Die Königsdisziplin, um produktiver zu arbeiten, ist die Fähigkeit, sich zu fokussieren.

Es gibt wohl kaum eine wichtigere Kompetenz für dein Zeitmanagement als ein laserscharfer Fokus.

Fokus ist nicht einfach Fokus. Sondern du kannst dich auf viele Arten fokussieren: von klaren Zielen, über „Nein sagen“ bis hin zum Ausschalten von Unterbrechungen.

Fokus bzw. fokussiertes Arbeiten ist damit definitiv mehr als sich zu konzentrieren oder Unterbrechungen zu minimieren.

Kollege Michael Hyatt hat vor vielen Jahren einen Artikel mit zehn guten Tipps, wie du dich fokussieren kannst, geschrieben. In dem Artikel spricht er nicht nur die üblichen Tipps an, sondern hat auch ein paar sehr gute Hilfen, denen man nicht überall begegnet.

Fokus
© Ivan Blatter

Zehn Tipps, wie du dich besser fokussieren kannst

Ich habe die Tipps von Michael Hyatt genommen und in zwei Gruppen geteilt: „die üblichen Verdächtigen“, wenn es um das Thema Fokussieren geht, und ein paar eher ungewöhnliche Tipps zum Thema Fokus. Die folgenden Tipps stammen also von ihm, die Umschreibung und die Beispiele sind von mir.

Fünf herkömmliche Tipps für einen besseren Fokus

  1. Blockiere deine Zeit. Einer der grundlegendsten und wichtigsten Tipps. Halte dir Zeit frei für die Aufgaben, für die du einen hohen Fokus brauchst. Das geht, wenn du solche Zeiten mit Augenmaß nutzt und diese Termine genauso ernst nimmst wie andere Termine auch. Sie beginnen und enden also pünktlich. Erhältst du eine Anfrage für genau so eine Zeit, dann lehne sie ab und sage: „Es tut mir leid, dann habe ich leider schon eine andere Verpflichtung.“
  2. Zieh dich zurück. Schließe deine Türe, schalte dein Telefon aus oder leite es um. Auch das ist ein Klassiker. Vielleicht kannst du auch deinen Arbeitsplatz wechseln, dich in ein Sitzungszimmer zurückziehen, in ein Café arbeiten gehen oder dich an einen anderen Ort zurückziehen. Arbeiten im Café bringt natürlich andere Ablenkungen und Unterbrechungen mit sich, doch denen kannst du z.B. mit Musik und guten Kopfhörern begegnen. Ich wechsle häufig den Arbeitsort, um mich in eine andere Stimmung zu bringen. So nutze ich unseren Esstisch häufig als Schreibort, meinen bequemen Sessel zum Lesen und Recherchieren, meinen Schreibtisch für alles andere.

Diese Woche verriet mir ein Kunde am Telefon, dass er am Donnerstag telefonisch nicht erreichbar sei. Als Mitglied der Geschäftsleitung hält er sich den Donnerstag soweit wie möglich frei für strategische Fragen und die Planung des ihm übertragenen Geschäftsbereichs. Natürlich hat er häufig am Donnerstag trotzdem Sitzungen, doch immerhin hat er die Unterbrechungen durch das Telefon komplett ausgeschaltet.

  1. Keine E-Mails oder Social Media. Auch dieser Punkt ist eigentlich klar. Ständig E-Mails oder Social Media zu checken, hat mit Arbeit nichts zu tun. Mit fokussierter Arbeit erst recht nicht. Schließe also dein E-Mail-Programm und ignoriere deine Social Media. Es wird nichts passieren. Bei echten Notfällen wissen die Leute schon, wie sie dich erreichen können.
  2. Nutze Mini-Ziele. Es ist bedeutend einfacher, sich auf die Aufgabe „Konzept neuer Kurs entwerfen“ zu fokussieren als auf die Aufgabe „Neuer Kurs“. Abgesehen davon, dass die Aufgabe plötzlich handhabbar wird, ist es einfach auch schön, wenn du eine Aufgabe als erledigt kennzeichnen kannst – und Karma-Punkte sammeln kannst, falls du mit dem Todoist arbeitest. Erledigte Aufgaben oder erreichte Mini-Ziele sind auch motivierend.

Kürzlich zeigte ich einem Kunden im Coaching, wie er die heute erledigten Aufgaben in Todoist anzeigen kann. Er wusste zwar, dass er an dem Tag ziemlich viel weggearbeitet bekam, doch als er da eine Zahl sah, konnte er sich ein strahlendes Lächeln nicht verkneifen. Der harte Tag hatte plötzlich eine leichte Nebennote von Freude, Stolz und Zufriedenheit bekommen.

