein Problem, sich zwei Extrastunden pro Tag zu schaffen:

  • Stehen Sie 10 Minuten früher auf.
  • Verzichten Sie auf den Kaffee nach dem Mittagessen und nutzen Sie diese 10 Minuten für etwas anderes.
  • Lesen Sie in der Strassenbahn keine Gratiszeitungen, sondern nutzen Sie diese Zeit.
  • Zappen Sie in der Werbepause nicht einfach rum, sondern schreiben Sie ein paar Zeilen.
  • Schauen Sie weniger fern.
  • Usw.

Es gibt so viele Gelegenheiten, wo wir ein paar Minuten abzwacken können, ohne etwas zu verlieren oder zu verpassen. Häufig meinen wir, “leere” Zeiten dienen der Entspannung – doch ganz ehrlich: Meinen Sie nicht auch, dass Sie sich viel besser und entspannter fühlen, wenn Sie in der Strassenbahn ein paar Zeilen an Ihrem Buch schreiben, statt in einer dieser Gratis-Zeitungen zu blättern? Und ja: Das geht: Es gibt Menschen, die schreiben ihre Bücher auf dem iPhone! Wenn man will, geht vieles.

Haben dann aber nicht die grauen Herren gewonnen?

Das wäre tatsächlich so, wenn wir die beiden Extrastunden einfach nur für das “Mehr” brauchen: Mehr vom selben, mehr Hektik, mehr Stress.

Aber hier geht es darum, sich Zeit für die Dinge zu schaffen, die Ihnen wirklich wichtig sind! Das hat eine ganz andere Qualität, die sich auch in Ihrer Zufriedenheit zeigen wird.

Wenn ich darauf schaue, wie wir unsere Zeit verplempern, dann sehe ich da ein riesiges Potential und habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir sage: Ich habe keine Zeit.

Wie schon Seneca wusste:

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.

Offenbar ist das kein Phänomen unserer Zeit. Doch wir haben es selbst in der Hand, ob wir das so wollen oder nicht.

Nutzen Sie Ihre Zeit, denn sie kommt nie wieder.

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