Fußball und Zeitmanagement Teil 2: Was hat die EM 2012 mit dem Anti-Zeitmanagement zu tun?

Bereits am letzten Dienstag ging es um ein paar Parallelen zwischen Fußball und Zeitmanagement.

Heute geht es um fünf weitere Gemeinsamkeiten.

EM 2012 und Anti-Zeitmanagement: Noch mehr Gemeinsamkeiten

Fußballer entscheiden in Sekundenbruchteilen, was zu tun ist.

Zögernde Stürmer schießen kein Tor. Zögernde Verteidiger rennen nur dem Ball hinterher. Zögernde Mittelfeldspieler schlagen keine perfekten Flanken. Zögernde Torhüter gibt es nicht, die wurden schon längst entlassen.

Im Anti-Zeitmanagement heisst eines der sieben Prinzipien “Entscheiden”: Wo nötig, können wir uns blitzschnell entscheiden.

Natürlich gibt es Dinge, die zuerst reifen müssen. Doch selbst hier sollten Sie sich so rasch wie möglich und angebracht entscheiden. Das geht bei der Wahl der Urlaubsortes schneller als bei der Umgestaltung Ihrer Firma.

Doch so oder so geht es so rasch wie möglich und angebracht. Bei Urlaub heisst “möglich und angebracht” in Sekunden, bei der Umgestaltung Ihrer Firma vielleicht Wochen oder Monate.

Getroffene Entscheidungen werden nur im Ausnahmefall geändert. Der Grad zur Sturheit ist zwar schmal, doch Grübeln führt andererseits schnurstracks in die Aufschieberitis.

Wer nie aufs Tor schießt, kann nicht gewinnen.

Irgendwann muss der Stürmer mal schießen. Er probiert unzählige Male, die Verteidigung auszuhebeln und den Torhüter zu überraschen. Meistens gelingt dies nicht. Drückt er einsam ab und verfehlt, ist er ein Egoist und hätte lieber den Ball abgegeben. Gelingt ihm der Schuss, ist er der Held. Das ist sein Risiko.

Ein Fußballer, der zögert und grübelt, sieht den Ball nur aus der Ferne. Irgendwann muss er den genialen Pass probieren. Auch wenn es nicht klappt.

Genauso bei der Arbeitsorganisation: Sind Sie unzufrieden, kommen Sie beruflich nicht weiter, haben Sie keine Ziele, wissen Sie nicht wohin und fühlen Sie sich überfordert, dann müssen Sie mal was daran ändern.

Von alleine wird es nicht besser. Einstein werden folgende Worte zugeschrieben (von denen mehrere Varianten zu finden sind):

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Also: Einfach mal probieren. Nicht unüberlegt, nicht überstürzt, aber doch mal handeln. Nur so kann sich etwas verändern.

Eine gut organisierte Mannschaft erhält weniger Tore.

Einstudierte Abläufe, jeder kennt seine Aufgabe, die Mannschaft spielt tatsächlich als Mannschaft. Das sind drei Erfolgsgaranten im Fußball. Sobald ein Verteidiger sich nicht an die Abmachungen zur Abseitsfalle hält, entwischt der gegnerische Stürmer. Sobald jemand nicht am richtigen Ort steht, funktioniert der einstudierte Freistoß nicht. Ist die Mannschaft nicht gut organisiert, erhält sie mehr Tore.

Sind Sie an Ihrem Arbeitsplatz schlecht organisiert, haben Sie keinen Überblick und sind gestresster. Vermutlich werden Sie auch mehr Aufgaben erhalten, als Sie bewältigen können, weil wegen Ihrer schlechten Organisation gar nicht merken, dass Sie mal “Nein” sagen sollten.

Auch steigt Ihre Unzuverlässigkeit, was irgendwann zu einem schlechten Image führt. Für Selbstständige ein “worst case”-Szenario.

Wer hingegen gut organisiert ist, bestimmt – wie im Fußball – eher das Spiel. Er setzt die Akzente und kann seine Vorstellungen umsetzen.

Eine gute Arbeitsorganisation mag oftmals als notwendiges Übel angesehen werden. Schließlich wollen Sie ja Ihren Job machen und nicht Ihre Arbeit organisieren. Doch ohne geht es halt einfach nicht. Nicht umsonst widmet das Anti-Zeitmanagement dem eigentlichen Organisieren ein eigenes Prinzip.

Ein gutes Spiel ist grob vorgeplant.

Bevor eine Mannschaft den Platz betritt, weiß sie ziemlich genau, was sie vom Gegner zu erwarten hat. Sie hat sich mit ihm beschäftigt und sich einen Plan zurecht gelegt. Natürlich nicht im Detail, sonst geht jede Flexibilität verloren. Die Mannschaft muss auch reagieren können, wenn sich der Gegner plötzlich anders verhält oder eine andere Aufstellung präsentiert als erwartet. Ganz zu schweigen davon, wenn plötzlich ein Tor fällt. Es braucht einen Plan, aber auch die nötige Flexibilität.

Die Wochen- und Tagesplanung teilt diese Eigenschaften: Es geht nicht darum, den Tag genau zu planen, sondern nur grob vorzuspuren, um sich die nötige Flexibilität zu bewahren.

