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Als Solopreneur liebt man ja seine Freiheit. Tut man aber nur das, worauf man gerade Lust hat, dann kommt man nicht wirklich vorwärts.

Deshalb ist es wichtig, das Jahr zu planen. Nicht in jeder Kleinigkeit und ohne einzuschränken.

Doch die Ziele und der Plan sind eine Art Leuchtturm, die uns die Richtung angeben.

Wie Bernd Geropp und ich unser Jahr planen, verraten wir hier in dieser Podcast-Folge.


Jahresziele und Jahresplanung

So setzt du dir Jahresziele und planst dein Jahr – ohne dich einzuschränken

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Alle Infos zum Podcast…


In dieser Folge erfährst du:

  • Wie wir unser Jahr planen;
  • Wie weit wir unsere Jahresziele herunterbrennen;
  • Wie wir Mottos oder Schwerpunkte setzen;
  • Welche Arten von Zielen wir setzen;
  • Wie der Redaktionsplan da hineinpasst;
  • Wie man die Verbindung mit seinen Zielen nicht verliert;
  • …und natürlich vieles mehr.

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Das Gespräch zum Nachlesen

Ivan Blatter: Hallo Bernd, wie geht es dir? Hat dein Jahr gut begonnen?

Bernd Geropp: Hallo Ivan, ja, wunderbar, jetzt geht es wieder richtig los. Ich hatte Ende November etwa zwei Monate Auszeit, das hat richtig Spaß gemacht. Ich bin jetzt richtig mit Tatendrang dabei, glaube ich.

Ivan: Wenn ich es richtig verstanden habe, hast Du diese Auszeit auch genutzt, um deine Strategie zu überlegen und auch Ziele für das folgende Jahr, also für 2016, zu setzen.

Bernd: Richtig!

Ivan: Wie bist du dabei vorgegangen?

Bernd: Ich mache das schon seit Jahren, es hat sich über die Jahre so ein bisschen angepasst, und seit zwei, drei Jahren mache ich das für mich wirklich nach einer Art Prozess. Der erste Prozess ist, dass ich mir erst einmal die Vergangenheit anschaue – was habe ich im letzten Jahr erreicht? Das heißt, ich nehme mir vor, was waren die Ziele, die ich hatte, was ist passiert? Ich gehe beispielsweise auch meinen Planer nochmal durch, gehe die Sachen durch, die ich mir aufgeschrieben hatte im letzten Jahr, die ich vorhatte, und vergleiche sie. Und dann schaue ich, was ich erreicht habe und was nicht. Aber jetzt kommt das Wichtige: Es geht nicht nur darum, die Ziele zu erreichen, sondern sich auch zu überlegen, dass einfach vieles passiert, was man nicht geplant hat. Und das ist häufig auch etwas Positives, jedenfalls erstaunlicherweise bei mir. Wenn ich zurückblicke, klar, dann gibt es auch Negatives, ich habe ein Ziel mal nicht erreicht, etwas ist kaputtgegangen oder weiß der Teufel was. Aber das Tolle bei dieser Sache ist, wenn du dir tatsächlich Zeit lässt und wirklich Monat für Monat das durchgehst, was war, dann bekommst du ein positives Gefühl und denkst, „vielleicht habe ich meine Ziele nicht erreicht, aber insgesamt habe ich doch ganz schön viel geschafft“. Und du kommst in ein positives Mindset, das finde ich so toll. Klar bekommst du dann auch Ideen, „hey, das könnte ich dieses Jahr so und so machen“, das ist dann wichtig, und das schreibe ich mir eben auf. Aber wichtig ist, sich erst einmal mit der Vergangenheit zu beschäftigen, und erst danach kommen die Sachen, die für das neue Jahr bestimmt sind.

Ivan: Das finde ich ganz spannend. Ich gehe ähnlich vor, ich schaue auch, was im letzten Jahr war. Was ging gut, was nicht? Ich mache es nicht ganz so strukturiert, wie du es gerade geschildert hast. Bei mir geht es auch häufig darum, wie es sich anfühlt. Wenn ich zum Beispiel an mein Business im letzten Jahr denke, natürlich habe ich da die harten Zahlen und Fakten, ich habe die Ziele, ich kann sagen, was ich erreicht habe und was nicht. Aber was eben auch ganz wichtig ist, das ist mein Eindruck, wie fühlt sich das Jahr 2015 businessmäßig an, wie hat sich das für mich angefühlt?

