Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Meine Hassliebe zu Evernote

Produktivitätstrainer auf der ganzen Welt sind sich einig: Wer effizient seine Notizen verwalten will, muss Evernote nutzen.

Alle? Nein, nicht ganz alle. Es gibt da ein Schweizer Trainerlein, das nicht so richtig glücklich mit Evernote wird. Aber auch nicht ohne kann.

Lesen Sie hier, weshalb ich Evernote liebe und hasse zugleich.

Weshalb ich digital notiere

Ich schätze es schon lange, meine Notizen digital zu erfassen und zu verwalten. Die Vorteile:

  • Ich kann meine Notizen blitzschnell durchsuchen.
  • Sie sind immer bei mir.
  • Sie werden in meinem Backup gesichert.
  • Ich kann Notizen von einem in ein anderes Programm kopieren.
  • Ich kann an die Notizen andere Dokumente hängen, sie verlinken usw.

Für mich ist völlig klar: Ich werde nicht mehr so schnell auf Papier notieren. Und falls doch, scanne ich diese Notizen sofort ein.

Was ich an Evernote mag

Evernote ist der Standard für digitale Notizen. Was ich an Evernote liebe:

  • Evernote ist überall verfügbar. Im Browser, auf dem Computer, auf dem Smartphone, auf dem Tablet.
  • Ich kann einzelne Notizen oder ganze Notizbücher teilen. Entweder öffentlich oder nur mit bestimmten Personen. Wenn ich z.B. mit meiner Frau eine Reise mache, erstellen wir ein Notizbuch für das Reiseziel und befüllen es gemeinsam mit Ideen, Links zu Hotels und Sehenswürdigkeiten usw.
  • Finde ich eine interessante Webseite, kann ich diese per Mausklick in Evernote speichern. Und zwar als Link, als Kopie, als PDF, als Ausschnitt usw. Sehr einfach, sehr schnell, sehr effizient.
  • Ich habe auch offline Zugriff auf meine Notizen. …sofern man ein Premium-Abo hat. Für mich von unschätzbarem Wert – besonders auf Reisen. Ich will nämlich z.B. auf unsere wunderbaren Reisetipps auch zugreifen können, wenn ich dann am Reiseziel bin.
  • Viele andere Apps integrieren Evernote. Als Quasi-Standard hat man immer den Vorteil, dass andere Apps und Dienste gut mit einem zusammenarbeiten. So kann man z.B. in der To-do-Anwendung Nozbe direkt Evernote-Notizen anzeigen lassen. Oder bei IFTTT gibt es natürlich auch eine Aktion für Evernote.
  • Ich kann mir Notizen per E-Mail schicken. Jeder Evernote-Nutzer hat eine geheime E-Mail-Adresse. Schickt man an diese eine E-Mail, landet sie direkt und automatisch in Evernote.

Was ich an Evernote nicht mag

Tja, und dann gibt es eben noch die Dinge an Evernote, die mich fast verzweifeln lassen:

  • Evernote ist nicht immer stabil und zuverlässig: Meine Frau und ich haben schon Daten verloren, weil das Teilen von Notizen eben doch nicht immer funktioniert – zumindest nicht bei geteilten Notizen mit angehängten Dateien.
  • Die Oberfläche ist furchtbar. Sorry, liebes Evernote-Team, aber wenn ich Evernote auf meinem Mac öffne, fühle ich mich vom Design und der Bedienung her um mindestens 10 bis 15 Jahre zurückgeworfen: Unübersichtlich, unlogisch, folgt überhaupt nicht der Mac-Logik. Es macht einfach keinen Spaß, so zu arbeiten. Unter iOS ist das Ganze noch viel schlimmer. Hier kommt Evernote zwar modern daher, aber ich kenne wenige Apps, die so unübersichtlich und chaotisch sind.
  • Mehr ist leider nicht mehr. Mit Evernote kann man alles machen, was man sich vorstellen kann. Leider. Viele Funktionen sind aber nicht zu Ende gedacht. Z.B. die Erinnerungsfunktion für Notizen: Nett, aber schlecht gelöst. Oder die To-do-Funktion: Haben Sie schon mal versucht, auf einem iPad oder einem iPhone ein Kästchen abzuhaken? Sehr mühsam – meistens landet man nämlich im Editier-Modus der Notiz.
  • Lieber in die Tiefe als in die Breite: Evernote hat in den letzten Jahren einige Apps erstellt oder gekauft, die sich natürlich wunderbar mit Evernote integrieren lassen (z.B. Evernote Food, Evernote Hello oder Skitch). Das ist ja alles ganz nett. Nur fände ich es besser, wenn die Kernfunktionen von Evernote ausgereifter werden würden, als immer noch mehr in das Evernote-Universum hineinzupacken.

Evernote ist ein gutes Programm mit einigen Schwächen. Besonders mit der Oberfläche und der Bedienung werde ich einfach nicht warm und verderben mir jeden Spaß an dem Programm.

Nun, das Problem ist nicht neu. Im Gegenteil: Phil Libin, der CEO von Evernote, hat in einem Blogbeitrag Besserung versprochen. 2014 soll der Schwerpunkt auf “Design und Einfachheit” gelegt werden und nicht mehr auf mehr Features. Ich begrüße das sehr und bin gespannt, was da kommen mag.

Alternativen

Ich habe noch nicht viele Alternativen ausprobiert – obwohl es die natürlich gibt. Würde ich ausschließlich unter Windows arbeiten, würde ich mich vermutlich intensiver mit Microsoft OneNote beschäftigen.

Einige Monate habe ich versucht, mit der Notizen-App von Apple zu arbeiten, die mir sehr entspricht: Minimal, einfach, übersichtlich und problemlose Synchronisation mit meinem iPhone und iPad. Doch irgendwie ist das Programm doch eine Spur zu einfach.

Was mich immer wieder zu Evernote zurückführt und nicht zu anderen Programmen, ist das Geschäftsmodell von Evernote:

Unser Ziel besteht darin, die nächsten 100 Jahre ein ständig auf Innovation bedachtes, global inspiriertes und am Nutzen für unsere Kunden orientiertes Unternehmen zu sein. (Quelle)

Schließlich will ich auf meine Notizen auch noch in Jahren oder vielleicht sogar Jahrzehnten Zugriff haben. Deshalb verzichte ich auf jede Nischenlösung oder Lösung, deren Geschäftsmodell ich in Bezug auf Langfristigkeit nicht so ganz traue.

Tja, liebes Evernote, ich hoffe sehr, dass ihr es dieses Jahr hinkriegt und das Versprechen von Libin umsetzt. Denn eigentlich seid ihr mir ganz sympathisch.

Bildnachweis: © Depositphotos.com / olly18

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