Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Ein beliebter Tipp im Zeitmanagement ist, Ziele zu setzen und diese dann genau durchzuplanen. Also zu fragen: Was muss ich tun, um mein Ziel zu erreichen? Welche Aktionen sind nötig?

Daneben gibt es ja noch die ganzen Ansätze zur Zielerreichung wie SMART, PURE, CLEAR und viele mehr. Auch diese sagen: Mach einen Plan, um Dein Ziel zu erreichen. Auch auf meiner Seite finden Sie diesen Tipp an der einen oder anderen Stelle.

Doch ist dem wirklich so? Ist Planen wirklich so wichtig, um Ziel zu erreichen? Es gibt Indizien dafür, dass die Planung auch eher das Gegenteil bewirken kann.


Planen als Einstiegsdroge

Scott Ginsberg ist der Meinung:

Planning is the gateway drug to procrastination.

“Planen ist die Einstiegsdroge zur Aufschieberitis.”

Er spricht dabei zwei Probleme an:

  1. Entscheidend ist nicht die Planung, sondern das Tun.
  2. Wie können wir etwas planen, was wir ja noch nicht genau kennen?

Zu 1.
Meistens liegen unsere Schwierigkeiten gar nicht darin, dass wir etwas zu wenig durchgeplant haben. Sondern unsere Schwierigkeiten liegen darin, dass wir

  • zu wenig
  • zu langsam
  • zu wenig entschlossen
  • zu zögerlich
  • zu spät

handeln.



Zu 2.
Wenn wir uns ein neues Ziel setzen, können wir natürlich noch nicht genau wissen, wie wir dorthin gelangen. Unsere Zeit- und Aufwandsschätzung liegen deshalb häufig daneben – manchmal sind wir zu optimistisch, manchmal zu pessimistisch.

Planung gibt uns die Illusion, dass wir alles kontrollieren können. Und genau darin liegt die Falle. Wir müssen bereits jetzt Entscheidungen treffen über einen Prozess, der uns weitgehend unbekannt ist.


Gar nie mehr planen?

Es geht hier nicht um Hetze oder unüberlegtes Tun. Es geht viel mehr darum, dass uns unser Planen oftmals am Tun hindert. Wir planen so lange, bis wir meinen, alles im Griff zu haben.

Selbstverständlich gibt es Fälle, in denen eine Planung nicht nur angebracht, sondern absolut notwendig ist, etwa bei komplexen Projekten mit verschiedenen involvierten Mitarbeitenden. Doch in vielen Fällen und besonders dort, wo wir uns ein persönliches Ziel setzen wollen, ist weniger oftmals mehr.


Wo ist der Kompromiss?

Ich bin nicht sicher, ob es ganz ohne Planung wirklich geht. Aber ich sehe den Punkt von Scott Ginsberg. Was könnte also die Lösung sein?

Die Lösung liegt in der rollenden Planung. Ich überlege mir die nächsten vielleicht zwei bis drei Schritte, aber mehr nicht. Wenn es ein grösseres Projekt ist, dann überlege ich mir vielleicht noch den groben Zeitrahmen, also bis wann das Ding fertig sein soll. Das funktioniert, weil ich

  • mir die Zeit selbst(ständig) einteilen kann;
  • viel Freiraum habe;
  • wenig direkt für Kunden arbeite (abgesehen von Seminaren und Coachings), sondern heute Produkte und Konzepte entwickle, die Sie morgen kaufen können;
  • keine Mitarbeiter habe;
  • weiss, was ich will.

Ich arbeite im Moment an einem grösseren Projekt und habe rasch gemerkt: Meine Pläne sind sehr schnell völlig überholt:

In dem Projekt gibt es Dinge und Ideen, die zuerst etwas reifen müssen, dann muss ich Ideen weiterentwickeln – was häufig mehr Zeit braucht, als erwartet -, dann habe ich vielleicht mal einen Tag, an dem ich nicht so viel produziere wie sonst usw.

Deshalb habe ich mir hier bewusst den Stress der Planung und den Druck des Plans genommen.

Hingegen setze ich mir Handlungsziele – wie das Stefan Frädrich kürzlich in einem sehr guten Artikel auch empfohlen hat.

Ein Beispiel:
Ich stehe recht früh auf und nutze die ersten Stunden für mein Morgenritual und zum Schreiben. Wenn ich diese Handlungen täglich durchführe, dann weiss ich, dass ich es schaffe, meine Artikel und sonstigen Dinge zu schreiben, ohne mir ein Ziel von beispielsweise 1000 Wörtern am Tag setzen zu müssen.


Was ist Ihre Meinung dazu?

Dieser Artikel ist eher ein lautes Nachdenken, als ein Tipp für alle Fälle. Deshalb bin ich sehr an Ihren Kommentaren interessiert.

Wie klingt das in Ihren Ohren? Was denken Sie dazu?

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