Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Wir leben in einer Welt, wo man zu jeder Zeit praktisch jede Information zu Verfügung hat. Das ist gut! Ich schätze das sehr und da ich mich schon sehr lange im Internet und dessen Vorläufern bewege (eigene E-Mail-Adresse seit 1991), kann ich mich kaum noch an die Zeit vorher erinnern. Doch diese Informationsflut bringt auch Nachteile, jede Medaille hat zwei Seiten. Der Umgang mit all diesen Informationen muss gelernt sein, sonst überwiegen die Nachteile:

  1. Produktivitätsverlust: Ein Zuviel an Informationen kann zu zwei Dingen führen: Erstens verliert man den Blick für das Ganze und versinkt in den unzähligen Details. Die sind aber vielleicht gar nicht wichtig. Zweitens verliert man den Fokus auf das, was man eigentlich tun wollte und wozu man die Informationen braucht. Sie kennen das sicher auch: Nur kurz wollten Sie etwas im Internet nachschauen und schwupps ist eine Stunde vorbei.
  2. Informationslärm: Zu viele Informationen führen dazu, dass Sie automatisch von einer zur nächsten Neuigkeit springen. So kommen Sie nie zur Ruhe und finden Ihren Flow nicht.
  3. Zeitverlust: Ich habe es schon angesprochen: Man springt von einer Information zu nächsten, verliert den Überblick, bleibt bei unwichtigen Dingen hängen und die Zeit rinnt nur so dahin.
  4. Reflexion Das Springen zwischen verschiedenen Informationen verkürzt die Zeit der Reflexion. Man nimmt sich die Zeit nicht mehr, um die Informationen angemessen zu verarbeiten.
  5. Stress: Die Informationsflut führt zu mehr Stress. Man hat Angst, etwas Wichtiges zu übersehen oder etwas Interessantes zu verpassen. Schlussendlich kann das zu einer Infosucht führen und man hält es ohne neuen Input gar nicht mehr mit sich selber aus. Abgesehen dass man ständig online sein muss, immer und in jeder Situation.

Wie bei allen Dingen ist auch hier das Zuviel problematisch, selbst wenn die Informationen an sich eine gute Sache sind. Eine Reihe Schokolade schmeckt und beruhigt die Nerven, die ganze Tafel macht übergewichtig. Ein Kaffee nach dem Essen ist anregend, ein paar Tassen machen nervös. Ein Glas Wein hilft zu entspannen, eine Flasche Wein lässt die Welt sich drehen.

Wir brauchen Informationen, um überhaupt arbeiten zu können, aber wir brauchen nicht jede Information und wir brauchen keine unwichtigen Informationen. Die folgenden Vorschläge können dabei helfen, mit der Informationsflut besser umzugehen.

Quellen reduzieren

Suchen Sie sich Informationskanäle bewusst aus, nämlich diejenigen, die Ihnen den grössten Nutzen bringen. Den Rest reduzieren Sie oder kappen sich davon ab. Welche TV-Sendungen bringen Ihnen einen Wert? Welche Zeitungen und Zeitschriften möchten (und müssen Sie wirklich) lesen? Welche Blogs möchten Sie regelmässig lesen – ausser ivanblatter.com :-). Welche Seiten im Internet haben wirklich einen Nutzen für Sie? Nachdem Sie sich entschieden haben, schaffen Sie sich am besten eine Gewohnheit, wann und wie oft Sie diese Quellen anzapfen wollen. Lassen Sie diesen Schritt nicht weg. Sonst enden Sie doch wieder damit, ständig dieselben Seiten anzusurfen oder permanent E-Mails abzurufen.

E-Mail-Konsum reduzieren

Eine der grössten Quellen für Ablenkungen und gleichzeitig eine der wichtigsten Informationsquellen sind E-Mails. Ein vernünftiger Umgang damit ist bereits mit einfachen Mitteln zu erreichen: Schalten Sie als erstes die Mailbenachrichtigung aus. So werden Sie mit jeder neuen E-Mail abgelenkt. Versuchen Sie dann, Ihre E-Mails nur zu bestimmten Zeiten pro Tag abzurufen. Bewährt haben sich 2-3 Mal pro Tag, beispielsweise um 9 Uhr, 11 Uhr und 16 Uhr. Zu diesen Zeiten arbeiten Sie Ihren Posteingang ab bis er leer ist.

Vermeiden Sie unbedingt, gleich am Morgen als Erstes Ihre Mails abzurufen. Sonst ist ein Produktivitätsverlust fast schon garantiert, da man sich schnell in den Mails verliert und von einer Aufgabe zur nächsten hüpft. Arbeiten Sie lieber zuerst mindestes 30-60 Minuten an einem wichtigen Projekt.

Mit diesen einfachen Massnahmen müssen Ihr Leben und Ihre Gewohnheiten nicht gleich völlig auf den Kopf stellen, aber werden schnell die Wirkung spüren. Probieren Sie es einfach mal für 2 Wochen aus und entscheiden Sie dann, ob das nicht ein gutes Vorgehen für Sie wäre.

Ziel/Zweck

Zielgerichtetes Handeln meint nicht nur Jahres-, Monats- und Tagespläne, sondern meint auch, sich immer bewusst zu sein, weshalb man etwas tut. Das gilt besonders für den Umgang mit der Informationsflut. Überlegen Sie sich, weshalb Sie jetzt und überhaupt eine bestimmte Informationsquelle anzapfen wollen. Nur wenn die Antwort Sie befriedigt, tun Sie es. Keine Angst, Sie „müssen“ nicht immer produktiv sein. Der Zweck kann durchaus sein: “Ich möchte mich entspannen” und deshalb schauen Sie einen spannenden Film. Wenn diese Quelle diesen Zweck erfüllen kann, dann tun Sie es.

Zeitlimiten

Setzen Sie sich Zeitlimiten für den Konsum von Informationen. Geben Sie sich vor, wie lange Sie sich mit dieser Quelle beschäftigen wollen. Mit sportlichen Zeitvorgaben können Sie sich auf die wichtigen Informationen konzentrieren. Sie steuern nur die Internet-Seite an, die Sie wirklich weiter bringen oder Sie schauen wirklich nur diesen einen Spielfilm.
Ich musste mir Zeitlimiten für meinen Konsum von Blogs setzen. Dazu benutze ich zwei Feedreader: Im einen habe ich die etwa 10 wichtigsten Blogs abonniert, die ich täglich lese. Diese kommen meistens auf weniger als 10 Artikel pro Tag, von denen mich höchstens die Hälfte interessiert. Im zweiten sind all die anderen Blogs, die auch interessant sind, aber bei denen es genügt, wenn ich die Schlagzeilen lese und nur gewisse Artikel herauspicke. Hier habe ich knapp 100 Blogs abonniert. Diese Blogs lese ich nur einmal pro Woche und zwar mit der Vorgabe, weniger als eine Stunde damit zu verbringen. Diese Zeit genügt mir, um über das Wichtigste auf dem Laufenden zu bleiben.

Informationsdiät

Wenn Sie es wirklich wissen wollen, dann setzen Sie sich auf eine Informationsdiät. Schauen Sie beispielsweise während einer Woche kein Fernsehen, machen Sie einen E-Mail-freien Tag oder schalten Sie Ihr Telefon bewusst an den Abenden aus. Sie wissen bestimmt, was Sie sich zumuten können und was für Sie Sinn macht. Probieren Sie es aus und geniessen Sie die neu gewonnene Zeit.

Hat dir der Artikel gefallen? Dann sprich darüber:

Ähnliche Beiträge