Das motiviert mich auch sehr, du hast ja auch in dieser Richtung etwas gesagt. Oder beispielsweise meine sportlichen Ziele oder die Gesundheitsziele, das kann ich mit Zahlen festmachen, ob das erfolgreich war oder nicht.

Bernd: Das war bei mir nicht erfolgreich, da war ich ganz schlecht. Aber das ist eine andere Geschichte (lacht).

Ivan: (lacht) Okay! Aber hat es für mich gepasst, hat es für mich gestimmt, war es für mich gut so oder nicht? Und es gab durchaus auch in der Vergangenheit Ziele, die ich mir gesetzt habe und wo ich nach ein paar Monaten gemerkt habe, das Ziel an und für sich ist zwar gut, gut geplant und alles, aber nein, irgendwie ist es kein Ziel, das ich erreichen möchte oder es ist eines, das ich nicht mehr erreichen möchte. Vielleicht, weil ich mich verändert und weiterentwickelt habe, Einsichten gewonnen habe und merke, nein, dieses Ziel will ich eigentlich gar nicht.

Bernd: Da gebe ich dir absolut Recht. Das ist aber genau das, was ich mit dieser Vergangenheitsbewältigung eigentlich meine, denn genau das kommt dann hoch, aber ich habe kein schlechtes Gewissen, dass ich dieses Ziel, das ich mir mal gesetzt habe, nicht erreicht habe. Denn ich kann für mich erklären, warum es so ist, und das Ziel war vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig, es ging von anderen Voraussetzungen oder Annahmen aus. Dann ist das vollkommen okay. Natürlich gibt es auch manchmal Sachen, bei denen ich mir sage, “das hast du aus Schludrigkeit gemacht”, und dann kommt die neunschwänzige Katze raus und sagt, “böser Bernd!” Aber das ist etwas Anderes (lacht).

Ivan: (lacht) Genau, aber das ist das Problem, in der Regel setzt man sich Ziele in einem Bereich, den man noch nicht so gut kennt oder die einen vielleicht anspornen, die sportlich sind. Man setzt sich Ziele, die außerhalb der eigenen Komfortzone liegen, und da hast du immer ein großes Unsicherheitsmoment. Du weißt nicht so genau, was du tun musst, um das Ziel zu erreichen, du kennst das Ziel möglicherweise nicht so detailliert. Und im Laufe der Zeit merkst du, “nein, das ist mir gar nicht so wichtig” oder “ich will meine Energie für andere Ziele aufwenden” und so weiter und so fort. Und wenn man dann kein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man eben ein Ziel nicht erreicht oder es anpasst, dann ist das überhaupt kein Problem. Man darf auch schlauer werden, man darf sich auch weiterentwickeln.

Bernd: Vor allen es kann ja auch sein, dass sich unterjährig neue Ziele ergeben. Zum Beispiel unser Leadership Barcamp, ich habe Mike, wenn ich mich recht entsinne, überhaupt erst Anfang 2015 kennengelernt. Wir sind zusammengekommen, haben uns das überlegt und im November das Barcamp gemacht, mit dem Erfolg, den wir damit hatten. Das war Anfang des Jahres noch gar nicht planbar. Und ich brauche auch die Zeit und die Energie, um zu switchen, unterjährig, um solche Dinge eben zum Gelingen zu bringen.

Ivan: Genau, und diese Freiheit haben wir ja auch als Solopreneure, dass man unterjährig schlauer werden darf oder neue Gelegenheiten anpacken kann, ohne sich an irgendeinen großen Plan gebunden zu fühlen. Diese Flexibilität ist auch ein großer Vorteil des Solopreneurtums.

