Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Mit Hilfe von Routinen kann man neue Gewohnheiten erlernen und erreichen, dass sie sozusagen automatisch ablaufen. Ein ähnliches Thema, über welches ich heute schreiben will, ist das Thema “Rituale”. Rituale – und ich meine nicht spirituelle Übungen – können uns helfen, das zu erreichen, was wir uns vornehmen. Denn Rituale geben dem Tag eine Struktur und verhelfen zu Stabilität. Sie helfen, eine Beziehung zu pflegen und uns auf neue Aufgaben einzustimmen. Und mit Hilfe von Ritualen können wir unsere Produktivität steigern.

Wozu Rituale?

Rituale sind zunächst Handlungen, welche nach bestimmten Regeln ablaufen, einen feierlichen Charakter haben und meist einen hohen Symbolgehalt transportieren. Man denkt dabei natürlich an religiöse Feste oder an Feiern an einem Übergang (Hochzeit, Beerdigung, Aufnahmerituale usw.). Sie können durchaus weltlicher Natur sein und sogar im Alltag einen festen Platz einnehmen. Denn schon nur mit seinen Kumpels jeweils am Donnerstag ein Bier trinken zu gehen, kann ein Ritual sein: Es läuft immer gleich ab und hat einen festen Platz im Alltag.

Rituale empfehlen sich besonders für Dinge, die man regelmässig machen muss oder will, aber die nicht dringend sind. Ich denke da beispielsweise an das Planen von Aufgaben (was will ich heute erleidgen?) oder an Reviews (was klappte heute, was nicht?). Aber auch bei den ganz alltäglichen “Übergängen” (vom Bett in den Arbeitsalltag, vom Büro in den Feierabend oder “vom Sofa ins Bett”), können Rituale helfen, einen Abschnitt zu beenden und den neuen zu beginnen. Heute möchte ich mich auf zwei grundlegende Rituale konzentrieren, die den Tag umrahmen: Das Morgenritual und das Abendritual.

Morgenritual

Es ist wichtig, den Tag bewusst zu beginnen. Genau so wie ein Sportler sich vor dem Training aufwärmt, helfen uns Rituale, uns auf den Tag vorzubereiten. Stell euch zwei Szenarien vor:

  1. Ihr quält euch morgens aus dem Bett, springt schnell und der die Dusche und dann in die Kleider, zwischen Bett und Haustüre kippt ihr noch rasch einen Kaffee runter und hetzt dann zum Bus.
  2. Ihr steht auf, folgt euren Ritualen (Frühstück, Zeitung lesen usw.), schaut auf die Uhr und seht, dass ihr langsam aber sicher los müsst. Vorher verabschiedet ihr euch von eurer Familie und zwar von jedem einzeln.

Nach welchen Szenario kommt ihr wohl ruhiger, besser vorbereitet und auch motivierter ins Büro? Und nach welchem seid ihr schon gehetzt und gestresst, bevor der Arbeitsalltag richtig begonnen hat? Die Antwort ist wohl klar. Zwar kosten Rituale auch Zeit – und das heisst für das Morgenritual, dass man auf einige Minuten Schlaf verzichten muss -, aber sie helfen, seinen Tag bewusst zu beginnen, den Draht zu sich zu finden und die Batterien aufzuladen.
Es gibt viele Formen von Morgenritualen. Hier eine Auswahl:

