Lars Bobach hat es getan, Michael Sliwinski tut es seit Jahren, Ben Brooks tut es sogar mit zweien – und auch ich habe es getan:

Für eine Woche habe ich ausschließlich an meinem iPad gearbeitet.

Warum überhaupt und welche Erfahrungen ich gemacht habe, zeige ich dir hier.

iPad only - eine TestwocheAls Tim Cook im September 2015 das iPad Pro präsentiere, war seine Vorstellung glasklar. So stellt sich Apple die Zukunft des Computers vor:

The iPad is the clearest expression of our vision of the future of personal computing.

Dem iPad wird von Anfang an unterstellt, es sei ein Gerät zum Konsumieren von Inhalten (Musik, Videos, Bücher etc.). Tim Cook hingegen hält daran fest, dass das iPad ein vollwertiger Computer sei, das den Laptop komplett ersetzen könne.

Das wollen wir doch nicht einfach ungetestet stehen lassen.

Mein Test: Der Ablauf

Die Vorbereitung

Meine Arbeitsgeräte
Meine Arbeitsgeräte

Ich bin – sagen wir mal – ziemlich gut ausgerüstet: Auf meinem Schreibtisch steht ein 15″ MacBook Pro mit dem Thunderbolt Display. Häufig arbeite ich auch mit einem 12″ MacBook.

Seit 2010 nutze ich außerdem diverse iPads, aktuell das 9,7″ iPad Pro mit einem Apple Smart Keyboard und dem Apple Pencil. Auf das kleine bin ich nach ein paar Monaten mit dem 12,9″ iPad Pro gewechselt.

Seit dem ersten iPad nutze ich es nicht nur zum Konsumieren von Inhalten, sondern immer schon zum Arbeiten – hauptsächlich zum Schreiben.

Meine These ist: am iPad ist der Fokus höher, da ich da weniger abgelenkt bin als am MacBook.

Ich habe mir zum Testen eine Woche ausgesucht, in der keine kritischen Aufgaben anstanden. “Kritisch” heißt: es gab keine Aufgaben, von denen ich von vornherein wusste, dass ich sie am iPad nicht erledigen kann. Doch dazu mehr.

Mal schauen, was ich in dieser Woche erfahren habe.

Tag 1: Motiviert an den Start.

Ich experimentiere sehr gerne, deshalb habe ich mich auch auf diesen Test gefreut.

LucidChart
LucidChart

90% meiner Arbeit braucht nicht viel Rechenpower. E-Mails und Blogkommentare beantworten, Newsletter vorbereiten, To-do-Liste organisieren, sogar unser regelmäßiges Mastermind-Treffen auf GoToMeeting – alles kein Problem am iPad.

Im Gegenteil: mir fällt auf, dass ich mich viel besser auf die aktuelle Aufgabe fokussiere. Natürlich kann ich am iPad blitzschnell zwischen zwei Apps wie am Computer wechseln, doch man sieht immer nur ein (oder zwei) Fenster gleichzeitig.

Am MacBook lenke ich mich eher ab, wenn ich zwischen zwei Apps wechseln will und bei einem dritten Fenster hängen bleibe, weil es halt grad da ist.

Nur zwei Schwierigkeiten hatte ich: aus irgendeinem Grund konnte ich keine Anzeige im Business Manager von Facebook schalten. Zwar ist Facebook für Tablets optimiert, doch hat es steif und fest behauptet, meine Seite sei mit keinem Facebook-Account verknüpft und die Arbeit verweigert.

Zum Glück konnte ich meine Anzeige dann aber doch erstellen und zwar in AdEspresso. Dort war es kein Problem.

Doch bereits am ersten Tag musste ich mogeln: Für ein Angebot musste ich meine Vorlage in Fastbill ändern, da es einen unschönen Zeilenumbruch gab. Das ging leider nicht am iPad. Deshalb habe ich für 5 Minuten mein MacBook reanimiert.

Tag 2: Schon fast normal.

Alles wie gehabt: Arbeiten war überhaupt kein Problem.

Zwei Apps nebeneinander
Zwei Apps nebeneinander

E-Banking, Plugin via PayPal gekauft, bei WordPress installiert und eingerichtet, Videoskript geschrieben (zwei Apps nebeneinander: Ulysses und PDFExpert), Flowchart in LucidChart erstellt, MindMaps mit iMindMap erstellt, Marketing-Konzept für meinen Productivity Booster entworfen (handschriftlich mit dem Apple Pencil in Apple Notes), Brief geschrieben in Pages und vieles mehr – alles gut.

Nur als ich den Brief drucken wollte, musste ich ziemlich tricksen: unser Drucker hat zwar WLAN, aber kein AirPrint und wird daher nicht vom iPad erkannt.

Die Lösung? Ganz “einfach”: Brief in PDF umgewandelt und dann mit der App des Druckerherstellers (Brother) ausgedruckt.

Einzige das Ausdrucken einer E-Mail war abenteuerlich: Via Airmail habe ich die E-Mail in ein PDF umgewandelt und dann auch mit der Brother-App gedruckt.