Bernd: Man muss natürlich aufpassen, dass man die richtige Balance findet. Was nicht passieren darf, das ist, dass man jeden Tag eine neue Idee hat, „oh, jetzt mache ich dies und dann jenes“, dann kommt gar nichts dabei herum. Und deswegen habe ich für mich einen Weg gefunden, wo ich sage, ich mache eine Fokusplanung für die nächsten ein bis zwei Monate. Das ist wie so bei diesem agilen – „agile“ – Projektmanagement, dass man sagt, man macht eine Planung und setzt sich ein Ziel, und daran arbeitet man jetzt mit Aktionen die nächsten 30 bis 60 Tage. Und danach darf ich wieder neu. Das heißt, wenn dann eine Idee kommt, „Mensch da könnte ich doch noch dieses Jahr was machen“, dann schreibe ich es auf. Und in 30 oder 60 Tagen schaust du dir das an, und dann kannst du die Sachen verändern, aber nicht jetzt. Also dadurch kriegst du Sachen halt hin. Denn ein Jahr, zwölf Monate, das ist verdammt lang, wenn du in dieser Zeit die Ziele wirklich festgehalten haben willst in dieser Art und Weise.

Ivan: Du blickst also zuerst zurück, und dann entwickelst du die neuen Ziele aufgrund der Erfahrungen und der Dinge, die du eben erreichen willst und pickst dir eines davon heraus für die nächsten ein zwei Monate?

Bernd: Ja, prinzipiell schon. Dazwischen ist noch, dass ich sage, nach der Vergangenheit schaue ich nochmal auf meine eigentliche Vision, die ich für mich habe, wo ich hinwill. Passt das, was im letztem Jahr passiert ist, damit zusammen? Und wenn das dann der Fall ist und ich nichts anpassen muss bei dem großen Ziel oder der Vision, dann gehe ich den Schritt, dass ich sage, okay, nächstes Jahr könnte ich dies und jenes angehen, das wäre interessant. Und damit das auch wirklich umgesetzt wird, unterteile ich jedes Jahr quasi in sechs Abschnitte in jeweils ein bis drei Monate. Zum Beispiel ist bei mir in den nächsten zwei Monaten bis Ende Februar die Online Leadership Plattform. Danach, im März und April liegt mein Fokus auf dem zweiten Leadership Barcamp. Dann kommt der Bereich, dass ich ein Leadership-Mastermind aufbauen möchte, und danach kommt erst einmal eine Urlaubssession. Die folgenden zwei, drei Monaten von September bis November, so in diese Richtung, die lasse ich offen für Kundenprojekte, weil da meistens alles Mögliche läuft. Und danach setze ich wie dieses Jahr auch auf Strategie beziehungsweise Urlaub, so, wie du es auch gemacht hast. Runterfahren, keine Aufträge annehmen und auch keine Produkte planen oder sonstiges. Der Vorteil davon ist, dass ich diese Planung später ändern kann, aber für die nächsten ein, zwei Monate weiß ich genau, was ich zu tun habe. Dann steht zwar keine Planung, die für jeden Tag heruntergebrochen ist, aber die Größenordnung für die Projekte steht damit. Ende Februar, Anfang März wäre dann die Zeit, dass ich mir einen halben Tag nehme und die nächsten zwei Monate plane.

Ivan: Und da kann es dann sein, dass du zwar sagst, du hattest ursprünglich den Fokus auf dem Leadership Barcamp, aber genau jetzt musst du aus diesen oder jenen Gründen doch einen anderen Fokus nehmen.

Bernd: Aber ich entscheide in dem Moment bewusst, dass ich es anders mache und muss dann auch dabeibleiben, damit ich es umgesetzt kriege. Das für mich eigentlich von der Balance her ganz gut. Das heißt, ich habe als Solopreneur noch genügend Freiheitsgrade, wie ich sie ja haben möchte. Auch vor allem deswegen, weil ich es nicht wirklich auf jede Stunde und jeden Tag eins zu eins herunterplane. Aber im Schnitt ist es schon für circa zwei Monate detailliert geplant. Und danach habe ich aber nach wie vor noch alle Freiheiten.

Ivan: Ja, sehr spannend, sehr interessant.

Bernd: Wie machst Du es?