  1. Fordere dich heraus. Überlege dir, bevor du mit einer Aufgabe startest, wie lange du dafür brauchen möchtest. Setz dir ein realistisches, aber sportliches Ziel. Von Parkinson wissen wir, dass wir viele Aufgaben auch in kürzerer Zeit bei gleicher Qualität und ohne Hetze erreichen können. Bist du eher spielerisch verlangt oder liebst die Herausforderung, dann nutze das, stell einen Timer auf deinem Smartphone und gib Gas.
Hast du Mühe, dich zu fokussieren? Dann könnte dir mein Mini-Kurs „So fokussierst du dich auf die wirklich wichtigen Dinge“ helfen. Hier findest du alle Infos dazu.

Fünf eher ungewöhnliche Tipps, wie du deinen Fokus erhöhen kannst

  1. Bleib cool. Geht es dir auch so? Sobald es schön warm und kuschelig ist, werde ich müde, lasse mich leichter ablenken und werden unproduktiv. Versuch also, mal mit der Zimmertemperatur etwas zu spielen. Du brauchst nicht gleich auf 16° runter zu gehen (außer du fühlst dich wohl dabei), doch regle die Temperatur mal auf 20° und schau, was passiert. Wenn du fröstelst, dann steht auf, spring ein paar Mal in die Luft oder tu sonst irgendetwas, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Das gibt dir wieder warm und macht dich zusätzlich wach.
  2. Fühl dich wohl. Zieh nichts an, was dich einengt oder den Blutfluss unterbricht. Gemütliche Kleider helfen dir, dich wohl zu fühlen und dich besser fokussieren zu können. Andererseits kann das auch ein Hindernis sein. Ich ziehe mich etwa jeden Tag so an, als ob ich Kundenbesuch bekommen würde oder ein Seminar gebe. Würde ich den ganzen Tag im Bademantel arbeiten, fühle ich mich wie Hugh Hefner, was mich nicht unbedingt in eine produktive Stimmung bringt. :-)
  3. Get rhythm. Musik kann Emotionen erzeugen. Sie kann dir helfen, in Schwung zu kommen, dich zu beruhigen oder dich besser zu fokussieren. Erstelle dir ein paar Playlisten mit Songs, die dich in eine bestimmte Stimmung bringen. So habe ich eine Liste mit dem Namen „Powerliste“ und eine Liste „Schreibliste“ usw. Die Musik unterstützt mich bei dem, was ich gerade tun will. Musik hören und Arbeiten ist übrigens kein schlechtes Multitasking. Die Musik wird nämlich in einer anderen Hirnregion verarbeitet als du für deine Arbeit brauchst. Wenn du die Musik kennst (und dich dadurch nicht ablenken lässt), kann dir nichts passieren.
  4. Nutze Kaffee bewusst und in Maßen. OK, zugegeben, bei diesem Tipp bin ich vielleicht nicht der beste Ratgeber, da ich als ausgesprochener Espresso-Liebhaber doch einige Espresso pro Tag trinke. So oder so gibt es einige Studien, die zeigen, dass Koffein einen positiven Effekt auf deinen Fokus haben, falls du ihn nur in Maßen (und nicht in Massen) trinkst. Ein gut eingesetzter Espresso hilft dir also, hingegen macht dich zu viel Kaffee nur nervös und kribbelig, was deinem Fokus definitiv nicht hilft.
  5. Pass auf deinen Blutzucker-Spiegel auf. Viele Lebensmittel jagen deinen Blutzucker-Spiegel sehr schnell in die Höhe: Zucker, weiße Pasta, weißes Brot usw. Leider bricht dein Blutzucker-Spiegel aber genauso schnell wieder zusammen. Das führt zu Heißhunger und Müdigkeit. Andere Lebensmittel (Gemüse, proteinreiche Lebensmittel etc.) heben deine Blutzucker-Spiegel hingegen langsam und behalten ihn für längere Zeit ob. Als einfache (wenn auch unpräzise) Grundregel: Verzichte auf möglichst alle weißen Lebensmittel.

Mini-Kurs Fokussieren

Fokus ist mehr als Konzentration

Natürlich heißt fokussieren zunächst, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren.

Viele andere Aspekte von Fokussieren habe ich jetzt hier weggelassen. Denn eigentlich arbeitest du dann hoch-fokussiert, wenn dich genau das, was du jetzt erledigst, deinem wichtigsten Ziel näher bringt.

So oder so gehört die Fähigkeit, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu fokussieren – und das auch für längere Zeit – zu den wichtigsten Kompetenzen im Zeitmanagement überhaupt.

Die heutige Zeit mit all ihren Unterbrechungen und Ablenkungen macht es uns nicht gerade einfacher. Deshalb bist du eingeladen, dir selbst fokussierte Zeit zu nehmen und dann auch durchzusetzen – aus Selbstschutz und in deinem Interesse.

Einige Links aus dem Podcast

Im Podcast (also der Hörversion des Artikel) erzähle ich jeweils ein wenig mehr zum Thema. In dieser Folge habe ich einige Links erwähnt, die du hier findest:

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