Fazit des zweiten Tages:

Nicht alles läuft so flüssig wie am MacBook, doch das liegt daran, das mein Workflow nicht an das iPad angepasst ist.

Trotzdem stelle ich fest, dass mein Fokus viel schärfer als am MacBook ist.

Tag 3: Jetzt geht’s um die Wurst.

Am dritten Tag hatte ich ein paar Spezialfälle auf dem Programm.

Handschriftliche Notizen am iPad
Handschriftliche Notizen am iPad

Ich wollte einen meiner Verkaufsfunnels anpassen, einen Countdown auf der Landing Page eines meiner Produkte installieren und meine Webseite bearbeiten.

Um es kurz zu machen: ging alles problemlos. Hätte ich so nicht erwartet.

Weitere Herausforderung: ein Coaching am iPad. Normalerweise zeige ich etwas an meinem Computer und mache natürlich viele Notizen.

Bildschirm teilen ging leider nicht – das war aber für diese Stunde OK.

Wie mache ich aber Notizen, wenn GoToMeeting nicht erlaubt, zu einer anderen App zu wechseln, ohne meine Kamera auszuschalten?

Ich war für eine Sekunde versucht, meine Notizen auf Papier zu machen. Ich konnte der Versuchung aber erfolgreich widerstehen :-) und habe stattdessen auf meinem iPhone meine Notizen gemacht. Das ging überraschend gut.

Was mir gefiel: Mein Fokus war wieder sehr hoch.

Tage 4-7: Die Routine

Die folgenden Tage liefen gleich ab: ich konnte alles erledigen, was ich erledigen wollte. Für die eine oder andere Aufgabe brauchte ich zwar einen kleinen Umweg, doch alles in allem klappte alles.

Mein Fazit

Arbeiten am iPad ist nicht nur möglich, sondern sehr wohltuend. In dieser Woche war mein Fokus viel schärfer und damit meine Erwartung voll erfüllt.

Die Arbeit lief nicht so schnell und flüssig, wie ich das gewohnt bin.

  • Das liegt einerseits am Workflow, der nicht so eingespielt ist wie am MacBook.
  • Andererseits ist nicht von der Hand zu weisen, dass einige Aufgaben am iPad umständlicher sind als am MacBook. Einfaches Beispiel: Bild aussuchen in der Dropbox und dann bearbeiten. Kann man machen – nur nicht so schnell wie am MacBook. Oder eine Präsentation erstellen: geht auch, doch besonders das Einfügen von Bildern, wenn sie nicht in Apple Fotos sind, ist umständlich.

Was am iPad nicht geht

Ich nutze das iPad seit seinem Erscheinen 2010 zum Arbeiten. So weiß ich bestens, was überhaupt möglich ist.

Es gibt ein paar Dinge, die ich am iPad nicht erledigen kann:

  • Webinare halten (es sind keine Aufzeichnungen in GoToMeeting möglich)
  • meine Buchhaltung nachführen (Banana – das Programm meiner Wahl – läuft nur unter Mac/Windows)
  • Videos, die bereits gedreht sind, bearbeiten (ich nutze Screenflow und die haben keine iPad-App)
  • Podcasts erstellen (ginge schon “irgendwie”, doch nicht mit meinem Mikrofon)

Was am iPad mühsam ist

Arbeiten am iPad macht richtig Spaß – abgesehen von ein paar Dingen:

  • Fotos als ZIP herunterladen und dann auf Flickr hochladen – sehr umständlich
  • iPad inkl. Smart Keyboard am Stehpult oder auf dem Schoß – der Winkel dafür ist sehr ungünstig
  • Drucken ohne AirPrint-Drucker (was ich zum Glück nur ca. 1 Mal monatlich tun muss)

So geht es für mich weiter

Als ich nach meiner Testwoche wieder meine Computer hochfuhr, war ich irgendwie erleichtert. Es stand nämlich die Vorbereitung eines Webinars an und das ist doch deutlich einfacher zu erledigen, wenn ich einen großen Bildschirm und den eingespielten Workflow am MacBook habe.

Trotzdem hat mir meine Testwoche gezeigt, dass Tim Cook nicht ganz recht hat. Ja, mit dem iPad kann man problemlos arbeiten. Nur kann man nicht unbedingt alles damit erledigen. Je nach Job und Software, die man nutzt, ist es schwierig.

Schlussendlich sollte, der Spaß und die Effizienz nicht ganz aus den Augen verloren werden. Ich kann das meiste auch am iPad erledigen und doch bin ich deutlich effizienter am MacBook. Das mag aber am nicht eingespielten Workflow am iPad liegen.

Für mich geht es so weiter: ich werde weiterhin je nach Lust und Laune zum iPad wechseln. Das iPad wird auch mein Begleiter auf Reisen sein – da brauche ich nur ein MacBook, wenn ich eine Outlook-Schulung (für Windows :-) ) halte.

Das war mein Beitrag zur Blogparade “eine Arbeitswoche ohne meinen größten Effizienzkiller” von Jürgen Kurz. Klick ruhig auf den Link, da stehen schon ein paar tolle weitere Artikel.

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