Ivan: Ich habe bei mir jeweils einen Jahresfokus, ein Jahresmotto, wenn du es so willst. Für 2016 ist das Motto oder das Stichwort „Fokus“, die Fokussierung meines Business. Aber auch generell ein besserer Fokus im Alltag und so weiter und so fort. Es geht auch ein Stückweit in Richtung Minimalismus, ich will mich auf das Wesentliche, auf das mir persönlich Wichtige, Essenzielle fokussieren. Und das zieht sich sowohl durch das Business als auch das Privatleben, eigentlich durch alles, das ist dieses Jahr mein Fokus. Letztes Jahr war mein Fokus zum Beispiel “Professionalisierung”, das war das Stichwort. Das Jahr davor war es „Gesundheit“. Nicht, weil ich gesundheitliche Probleme gehabt hätte, aber damals habe ich mich mit Sport, Ernährung und diesen Dingen beschäftigt. So ein Fokus kann durchaus etwas sein, was außerhalb des Business liegt, einfach ein Jahresthema, wenn du es so willst. Das steht sozusagen über allem.

Bernd: Das finde ich auch gut, das habe ich auch schon mal probiert, aber irgendwie ist es so ein bisschen verloren gegangen. Letztes Jahr habe ich so etwas gehabt, aber es ist aus dem Fokus gekommen.

Ivan: Genau, sehr schön, ja. Und dann gehe ich auch hin und setze mir Ziele in verschiedenen Bereichen. Zuerst mache ich einen Rückblick, so wie du es geschildert hast, und dann setze ich mir ein Ziel in verschiedenen Bereichen, im Business, Gesundheit, Fitness, im Wohlbefinden. Es gibt einen Bereich “Ich”, wo ich mich um mich selbst kümmere. Oder einen Bereich “wir”, das sind meine Frau und ich und so weiter und so fort. Und da setze ich mir ganz konkrete Ziele. Zum Teil sind das Handlungsziele. Ein Beispiel, was kann ich da nehmen? Ich schau mal auf meine Liste, zum Beispiel schlafe ich jede Nacht siebeneinhalb Stunden oder während fünf Tagen pro Woche, schlafe ich siebeneinhalb Stunden pro Nacht. Das ist eines meiner Ziele in diesem Jahr, weil ich tendenziell zu wenig schlafe, und das will ich ändern. Es können aber auch knallharte Ergebnisziele sein, wo ich mir eine Ziellinie definiere. Beispielsweise im Business habe ich ein Umsatzziel, das kann ich am 31.12. 2016 abhaken oder eben sagen, dass ich es nicht erreicht habe. Das ist eigentlich eine Mischung. Ich setze mir Ziele in verschiedenen Bereichen meines Lebens, die mir gerade wichtig sind.

Bernd: Ja, das mache ich auch so. Wichtig bei der Sache ist, es dürfen nicht zu viele Ziele sein, sonst funktioniert das nicht.

Ivan: Oder sie müssen zusammenspielen.

Bernd: Ja okay, genau, dass sie auf eine einzige Sache hinarbeiten, aber dann habe ich ja ein großes Ziel, was ich erreichen will, und ich breche es herunter.

Ivan: Genau.

Bernd: Dann funktioniert das, ja.

Ivan: Gerade in dem Beispiel mit dem Umsatzziel ist es so, ich habe versucht, es auf drei Teilziele herunterzubrechen, die mir helfen, dieses Ziel zu erreichen. Und in Bezug auf das Business leite ich dann einen Plan ab, eine Art Marketingplan. Wenn ich jetzt bei dem Umsatzbeispiel bleibe, dann wäre es, „was muss ich tun, damit ich diesen Umsatz erreiche? Aha, ich muss diese und jene Aktion fahren“. Oder dann kommt dieser und jener Launch, und dann kommt dieses und jenes und so weiter und so fort. Und das breche ich erstmal so grob herunter. Ich weiß also, wann ich dieses Jahr welches Produkt launche, und dann mache ich auch einen recht detaillierten Plan, allerdings für die nächsten drei bis vier Monate.