  • Morgenkaffee zusammen mit dem/der Partner/-in: Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich verbringe sehr gerne Zeit mit meiner Partnerin. :-) Und bereits am Morgen können wir uns austauschen über den Tag, der kommt, was wir noch gemeinsam erledigen müssen oder einfach so. Morgens ist eine sehr ruhige Zeit und es ist schön, gemeinsam langsam aufzuwachen.
  • Morgengebet: Das liegt nicht allen, aber für diejenigen, die gerne beten, kann ein Morgengebet den Draht zu sich und zum Grösseren herstellen.
  • Meditation: Auch das liegt nicht allen, aber hat eine ähnliche Wirkung wie ein Gebet.
  • Mogeninspiration (z.B. ein kurzer Text): Grundsätzlich kann man morgens alles lesen, was man mag. Man muss nur aufpassen, dass man sich wieder losreissen kann. Ein Krimi ist daher eher nicht geeignet. Aber ein inspirierendes Buch oder vielleicht auch ein Buch über die eigene Persönlichkeitsentwicklung lassen den Tag gut starten.
  • Katze füttern und streicheln: Wer Katzen hat, kommt um das sowieso nicht herum: Katzen wollen morgens fressen, auch wenn man lieber noch ein wenig liegen bleibt. Aber wenn man schon auf ist, kann man die Katze gleich auch ein wenig streicheln und verwöhnen. Das beruhigt und ist einfach schön.
  • Mit dem Hund spazieren gehen: Der Gerechtigkeit halber nehme ich diesen Punkt auch noch auf. :-) Der Vorteil liegt darin, dass man spazieren gehen muss, ob man will oder nicht, ob es regnet oder nicht. So kommt man zu seiner Bewegung und ist danach endgültig wach.
  • Sport: Ist mir persönlich zu stressig, aber es gibt viele Menschen, die morgens früh Sport treiben und danach voller Energie sind. Morgens ist auch meist die einzige unverplante Zeit.
  • Zeitung lesen: Ich habe mit dem Kaffee begonnen, also muss auch noch die Zeitung aufgeführt sein. Zeitung lesen kann auch ein Morgenritual sein, auf welches viele Leute nicht verzichten mögen.

Was man tut, ist nebensächlich. Einzige Bedingungen: Man muss es gerne tun und es muss einem gut tun! Die Vorschläge sind eher allgemeiner Natur, aber es gibt für jeden Menschen individuelle Rituale, die er schätzt. Um euch ein Beispiel zu geben, schreibe ich mein momentanes Morgenritual auf:

  1. 5 Uhr: Morgenkaffee: Ich stehe auf, schalte den Computer ein und braue einen Kaffee.
  2. 5-5.30 Uhr: News lesen: Dann beginne ich damit, in meinem Feed-Reader die neusten Artikel von anderen Bloggern zu lesen und meinen Kaffee zu trinken.
  3. 5.30-6.30 Uhr: Schreiben: In dieser Zeit – welche für mich eine der produktivsten ist – schreibe ich Mails, skizziere meine Blogeinträge oder erledige sonst etwas, was mir Spass macht.
  4. 6.30-7.30 Uhr: Bereit machen: Um etwa 6.30 Uhr gibt meine Freundin den Kampf gegen den Wecker auf und schaut nach, ob die Welt sich noch dreht. Wir frühstücken gemeinsam und anschliessend mache ich mich bereit zum Gehen (duschen, rasieren usw.).
  5. 7.30 Uhr: Weg zu Arbeit: Das ist meine letzte Zeit am Morgen für mich alleine. Ich spaziere ins Büro und höre ein Hörbuch. So bekomme ich ein wenig Bewegung und kann gleichzeitig ein Buch hören.

Dieser Rhythmus und diese Rituale helfen mir, den Tag gut zu starten und dann wach und voll Energie meine (bezahlte) Arbeit zu beginnen. Ich habe nicht nur Rituale, welche den Draht zu mir festigen, sondern arbeite bereits zu Hause. Der Tag beginnt für mich so nicht erst im Büro, sondern ich habe schon Dinge erledigt und ich konnte Zeit mit mir und meiner Freundin verbringen. Das einzige was mir fehlt, ist eine spirtuelle Zeit. Da bin ich im Moment am Überlegen, wo ich das noch einbauen könnte und auf was ich stattdessen verzichte.

