Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Mein Schreibtisch
In meinen Seminaren zeige ich zu Beginn das Bild eines völlig chaotischen Schreibtisches und stelle es einem praktisch leeren Schreibtisch gegenüber. Die Frage lautet: “Was meinen Sie: Kann man an dem chaotischen Schreibtisch produktiv arbeiten?”

Zugegeben, die Frage ist unfair gestellt. Meine Antwort lautet nämlich: “Ja, man kann, auch wenn die Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch ist. Denn viel entscheidender sind folgende drei Fragen:

  1. Fühle ich mich wohl an meinem Schreibtisch?
  2. Finde ich ein beliebiges Dokument innerhalb von einer Minute?
  3. Garantiert mein Schreibtisch bzw. mein System, dass ich nichts vergessen kann?”

Entscheidend ist also nicht die Anzahl Dinge, die sich auf meinem Schreibtisch befinden, sondern diese drei Fragen.

Ich bin beispielsweise ein Leertischler, aber kenne viele Menschen, denen mein Schreibtisch zu kühl ist (trotz des Holzes). Gleichzeitig kenne ich aber auch Menschen, für die sich sogar auf meinem Schreibtisch zu viele Dinge befinden.

Das Hauptziel ist nur eines: Ich arbeite gerne an meinem Schreibtisch und ich kann daran produktiv arbeiten. Die allerwichtigste Regel lautet deshalb: Wenn es sich für mich richtig anfühlt, dann ist es richtig. Diese Regel gilt unabhängig von allen anderen Regeln. Falls Sie es gerne etwas spezifischer haben, dann habe ich hier 10 Tipps, wie Sie sich (wieder?) an Ihrem Schreibtisch wohl fühlen:

  1. Ihr Schreibtisch muss Ihnen gefallen. Sie müssen sich gerne an Ihren Schreibtisch setzen und zwar nur Sie! Was der Produktivitätstrainer darüber denkt und ob Ihr Kollege gerne an Ihrem Tisch arbeiten möchte, ist sekundär. Wie reagieren Sie auf Ihren Schreibtisch? Mit Überforderung? Stress? Langeweile? Dann ist es Zeit, etwas zu ändern.
  2. Minimieren Sie das Durcheinander. Dieser Tipp scheint dem ersten zu widersprechen. Je mehr Dinge und vor allem je mehr Durcheinander sich auf dem Schreibtisch befindet, desto eher wird man abgelenkt. Ständig sieht man etwas Unerledigtes, das schlechte Gewissen steigt und der Stress nimmt zu. Idealerweise befinden sich deshalb nur gerade die Akten auf dem Tisch, die man für die aktuelle Aufgabe braucht.
  3. Fügen Sie Wohlfühlgegenstände hinzu: Ich nutze beispielsweise einen digitalen Bilderrahmen, der in langsamer Folge Bilder meiner Familie und meine Affirmationen zeigt. Ab und zu schaue ich da einfach zu und fühle mich wohl. Wohlfühlgegenstände erlauben auch, Mini-Pausen einzuschalten und ein wenig zu träumen. Das hilft Ihrer Power. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Mischung zu finden: Wenn es auf Ihrem Schreibtisch nur so wimmelt vor Figürchen, Bildern und Erinnerungsstücken, dann werden Sie auch eher abgelenkt. Weniger ist auch hier meistens mehr.
  4. Machen Sie Ihr Büro lebendig. Und zwar mit Pflanzen. Sie machen das Büro nicht nur lebendiger, sondern sorgen auch für mehr Sauerstoff (falls sie echt sind).
  5. Lassen Sie ein Licht aufgehen. Sofern Sie können, sorgen Sie für eine optimale Beleuchtung. Das entspannt nicht nur die Augen, sondern kann auch als Stimmungsmittel genutzt werden. Helles, grelles Licht wird meist als stressig empfunden. Ich habe gerne – neben der “normalen” Beleuchtung” – das Licht von Salzkristall-Lampen. Deshalb befindet sich unweit meines Schreibtisch eine solche Lampe und gibt schönes, beruhigendes Licht. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.
  6. Finden Sie den passenden Stuhl. Es gibt wohl kaum einen Tipp, der so wichtig ist wie dieser. Schliesslich sitzen Sie ja stundenlang auf diesem Stuhl. Sparen Sie nicht an der falschen Stelle, auch wenn es nicht der teuerste Stuhl sein muss. Hauptsache, Sie können angenehm und ergonomisch korrekt sitzen.
  7. Hören Sie Musik. (…wenn sie gerne Musik bei der Arbeit hören und alleine im Büro sind.) Ist nicht für jedermann/jedefrau. Ich höre gerne Musik bei der Arbeit. Es muss aber ruhige Musik sein, vorzugsweise ohne Gesang. Mich beruhigt das und bringt mich in eine gute Stimmung. Mehr noch: Ich habe die Angewohnheit, meine Musik immer und immer wieder zu hören, bis sie meinem Umfeld schon aus den Ohren hängt. Das hat – zumindest für mich – zwei Vorteile: Erstens kenne ich die Musik in- und auswendig und sie lenkt mich nicht mehr ab. Und zweitens ist die Musik dann mit der Grundstimmung verknüpft, in der ich beim Hören war. So habe ich gewisse CDs, die mich automatisch in “Blog-Stimmung” versetzen, da ich, als ich die CD die ersten 50 Mal gehört habe, intensiv gebloggt habe. Oder andere Musik versetzt mich automatisch in eine hochproduktive Stimmung. Das setze ich bewusst ein.
  8. Räumen Sie täglich auf. Kurz vor Feierabend räume ich (meistens) meinen Schreibtisch auf. In der Regel ist ja sowieso nicht viel drauf, da ich nur die Dokumente für die aktuelle Aufgabe vor mir habe. Ist schnell gemacht und am nächsten Tag kann ich direkt wieder loslegen.
  9. Geben Sie jedem Ding ein Zuhause. Wo habe ich bloss die Schlüssel hingelegt? Und wo ist nun schon wieder mein Kugelschreiber? Und mein Notizblock? Solche Fragen können Sie vermeiden, indem Sie jedem Ding ein Zuhause geben. Der Trick besteht darin, sich einmal bewusst zu überlegen, wo was am besten hingelegt wird, und dann konsequent diesen Ort zu nutzen. Schon nach kurzer Zeit können Sie sich gar nicht vorstellen, das Ding sonstwo zu versorgen.
  10. Bleiben Sie Herr oder Frau Ihrer Zeit. Lassen Sie sich nicht ständig unterbrechen. Leiten Sie das Telefon ruhig mal auf den Anrufbeantworter um, schliessen Sie die Türe, Ihr E-Mail-Programm und alle Chat-Programme. Schaffen Sie sich “heilige Zeiten”, zu denen Sie zu 100% konzentriert und fokussiert arbeiten können. Auch wenn es nur 30 oder 60 Minuten am Tag sind – diese Zeiten bringen Sie enorm weiter.

Das Foto zeigt meinen Schreibtisch, wie er am 7.9.2009 ausgesehen hat.


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