Bernd: Okay

Ivan: Da steht dann grob drin, wann ist welches Webinar, wann wird welches Produkt gelauncht, mit welcher E-Mail-Folge, wann beginnt dann diese E-Mail-Folge? Und so weiter und so fort. Das geht dann bei mir auch sehr stark ins Thema „Redaktionsplan“ hinein. Nicht, dass ich schon jeden Blogbeitrag geplant hätte, aber gerade bei speziellen Aktionen muss ich wissen, wann beginnt das, wann weise ich das erste Mal auf irgendwas hin, wann das zweite Mal?

Bernd: Das muss ich auch sagen, für einen Blog oder für einen Podcast, da habe ich jetzt auch schon die Themen für die nächsten sechs Monate fertig, wirklich für jeden einzelnen. Ich erlaube mir zwar, die dann nochmal zu switchen, aber ich versuche auch, diese Planung zu machen, ja, das stimmt.

Ivan: Das hilft mir auch, mich zu fokussieren. Ich merke einfach, wenn es darum geht, Konten zu erstellen, dann bin ich am schnellstens und am besten, wenn ich weiß, was ich tun muss. Aber wenn ich den Computer hochfahre und mir dann erst überlege, dass wieder ein Artikel fällig ist, das mache ich nicht. Auch, wenn es vielleicht erst in vier Wochen ist und ich bereits genug vorgeschrieben habe, ich muss den Computer aufmachen und sofort schreiben können. Ich will nicht zuerst überlegen müssen, über was kann ich schreiben kann und erst dann beginnen. Also das ist bei mir sehr stark getrennt, das Planen und dann das effektive Schreiben.

Bernd: Ja, also kann ich nur unterstützen, mir geht es genauso. Sonst würde ich unheimlich viel Zeit und Energie verlieren.

Ivan: Häufig versuche ich außerdem, mich nicht zu sehr von meinen Launen steuern zu lassen. Ich muss es wirklich vorsichtig sagen, aber als Solopreneur schätzt man die Freiheit, ich schätze es auch mal, morgens aufzustehen, auf meinen Plan schauen zu können und zu sagen, „ach nein, ich mache etwas Anderes“. Das ist toll, und es ist schön, diese Freiheit zu haben. Aber ich darf mich nicht nur von meinen Launen steuern lassen. Und wenn ich ein leeres Blatt Papier vor mir habe und sage, „ich muss jetzt einen Artikel schreiben“, dann schreibe ich halt irgendetwas. Und vielleicht merke ich dann auch, da habe ich zu wenig Fleisch am Knochen oder zu wenig recherchiert oder so, und dann wird es nicht gut. Aber wenn ich einen Plan habe und weiß, was ich zu tun habe, dann kann ich auch mich dadurch ein Stückweit selbst steuern, und ich glaube, die Qualität wird dann einfach auch besser.

Bernd: Ich lasse mir so etwas schon mal durchgehen, aber dann gehe ich zumindest hin und sage, „eine halbe Stunde hast du Zeit, und die machst du jetzt, und wenn es dann nicht funktioniert, dann lässt du es eben“. Diese Freiheit lasse ich mir. Und ich würde sagen, in neun von zehn Fällen bleibe ich dann auch dran. Das ist ein Trick, wie ich mich dahinbekomme.

Ivan: Genau.

Bernd: Aber du hast vollkommen recht, die Planung ist ganz entscheidend für mich. Wenn ich zum Beispiel eine größere Podcastfolge machen würde, dann bräuchte ich mindestens zwei Tage. Ich benötige vielleicht nicht die ganzen zwei Tage, aber ich muss erst einmal eine Sammlung haben. Nein, eigentlich muss ich erst einmal den Titel haben oder das Thema, und das kann irgendwann gemacht worden sein, das muss nicht jetzt sein, und das ist manchmal sogar günstig. Denn wenn ich eine solche Liste habe von verschiedenen Dingen und einen Redaktionsplan, und ich merke, dass ich darauf gerade keine Lust habe und eigentlich etwas Anderes machen könnte, dann gebe ich mir diese Freiheit. Das hilft mir auch, ins Tun zu kommen.

Ivan: Das funktioniert natürlich nur, wenn du weit genug voraus bist. Wenn du jetzt deine Podcast Folge übermorgen veröffentlichen musst, dann musst du einfach tun!

Bernd: So etwas passiert bei mir nie! (Lacht)

Ivan: Bei mir übrigens auch überhaupt nie (lacht).