Bis vor wenigen Jahren wurde empfohlen, den Tag genau zu planen, so dass man wusste, was man z.B. heute um 9.30 Uhr zu tun hat. Zwar sollte man Puffer einplanen, doch eine genaue Tagesplanung war die Empfehlung.

Das funktioniert heute so nicht mehr. Wir müssen uns unsere Flexibilität bewahren. Wir werden ständig bombardiert von neuen Aufgaben.

Eine einfache, grobe Tages- und Wochenplanung reicht heute völlig aus, kostet kaum Zeit und garantiert diese nötige Flexibilität. Im Anti-Zeitmanagement wird dies im Prinzip “Entscheiden” behandelt.

Der Trainer muss kein guter Spieler gewesen sein.

Jogi Löw spielte zwar in der Bundesliga, doch galt er nie als Spitzenspieler. Jürgen Klopp schaffte es sogar nie über die Zweitliga hinaus. Beide gelten heute als absolute Könner und erfolgreiche Spitzentrainer.

Anders beim Produktivitätstrainer: Der sollte schon produktiv arbeiten können und seine Arbeitsorganisation im Griff haben.

Doch er muss vom Job seiner Kunden wenig bis keine Ahnung haben. Natürlich muss er im Leben verankert sein und wissen, was seine Kunden beschäftigt. Er muss auch sofort oder durch geschickte Fragen erkennen können, wo der Schuh drückt. Er muss aber nicht den Job des Kunden machen. Dafür ist der Kunde der Experte.

Ein guter Produktivitätstrainer wird nicht jedem Kunden dasselbe empfehlen. Genauso wenig wie Jogi Löw oder Jürgen Klopp alle Spieler gleich trainieren lassen. Ja, sie behandeln nicht mal alle Spieler gleich.

Eine funktionierende Arbeitsorganisation sieht deshalb für mich anders aus als für Sie. Einfach weil ich ein anderer Mensch mit anderer Gepflogenheiten und Vorlieben bin als Sie – und umgekehrt.

Das Anti-Zeitmanagement weiß das natürlich auch und führt Sie zu Ihrer eigenen Lösung.

 

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Ivan Blatter

Über Ivan Blatter

Ich bin Personal Trainer für neues Zeitmanagement und zeige meinen Kunden, wie sie ihre Produktivität verdoppeln und mehr erreichen, ohne sich dabei auszulaugen.

Ich helfe einerseits Solopreneuren und Unternehmern, ihr persönliches Zeitmanagement zu verbessern, so dass sie ihr volles Potential umsetzen können für ein erfolgreiches Business mit mehr Freude und Motivation. Andererseits unterstütze ich Unternehmen dabei, die Produktivität ihrer Teams zu erhöhen und so die Ziele schneller zu erreichen.

So einfach wie möglich, immer persönlich und individuell.

2 Gedanken zu “Fußball und Zeitmanagement Teil 2: Was hat die EM 2012 mit dem Anti-Zeitmanagement zu tun?”

  1. Lieber Ivan Blatter,
    die meisten Ihrer Tipps könnte ich ohne Rückhalt unterschreiben. Nur den Zusammenhang zum Fußballspiel erschließt sich mir überhaupt nicht.
    Der Fehler des traditionellen Zeitmanagements liegt meiner Meinung nach nicht nur an seinem „Rasenmäher“-Ansatz nach dem Motto: „1 Tipp reicht für 1.000 Leute.“ Sondern vor allem an seiner Beschränktheit auf den einzelnen Mitarbeiter. Viele Probleme kann der Einzelne aber mit einer noch so guten Zeitplanung und -Disziplin nicht in den Griff kriegen, weil sie einfach teamgemacht sind. Nur zur Illustration: Wir haben gerade bei einem Beratungskunden gemessen, dass dort im Durchschnitt jeder Mitarbeiter pro Jahr 2.000 interne E-Mails verschickt. Also E-Mails von Kollegen an Kollegen, meist mit Inhalten wie: „Kannst du mir mal das Dokument xy zuschicken, ich komm an den Ordner nicht dran“ oder „Ich leite dir mal die Mail von Kunden yz weiter, vielleicht brauchst du sie ja“ usw. Also bestimmt 50% Mails, die bei ein bisschen besserer Organisation (besserer Ablage, klareren Rollen …) unnötig wären.
    Warum nicht da ansetzen? Warum nicht „Zeitmanagement fürs Team“? Denn der einzelne kann bei solch Unternehmens(un)kultur immer nur hilflos hinterherpaddeln.
    D a s ist für mich die Lehre aus dem Fußball (leider auch aus dem Viertelfinale): Wenn das Team nicht gut zusammenpasst, kann auch die höchste Anstrenung des Einzelnen nichts ausrichten.

    • Danke für den ausführlichen Kommentar! Sie haben da einen sehr interessanten Ansatz, den ich in Firmenschulungen natürlich auch berücksichtige.
      In den nächsten Monaten gebe ich eine grössere Firmen-Schulung (300 Mitarbeiter) genau zu dem Thema: Umgang mit E-Mails und was sind Alternativen dazu.
      Hier im Blog habe ich den Fokus auf Einzelpersonen.

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