Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Schieben Sie manchmal auch Dinge auf? Nicht? Das glaube ich Ihnen nicht. :-)

Oder haben Sie tatsächlich noch nie auf den Snooze-Knopf Ihres Weckers gedrückt? Auch das ist eine Form des Aufschiebens oder – präziser ausgedrückt – der Prokrastination (Prokrastination: lat. procrastinatio, zusammengesetzt aus “pro” [“für”] und “crastinus” [“morgig”]). Man will nämlich das Aufstehen aufschieben und lieber noch im weichen, warmen Bett liegen bleiben.

Finden Sie das kleinlich? Vielleicht, aber es zeigt auf, dass wahrscheinlich jeder Mensch ab und zu etwas aufschiebt. Das ist alles andere als schlimm – ja, sogar ein Stück weit menschlich -, aber es kann schnell kippen und Sie und Ihren Erfolg behindern.

Lassen Sie uns deshalb ein paar Seiten der Prokrastination diskutieren.

Prokrastination als “normales” Phänomen

Aufschieberitis,  Prokrastination oder der innere Schweinehund: Egal, wie Sie es nennen, jeder tut es.

Die Steuererklärung ausfüllen, den Keller oder die Garage aufräumen, vielleicht auch mal ein Brief, den Sie schon lange schreiben sollten oder sogar ein komplettes Projekt auf der Arbeit. Aufschieben ist eine natürlich Reaktion. Wir wollen unangenehme Dinge und unangenehme Gefühle verhindern. Deshalb schieben wir auf, auch wenn wir genau wissen, dass das nur eine kurzfristige Strategie ist. Schlussendlich müssen wir uns eben doch durch die Steuererklärung wühlen oder das Projekt endlich angehen. Dann aber leider unter grossem Druck und grosser Hektik.

Problematisch wird es jedoch dann, wenn Sie regelmässig und/oder immer die selben Aufgaben aufschieben. Oder: Wenn die Prokrastination Ihren Erfolg behindert.

Was viele Menschen nicht wissen: Prokrastination ist nicht die Ursache, sondern bereits eine Folge von etwas anderem. Sie schieben vielleicht auf, weil Sie Angst vor Kritik haben oder weil Sie die Arbeit perfekt abliefern möchten und zugleich wissen, dass Sie das eh nie schaffen. Oder weil Sie sich vor Ablehnung fürchten. Die Folge: Sie verfallen der Prokrastination, Ihr innerer Schweinehund gewinnt.

Prokrastination und Faulheit

Prokrastination hat überhaupt nichts mit Faulheit zu tun. Wer aufschiebt, ist nicht faul.

Wer faul ist, der will nicht. Der will nicht arbeiten, sondern lieber umher liegen. Der will nicht abwaschen, sondern lieber nichts tun. Der will nicht ins Kino, das Sofa ist ja so bequem.

Wer hingegen aufschiebt, der will, aber kann nicht. Er weiss: “Ich muss die Steuererklärung ausfüllen und wenn ich das immer weiter hinausschiebe, habe ich wieder den selben Stress und die selbe Hektik wie letztes Jahr”. Aber es gelingt ihm nicht, die Starthürde zu überwinden. Er will, aber kann nicht.

Deshalb ist Prokrastination auch kein eigentliches Problem des Zeitmanagements. Natürlich helfen eine gute Organisation und gute Arbeitstechniken, den inneren Schweinehund zu überlisten. Aber das alleine genügt nicht. Einem Aufschieber einen Wochenplaner in die Hand zu drücken, ist wie einem Depressiven zu sagen, er solle doch mal fröhlich sein.

Dabei gibt es kaum jemanden, der alles aufschiebt. Viele Aufschieber pflegen durchaus erfolgreich anspruchsvolle Hobbies, lesen täglich die Zeitung, sind erfolgreich ehrenamtlich engagiert, doch nur auf der Arbeit fällt es ihnen so unendlich schwer, das neue Projekt endlich anzugehen oder das Telefongespräch mit dem Kunden endlich zu führen.

Symptombekämpfung

Im Internet finden Sie hunderte von Tipps und Tricks, die Ihnen helfen können, Ihre Aufschieberitis in den Griff zu bekommen. Leider funktionieren diese Tipps meistens nur dann, wenn Sie nur selten Dinge aufzuschieben. Sobald es etwas tiefer geht, helfen Ihnen diese Tipps nur als zweiter Schritt. Denn die Tipps sind reine Symptombekämpfung.

Hinter der Prokrastination steckt jedoch ein anderer Grund. Es lohnt sich, diesem Grund nachzuspüren und heraus zu finden, was denn genau hinter Ihrer Prokrastination steckt.

Wenn Sie einmal Kopfschmerzen haben, dann nehmen Sie eine Tablette. Wenn Sie aber regelmässig oder sogar täglich Kopfschmerzen haben, dann gehen Sie ja auch zum Arzt und lassen sich untersuchen.

Die Tipps und Tricks ähneln hier der Tablette: Sie helfen zwar, aber gehen das Problem nicht an der Wurzel an.

Wie bekommt man also die Prokrastination in den Griff?

Es ist durchaus möglich, die eigene Prokrastination im Griff zu haben. Prokrastination nicht angeboren, sondern erlernt. Und was man lernen kann, kann man auch wieder verlernen.

Zunächst geht es mal darum, sich nicht mit dem inneren Schweinehund zu identifizieren. Sie haben ihn zwar, aber sind nicht identisch mit ihm.

Dann geht es darum, zu realisieren, dass Sie die Prokrastination niemals unterdrücken oder endgültig loswerden können. Wie gesehen, ist Prokrastination ein Stück weit normal. Es geht viel mehr darum, sich mit dem inneren Schweinehund zu verbrüdern und ihn zu integrieren.

Am besten geht das, indem Sie sich mit Ihrer Prokrastination ganz genau auseinander setzen: In welchen Bereichen schieben Sie auf? Wo nicht? Welchen Mustern sind Sie ausgeliefert? Wo gehen Sie dem inneren Schweinehund auf den Leim?

In einem nächsten Schritt empfehle ich, einen guten Rahmen für Ihre Arbeit zu finden und sich selbst zu stärken. Fakt ist: Je stärker Sie sich fühlen, je mehr Sie “bei sich” sind, desto weniger werden Sie in die Prokrastination fallen.

Fazit

Ich weiss, das schreibt sich so leicht. Umsetzen ist eine andere Geschichte.

Bedenken Sie aber: Prokrastination ist nicht ein Phänomen, das sich einfach unterdrücken oder wegschieben lässt. Prokrastination geht tief, sehr tief sogar.

Ich könnte Ihnen sofort ein paar Dutzend Tipps geben, was Sie gegen die Prokrastination tun können. Das ist aber nur eine Soforthilfe bei momentaner Prokrastination. Wollen Sie die Prokrastination nachhaltig in den Griff bekommen, müssen Sie zu den Ursachen gehen. Und das kostet etwas Zeit und Anstrengung.

Aber es ist zu schaffen. Bleiben Sie also dran!

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