Bernd: Das wollte ich auch gerade noch sagen, ich habe auch diese Fokusplanung, ich habe mindestens drei, vier Monate nicht nur vorgeplant, sondern die auch schon gebatched, so dass ich die Podcasts fertig habe. Mit den Interviews habe ich das bereits, aber noch nicht mit den Solofolgen. Aber ich bin nahe dran. Das ist ein unheimlich befreiendes Gefühl, wenn du weißt, dass du einen Vorlauf hast, denn da kann auch einiges passieren. Ich merke nur, wenn ich solche Sachen im Vorlauf habe, dann brauche ich sie auch immer irgendwann auf. Deswegen muss ich unterjährig wieder Zeit finden, wo ich wiederaufarbeiten kann. Das heißt, ich werde auch wieder im Juni, Juli, August ein, zwei Monate Pause machen, um diese Zeit zu nutzen, erneut Podcasts im Batchprozess zu generieren und wieder Freiheit zu haben.

Ivan: Das passt auch sehr gut zum Thema „Fokus“. Denn viele Aufgaben, die wir machen, erledigen wir am besten gleich hintereinander, eben in einem Batch oder wir „bulken“, das kann man auch sagen. So wie wir das jetzt machen. Wir nehmen heute Nachmittag gleich ein paar Doppelkick-Folgen auf.

Bernd: Ah, jetzt hast du es verraten!

Ivan: Jetzt habe ich es verraten, ja! (Lacht)

Bernd: (Lacht)

Ivan: Das bewährt sich einfach ganz gut. Dann ist man im Doppelkick-Modus, im Podcast-Modus oder im Schreib-Modus, und dann geht es relativ leicht und locker von der Hand. Und dann hat man wieder ein paar Wochen, wo man sich auf andere Dinge konzentrieren kann. Das versuche ich auch zu machen, und zwar vermehrt dieses Jahr. Aber das Ganze, was wir hier jetzt eigentlich besprochen haben oder wie wir das Ganze umsetzen, das steht und fällt meiner Meinung nach damit, ob wir auch regelmäßig auf unseren Plan und unsere Ziele blicken.

Bernd: Oha!

Ivan: Ich glaube, sonst funktioniert das nicht. Das ist ein Kapitalfehler, den ich häufig beobachte, den ich früher auch selber gemacht habe: Du nimmst dir zwischen Weihnachten und Neujahr schön Zeit, machst deine wunderbaren Ziele, hast Freude daran – und schaust sie nie wieder an. Sie verschwinden in einer Schublade, und irgendwann so gegen Ende des Jahres fällt dir ein, „oh da war doch noch was! Mal schnell schauen, wo bin ich denn da?“ Aber so funktioniert das natürlich nicht. Und bei mir ist es so, dass ich einmal pro Woche auf meine Ziele schaue, nur kurz, um nachzusehen, wo stehe ich, wie war das diese Woche, bin ich ihnen nähergekommen oder nicht? Und was muss ich nächste Woche tun, um meinen Zielen näher zu kommen? Diese regelmäßige Durchsicht, die ist, glaube ich, spielentscheidend für die ganze Geschichte hier.

Bernd: Ja, und genau deswegen versuche ich das. Letztes Jahr hat es schon sehr gut geklappt und ich hoffe, dass es dieses Jahr auch wieder so gut klappen wird. Quasi mit ein-, zweimonatigen Sprints, wo ich den Fokus habe, weil ich mich dadurch nach dem Sprint dazu zwinge, mich einen halben oder einen ganzen Tag rauszuziehen und neu zu planen. Und so beschäftige ich mich dann mit den Zielen. Denn innerhalb dieser Frist von den anderthalb, zwei Monaten gibt es so viel, und da passiert es sehr schnell, dass ich es dann doch nicht tue. Ich bin nicht so wie du, dass ich es durchziehe, jede Woche nach den Zielen zu schauen, das schaffe ich irgendwie nicht.