Abendritual

Genauso wichtig, wie den Tag gut zu beginnen, ist es, den Tag abzuschliessen. Zunächst geht es darum, den Arbeitstag abzuschliessen und herunter zu fahren. Auch da gibt es viele Möglichkeiten:

  • Eine Tasse Tee trinken
  • Kurzschläfchen
  • Spaziergang
  • Lesen
  • Tagebuch schreiben
  • Zeit mit der Familie verbringen
  • Baden

Bevor man sich dann ins Bett geht, ist es wichtig, den Tag wirklich zu beschliessen:

  • Meditation: Hier kann man seine spirituelle Seite pflegen und zur Ruhe kommen.
  • Abendgebet: Dasselbe geht natürlich auch mit einem Gebet.
  • Tagesrückblick: Dieses Ritual ist besonders wertvoll. Es geht um einen Rückblick auf den Tag und ob man seine Ziele erreicht hat, was gut gelaufen ist, was hätte besser laufen können und was man verbessern will. Gleichzeitig kann man überprüfen, ob man bei seinen mittel- und langfristigen Zielen auf Kurs ist und ob man heute einzelne Schritte in diese Richtung unternommen hat. Die Gefahr bei langfristigen Zielen (Jahres- oder Lebensziele) ist nämlich, dass man gar nichts unternimmt, da sie ja noch so weit weg sind.
  • Dankbarkeits-Session: Wer mit schlechten Gefühlen schlafen geht, schläft meist unruhiger und schlechter. Es ist wichtig, mit einem guten Gefühl einzuschlafen. Darum kann man vor dem Einschlafen überlegen, für was man alles dankbar ist. Und wenn man sich das wirklich überlegt, kann das ganz schön viel sein. Man muss den Dank nicht an jemanden richten (wie Gott oder das Universum): Ob man jemandem dankbar ist, oder einfach nur Dankbarkeit spürt, spielt keine Rolle.

Mein Abendritual hat nur zwei Fixpunkte, die ich nicht aber missen möchte:

  1. Spielen: Praktisch täglich spiele ich mit meiner Freundin ein paar Partien “Eile mit Weile” (die schweizerische Form von “Mensch ärgere Dich nicht”). Das hilft, vom Tag Abstand zu nehmen und macht einfach Spass.
  2. Dankbarkeit: Vor dem Einschlafen überlege ich mir, für was ich dankbar bin. Das können allgemeine Dinge sein wie “ich bin dankbar, Arbeit zu haben” oder spezielle wie “ich bin dankbar, die richtigen Worte in der Sitzung gefunden zu haben”.

Beim Abendritual sehe ich für mich noch Verbesserungsmöglichkeiten. Dazu werde ich mich demnächst mal hinsetzen und ganz bewusst versuchen, meine Zeit, die ich habe, zu füllen und eine Art Terminkalender zu schreiben. Ein schönes Beispiel – wenn auch für meinen Geschmack ein wenig zu detailliert – könnte ihr bei “Life Learning Today” anschauen.

Diese beiden Rituale – morgens und abends – geben dem Tag einen individuellen Rahmen: Sie helfen, den Tag bewusst zu starten und abzuschliessen. Das wirkt insoweit auf die Produktivität, als man nicht einfach den Tag gehetzt abspult ohne Anfang und Ende, sondern sich selber und seinen Tag grundlegend ordnet. Seit ich morgens und abends meine Rituale praktiziere, fühle ich mich mehr bei mir und kann meinen Tag bewusster begehen. Sie sind jedoch nur der Rahmen – was man innerhalb des Tages macht, steht auf einem anderen Blatt. Davon habe ich hier noch nicht gesprochen. Aber auch tagsüber folgen wir vielen Ritualen: Wie wir die Kollegen begrüssen, wie die Pausen ablaufen (auch gerade die Mittagspause), wie wir die Aufgabenplanung oder einen Review in den Tagesablauf einbauen, usw. Dort ist viel Platz, um weitere Rituale einzubauen, um den Tag zu strukturieren und regelmässige wichtige Dinge einzubauen Das Morgen- und das Abendritual sind also erst der Ausgangspunkt, seinen Tag besser und bewusster in den Griff zu bekommen.

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