Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Die Psychologie kennt viele, interessante Effekte, die uns beim Zeitmanagement weiterhelfen. Einer davon ist der Zeigarnik-Effekt.

Was dieser Effekt ist, was er im Zeitmanagement bedeuten kann und wie sich der Zeigarnik-Effekt gegenüber “Getting Things Done” (GTD) schlägt, erfahren Sie alles in diesem Artikel.

Der Zeigarnik-Effekt

Auf diesen Effekt brachte mich Jochen Mai von der Karrierebibel und sein Artikel: “Der Zeigarnik-Effekt – Nutzen Sie ihn schon?” Dort fasst er den Effekt sehr gut zusammen.

Die russische Psychologin Blijuma Zeigarnik entdeckte nämlich in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts den nach ihr benannte Effekt. Er besagt: Unerledigte Dinge und Aufgaben bleiben viel besser im Gedächtnis haften als erledigte.

Unerledigte Dinge und Aufgaben bleiben viel besser im Gedächtnis haften als erledigte.
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Der Legende nach beobachtete sie einen Kellner, der sich problemlos unzählige Bestellungen merken konnte. Kaum waren sie aber erledigt, vergass er sie sofort.

Soweit zu dem Effekt. Nun haben Sie bestimmt auf ivanblatter.com auch schon gelesen, man solle Ideen, Einfälle oder Aufgaben sofort notieren, sonst verschwinden sie wieder im Nichts (sprich: wir vergessen sie wieder). Im dümmsten Moment kommen sie dann vielleicht wieder – etwa unter der Dusche, auf dem Sofa oder beim Abendessen mit der Familie. Doch eben nur: Vielleicht.

Garantie gibt es keine, das Risiko, solche Dinge wieder zu vergessen, ist hoch. Dieser Gedanke kommt von der Methode “Getting Thing Done“, von der hier auf ivanblatter.com auch schon öfters die Rede war.

Dieser Gedanke widerspricht dem Zeigarnik-Effekt, finden Sie nicht auch?

Zeigarnik oder GTD? Also was jetzt?

Ich denke: Beides. Oder: Es kommt auf die Umstände darauf an.

Haben Sie nur ganz wenige offene Aufgaben, dann können Sie den Zeigarnik-Effekt nutzen.

Sprich: Dann genügt auch eine ToDo-Liste nur im Kopf.

Bei wenigen Aufgaben genügt die ToDo-Liste im Kopf gepaart mit dem Zeigarnik-Effekt.
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Phasenweise arbeite ich genau so. Mein Aufgabenliste ist der Kalender: Habe ich viele Seminare und Coachings, dann leiten sich die Aufgaben davon ab. Das funktioniert, da etwa meine Aufgaben zwischen Anfrage für ein Seminar und Durchführung immer mehr oder weniger gleich bleiben. Weitere Aufgaben leiten sich automatisch aus meinem wichtigsten Ziel ab. Ich lasse mich täglich von folgender Frage leiten: Bringt mich das, was ich im Moment tue, meinem wichtigsten Ziel näher?

Das ist aber die Ausnahme.

Die Regel sieht eher so aus:

  • Sie haben viele Aufgaben: Brechen Sie sie auf den nächsten Handlungsschritt herunter (wie GTD vorschlägt), haben Sie schnell 50, 100 oder noch mehr Aufgaben.
  • Ihre Arbeit ist dynamisch: Haben Sie am Montag um 8 Uhr noch das Gefühl, Sie wissen, was diese Woche auf Sie zukommt, ist dieses Gefühl ein paar Stunden später schon wieder vorbei, da Sie bereits einige E-Mails empfangen haben, um die Sie sich sofort oder noch diese Woche kümmern müssen. Ausserdem haben Sie schon sieben neue Aufgaben erhalten, von denen Sie drei unbedingt noch diese Woche erledigen müssen. Dafür haben sich zwei auf Ihrer ToDo-Liste schon erledigt.

Kennen Sie das? In diesem Fall sind Sie mit dem Zeigarnik-Effekt völlig verloren.

Hier hilft Ihnen das sofortige Notieren aller unerldigen Dinge, wie es GTD vorschlägt. Notieren hat viele Vorteile:

  • Sie werden auch visuell an unerledigte Dinge erledigt.
  • Sie wissen bewusst und unbewusst: Die Aufgabe/Idee ist notiert und Sie können sie nicht mehr vergessen.
  • Was notiert ist, kann man verändern, weiterleiten, umformulieren. Sprich: Man kann damit arbeiten.
  • Die mentalen Unterbrechungen hören auf.

“Mentale Unterbrechungen” sind die Einfälle zur Unzeit: “Mist, heute hätte ich noch den Herr X anrufen sollen.” Oder “Was wollte ich schon wieder der Frau Y schicken?” Solche Unterbrechungen wirken übrigens genau so wie “reale” Unterbrechungen: Sie lassen Ihre Konzentration augenblicklich zusammenbrechen.

Also als Fazit:
Der Zeigarnik-Effekt hilft im Zeitmanagement nur ausnahmsweise. In der Regel sind Sie mit dem sofortigen Notieren, wie es “Getting Things Done” vorschlägt, besser bedient.

Was haben Sie schon alles vergessen, weil Sie es nicht notiert haben?
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