Ivan: Ich mache das im Rahmen meines Wochenrückblicks. Das ist ein Instrument aus „Getting Things done – GTD“. GTD legt sehr viel Wert auf diesen Wochenrückblick. David Allen sagt sogar, „wenn du keinen Wochenrückblick machst, dann machst du kein GTD“ – knallhart! Und ich weiß, warum er das tut, denn das Ganze ist unglaublich wichtig, vor allem bei einem Zeitmanagementsystem, das relativ komplex und aufwändig ist wie GTD. Aber auch sonst, und seien es nur fünfzehn oder zwanzig Minuten, diese Zeit, die man sich nimmt, um zurückzublicken und vorauszuschauen, um zu schauen, wo stehe ich, was muss ich vielleicht korrigieren oder so, die ist unglaublich wertvoll.

Bernd: Machst Du das sonntagabends oder wann machst Du das?

Ivan: Ich mache das am Samstagvormittag, das ist meine Zeit für den Wochenrückblick. Du weißt ja, ich bin ein Morgenmensch, und Samstag schläft meine Frau gerne ein klein wenig länger als ich, und ich nutze dann die Zeit für eben diesen Wochenrückblick. Da gehören auch noch andere Dinge dazu, zum Beispiel, meine Belege abzuarbeiten oder ich schaue dann in den Kalender, was war letzte Woche, was kommt nächste Woche auf mich zu? Ich habe eine Checkliste, die ich dann abarbeite, und einer der Punkte darauf, das ist, meine Ziele durchsehen.

Bernd: Okay, okay.

Ivan: Und das funktioniert recht gut. Und da kann ich auch planen. Dann sehe ich, „oh, von diesem Umsatzziel bin ich aber noch weit entfernt. Jetzt muss ich mal was tun“. Das ist ja eigentlich das Entscheidende. Ein Plan ist ja gut und recht, aber wenn sich dann keine Aktion daraus ergibt, die ich dann tatsächlich umsetze, also, wenn ich dann nichts tue, dann habe ich nichts gewonnen.

Bernd: Ja, das stimmt. Da bin ich selbst nicht so strukturiert. Wie schon gesagt, ich mache das so nach anderthalb, zwei Monaten sehr intensiv, und dazwischen muss ich es so eingeplant haben, dass es in sich läuft. Außer, es passiert irgendetwas. Ich mache eher diese Planung für den nächsten Tag, wie sieht es da aus? Aber diese Rückschau, wie der Tag oder wie die Woche gelaufen ist, das mache ich nicht, nein. Vielleicht sollte ich es mal ausprobieren, das wäre keine schlechte Idee.

Ivan: Vielleicht, ja, da kann man auch nochmal kleine Korrekturen machen. Es ist eigentlich dasselbe, was du Ende des Jahres machst – mit der Rückschau und der Vorschau. Ich sage jetzt, dass ich es jede Woche mache, aber ob ich es wirklich jede Woche durchziehe, dafür kann ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Wenn ich mal am Wochenende weg bin, dann fällt das weg oder, wenn ich auch mal so lange schlafe wie meine Frau, dann fällt das auch weg und so weiter und so fort.

Bernd: Ich wollte es gerade sagen, definitiv würde es bei mir nicht Samstagmorgen sein. Das wäre dann wahrscheinlich eher mit einem Glas Wein am Sonntagabend.

Ivan: Genau, ja. Das ist ja auch die Zeit, liebe Zuhörer, wo man einige Mails von Bernd bekommt. Ich habe die Vermutung, dass Bernd am Sonntagabend seinen Posteingang aufräumt. Ist das so?

Bernd: Ja, teilweise ist das sehr stimmig, ja.

Ivan: Ja, sieh an, sieh an!

Bernd: Das hängt auch zum Teil damit zusammen, dass sich meine beiden Söhne sehr für American Football interessieren, sie spielen auch American Football. Und da wird irgend so eine Liga übertragen, und da muss ich nicht mitschauen, das tue ich mir nicht an! Ich bin mal zehn Minuten mit dabei, aber ich habe keinen besonderen Spaß daran. Und das ist eine schöne Sache, dass ich mich dann für so etwas zurückziehen kann ja.

