Ziele und Termine: Helfen Termine wirklich, um Ziele zu erreichen?

Nachdem ich schon letzte Woche eine heilige Kuh hinterfragt habe (und entsprechende Reaktionen erhalten habe), indem ich mich gefragt, habe, ob wirklich jeder Ziele braucht, habe ich ein neues Büschel Nesseln entdeckt, in die ich mich heute gerne hinein setzen möchte. Nämlich: Helfen Termine wirklich, um Ziele zu erreichen?


Zu dieser Frage hat mich Christian Bischoff in seinem Buch „Willenskraft“ inspiriert.
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Christian Bischoff hält nämlich Termine für Ziele für schädlich:

Ich habe gelernt, dass Deadlines Unzufriedenheit und Stress auslösen.
Christian Bischoff, Willenskraft, S. 114

Ich kann seiner Argumentation folgen und will hier meine eigene Interpretationen wiedergeben.

SMARTe Ziele

Der bekannteste Ansatz, um Ziele zu definieren – nämlich SMART – räumt der Terminierung einen prominenten Stellenwert zu.

Letzte Woche habe ich Ihnen den Ansatz von Jörg Knoblauch präsentiert: Vergessen Sie SMART, Ziele müssen nur machbar und messbar sein. Dort ist SMART schon enthalten.

Hier werden die Termine schon etwas abgeschwächt, auch wenn „messbar“ bedeuten kann, einen Zielzeitpunkt anzugeben.

Ziele und Termine

Christoff Bischoff geht in dem erwähnten Buch noch weiter und hält Termine bei Zielen sogar für schädlich.

Ziele haben an sich, dass wir uns auf unbekanntes Terrain begeben.

Beispiele: „Mein Ziel ist es…

  • …den Umsatz um 20% zu steigern.“
  • …einen Marathon zu laufen.“
  • …einen Marathon unter 3.5 Stunden zu laufen.“
  • …die Besucherzahlen auf meiner Webseite zu verdoppeln.“

Alles gute Ziele auf unbekanntem Terrain. Logischerweise. Sonst müsste ich sie mir ja nicht setzen.

Ich habe keine genauen Erfahrungen, kann höchstens überprüfen, ob die Ziele realistisch bzw. machbar ist.

Jetzt setzt aber das Problem ein: Wenn ich ja noch nicht ganz genau weiss, wie ich dorthin komme, kann ich auch keinen genau Plan machen. Ohne genauen Plan kann ich aber auch keinen Termin setzen.

Wir tendieren dazu, den Weg zu unterschätzen. Unsere Termine sind häufig gerade bei Zielen zu optimistisch.

Was passiert nun, wenn ich den Marathon mittlerweile zwar in 4 Stunden laufen kann, aber ich eigentlich schon seit zwei Wochen unter 3.5 Stunden sein wollte? Was passiert, wenn ich den Umsatz um 15% gesteigert habe, aber eigentlich schon bei 20% sein wollte?

Ich bin frustriert und demotiviert. Vielleicht gebe ich das Ziel sogar ganz auf, auch wenn ich kurz davor bin.

Und seinen wir ehrlich: 15% Umsatzsteigerung ist eigentlich ein grosser Erfolg. Klar, die 20% habe ich nicht erreicht, aber dennoch ist es ein grosser Erfolg.

Viele Dinge brauchen Zeit. Viele Dinge brauchen ihre Zeit. Und diese ist häufig länger, als wir uns das ausmalen.

Aktiv werden und Ziele erreichen

Termine bei Zielen mögen helfen, überhaupt etwas zu tun: Die Uhr sitzt mir im Nacken und ich werde aktiv.

Lässt man Termine bei Zielen einfach weg, besteht die Gefahr, dass aus den Zielen Wunschträume, Luftschlösser, Seifenblasen werden. Das ist die Kehrseite der Medaille.

Ziele ohne Termine funktionieren also nur dann, wenn wir trotzdem aktiv werden. Kontrollfrage:

Bringt mich das, was ich jetzt gerade tue, meinem Ziel näher?

Falls nein, gilt: Sofort Aktivität wechseln.

Kurz- vs. langfristige Ziele

Termine bei Zielen können durchaus funktionieren, nämlich in diesen beiden Fällen:

  • Das Ziel ist kurzfristig: „Bis heute Abend will ich diesen Blogbeitrag veröffentlicht haben.“ Kurze Zeitspannen sind besser überblick- und planbar. Hier können Termine helfen, das Ziel zu erreichen.
  • Bei Meilensteinen bzw. Zwischenzielen. Das grosse Ziel „Umsatzsteigerung um 20% bis in einem Jahr“ kann ich erreichen, wenn ich mir Zwischenziele mit Terminen setze. Also etwa: „Pro Woche 10 Interessentenkontakte mehr“, „1 neuer Auftrag in diesem Monat“ usw. Auch hier gilt wiederum: Die Zeitspanne muss überblick- und planbar sein.

In allen anderen Fällen, besonders grossen, langfristigen Zielen und Visionen, können Termine demotivieren, stressen und genau deshalb schädlich sein. Also besser keine Termine – dafür ein aber das Ziel entspannt erreichen.

Wie sehen Sie das?

  • Setzen Sie Termine bei Ihren Zielen?
  • Setzen Sie sich überhaupt Ziele?

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Ivan Blatter

Über Ivan Blatter

Ich bin Personal Trainer für neues Zeitmanagement und zeige meinen Kunden, wie sie ihre Produktivität verdoppeln und mehr erreichen, ohne sich dabei auszulaugen.

Ich helfe einerseits Solopreneuren und Unternehmern, ihr persönliches Zeitmanagement zu verbessern, so dass sie ihr volles Potential umsetzen können für ein erfolgreiches Business mit mehr Freude und Motivation. Andererseits unterstütze ich Unternehmen dabei, die Produktivität ihrer Teams zu erhöhen und so die Ziele schneller zu erreichen.

So einfach wie möglich, immer persönlich und individuell.

3 Gedanken zu “Ziele und Termine: Helfen Termine wirklich, um Ziele zu erreichen?”

  1. Hallo Ivan,

    ich finde Termine auch bei langfristigen Zielen sehr nützlich. Allerdings benutze ich sie nicht als Ansporn, sondern als Mindesthaltbarkeitsdatum für das Ziel. Ist es erfolglos überschritten, werfe ich das Ziel weg – es war ja dann wohl keines. ;-)

    Gruß,
    Rolf

    • Hallo Rolf,

      ganz unrecht hast Du natürlich nicht, obwohl dann die Gefahr besteht, dass Du kurz vor dem Ziel steht, aber leider aufgibst, weil das Datum überschritten ist.

      Christian Bischoff schildert in seinem Buch sehr schön, wie er völlig unterschätzt, wie lange es dauert, bis man als Redner und Trainer erfolgreich ist. Heute ist er es. Hätte er alleine auf die Deadline geschaut, hätte er sein Ziel, ja eigentlich seinen Traum nie verwirklicht.
      Und genau das ist die Kehrseite von Terminen bei Zielen.

      Viele Grüsse
      Ivan

  2. Meiner Ansicht ist es natürlich schön, wenn es ohne Termin geht – aber dann fehlt irgendwie auch ein wenig der positive Druck, den man sich selbst macht. Bei selbstgemachten Deadlines ist es ziemlich problemlos möglich die Deadline an die Realität anzupassen. Wir sprechen hier ja nicht von Projekt-Deadlines beim Kunden, die ja erfahrungsgemäß sowieso nur Wunschdenken sind…

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