Ivan: Das geht bei mir nicht, weil der Sonntagabend „Tatort-Zeit“ für uns ist, da schaue ich mir immer mit meiner Frau den Tatort an. Das ist auch so ein kleines Ritual, um die Woche abzuschließen oder die neue zu beginnen. Das schätze ich wirklich sehr, diese Rituale, ja, diese Rituale sind einfach schön.

Bernd: Ja, das stimmt.

Ivan: Ja, lieber Bernd, das war eine spannende Folge. Auch, um mal zu sehen, wie du planst, wie ich plane und was wir voneinander lernen können. Ich glaube, Planung funktioniert wirklich nur, wenn sie uns nicht in ein enges Korsett zwängt, sei es als Solopreneur oder als Unternehmer. Man muss eine gewisse Spontaneität und Flexibilität zulassen und diese auch nutzen können, denn wir können kein ganzes Jahr komplett durchplanen, da geschehen viel zu viele Dinge. Vielleicht auch noch ein kleines Beispiel zum Abschluss: Ich erinnere mich 2015, da hatten wir ganz zu Beginn des Jahres das erste Treffen unserer Mastermind-Gruppe in Wien, Ende Januar war das. Und da habe ich wirklich für mein Business einige Dinge auch verändert. Ich habe mir überlegt, was mache ich? Ich hatte einen Plan, was ich genau mache, bin dem gefolgt, aber habe dann im Verlauf der Monate gemerkt, ich sehe da ein paar Nachteile, ich sehe auch ein paar Dinge, die nicht funktionieren. Ich sehe auch, dass ich eigentlich keinen Spaß daran habe, diesen Plan jetzt so weiter zu verfolgen, dass das nicht meins ist. Und dann habe ich es geändert. Und was ist passiert? Eigentlich nichts. Beziehungsweise, eigentlich lief das Business dann auch noch besser, als ich ursprünglich geplant hatte. Und ich glaube, diese Flexibilität, die brauchen wir Solopreneure, und das ist eigentlich auch das, was Spaß macht. Sofern man nicht zu sprunghaft wird und, wie du vorhin auch schon sagtest, jeder neuen guten Idee sofort nachspringt.

Bernd: Richtig. Ich nenne in diesem Zusammenhang immer den Satz von Helmuth von Moltke aus dem Militärischen: "Kein Plan übersteht die erste Feindberührung, aber trotzdem muss ich planen.“ Denn mit dem Plan überlege ich mir, da ist das Ziel, da möchte ich hin. Jetzt probiere ich das aus, und dann merke ich hey, irgendwas funktioniert nicht, also mache ich einen neuen Plan oder verändere ihn ein bisschen, weil das Ziel habe ich ja immer noch, meistens oder zumindest das große Ziel. Und das finde ich sehr stimmig. Und die zweite Sache, über die haben wir noch nicht gesprochen, die halte ich aber auch für sehr wichtig: Man sollte diese Pläne, die man macht, schriftlich festlegen. Ob ich sie digital oder auf Papier schreibe, sei noch dahingestellt. Ich bin ein Freund des Papiers, was diese Sachen angeht, aber das halte ich für ganz wichtig. Und es macht richtig Spaß, wenn man es ein paar Jahre durchgezogen hat und sich anschaut, was man sich früher so vorgenommen hat. Das gehört bei mir auch zu der Vergangenheitsgeschichte dazu, das macht richtig Spaß.

Ivan: Und es ist manchmal auch richtig lustig. Beispielsweise habe ich dieses Jahr einige Ziele eins zu eins vom Jahr 2014 übernommen. Die hatte ich offenbar nicht erreicht. Gut, das waren zum Teil auch eben diese Handlungsziele, das Beispiel mit dem Schlaf, das gab es schon mal in meinem Leben (lacht).

Bernd: Das ist bei mir das mit Sport, ja okay.

Ivan: Aber ich gebe nicht auf, ich setze es mir wieder und wieder als Ziel, und irgendwann erreiche ich es.

Bernd: Ja, das stimmt.

Ivan: Lieber Bernd, vielen Dank für diesen Austausch zum Thema „Jahresziele, Ziele und Planung“.

Bernd: Sehr gerne, Ivan. Dabei habe ich auch wieder etwas für die Wochenplanung gelernt, danke!

Bildnachweis: © Depositphotos.com / olly18

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