Wie ist das eigentlich, wenn ein Ehepaar nicht nur zusammen arbeitet, sondern das auch noch im Home-Office tut? Also sozusagen Leben und Arbeiten unter einem Dach.

Genau dieser Frage gehe ich heute zusammen mit meinem Interviewgast nach.

Familienbusiness
© Ivan Blatter

Familienbusiness im Home-Office: Geht das? Ein Fallbeispiel

Seit dem 1. Oktober 2017 arbeitet Sabine Vogt in meinem Business mit. Sie ist meine Projekt- und Content-Managerin. Damit unterstützt sie mich administrativ und vor allem beim Erstellen von allen Inhalten (Artikel, Podcast, Newsletter, Kurse, Seminare usw.).

Sabine hat viele Jahre als Notariatsassistentin gearbeitet. Dort hat sie alle Prozesse in einem Notariat verwaltet und gestaltet. Sie war sozusagen die Schaltzentrale oder sogar das Herzstück der Kanzlei. Dort hat sie gelernt, selbstständig komplexe Geschäfte abzuwickeln, auch in wilden Zeiten den Überblick zu wahren und mit vielen Bällen gleichzeitig zu jonglieren.

Noch mehr über Sabine erfährst du in meinem Interview, das du weiter oben anhören kannst. Noch einfacher ist es, wenn du meinen Podcast bequem auf deinem Smartphone abonnierst. So erhältst du automatisch und natürlich kostenlos immer die neuen Folgen, die regelmäßig erscheinen. Mehr Infos über meinen Podcast findest du hier.

Ein paar Links aus der Folge

Das Gespräch zum Nachlesen

Ivan Blatter: Hallo Sabine, schön, bist du hier. Stell dich doch bitte selbst kurz vor.

Sabine Vogt: Hallo Ivan. Ich heiße Sabine Vogt, ich bin 46 Jahre alt, und ich bin mit dir verheiratet.

Ivan: (Schmunzelt)

Sabine: Beruflich habe ich über zwanzig Jahre als Notariatsassistentin gearbeitet. Nun habe ich einen Richtungswechsel vorgenommen und bin bei dir, Ivan, als Projekt- und Content Managerin eingestiegen. Vielleicht noch ein paar Worte zu meinem Hobby. In meiner Freizeit fotografiere ich sehr gerne, mache bei Fotowettbewerben mit und engagiere mich in einem Fotoclub. Das alles teile ich mit dir, Ivan.

Ivan: Ja, genauso ist es. Lass uns zuerst ein wenig über deinen beruflichen Werdegang sprechen und auch darüber, was du gelernt hast und was du jetzt bei mir im Business einbringen kannst. Du hast über zwanzig Jahre als Notariatsassistentin gearbeitet. Was hat dir dabei besonders Spaß gemacht?

Sabine: Als ich vor zweiundzwanzig Jahren in einer Anwalts- und Notariatskanzlei anfing, hatte ich das Glück, sehr gut in die Notariatsmaterie eingearbeitet zu werden, denn ich hatte das nicht gelernt. Ich bin direkt vom Studium und ohne kaufmännische Ausbildung in den Beruf eingestiegen. Mich hat das Thema interessiert, und ich durfte mich dort auch austoben. Ich durfte selbständig Urkunden erarbeiten, und das hat mit motiviert und mir unglaublich Spaß gemacht. Ich war eigentlich nie der Typ, der einfach nur ausführt, was ihm aufgetragen wird. Ich wollte mich immer selbst einbringen, selbst mitdenken und auch mitreden können. Erst dadurch bekam und bekommt Arbeit für mich Sinn, und erst dadurch konnte und kann ich mich auch mit der Arbeit identifizieren. Dann wird es nämlich interessant, und dann macht es auch Spaß. Als ich mich dann in die Materie eingearbeitet hatte, die übrigens sehr vielseitig war und nie langweilig wurde, habe ich auch damit begonnen, Abläufe zu strukturieren und sie damit effektiver zu machen.

Ivan: Es ist nicht ganz ein Zufall, dass du jetzt bei mir arbeitest. Du hast gesagt, dass du nicht der Typ bist, der nur ausführt, sondern du willst dich selbst einbringen, mitdenken und mitreden können. Zweiundzwanzig Jahre in derselben Branche, zweiundzwanzig Jahre Notariatsassistentin, das ist heutzutage doch eher unüblich, so eine Karriere, wo man so lange an einem Ort und in einem Fachgebiet bleibt. Wieso bist du so lange in dieser Branche geblieben?

Sabine: Warum so lange, warum zweiundzwanzig Jahre? Ganz einfach, weil es mir Spaß gemacht hat. Weil ich, nachdem ich die Routine hatte, die Fäden in der Hand hatte und das toll war. Zudem war die Routine trotzdem nie langweilig.

Ivan: Ich weiß aus vielen Gesprächen, die wir natürlich auch geführt haben, dass du doch sehr viele Fälle im Griff haben musstest. Und eine der Herausforderungen als Notariatsassistentin war natürlich, den Überblick zu bewahren. Wie ist dir das gelungen, und was hat dir dabei geholfen?

Sabine: Wie schon angesprochen, habe ich angefangen, Abläufe in Strukturen abzubilden. Ich bin eher der visuelle Typ, dem Strukturen helfen. Ich habe Vorlagen, Checklisten und Formulare kreiert. Damit konnte ich auch komplexe Abläufe bildlich darstellen, und das hat mir geholfen, den Überblick zu haben und diesen auch zu wahren. Damit hatte ich immer die notwendigen Informationen zur Hand und wusste, wo im Ablauf ich gerade stehe.

Ivan: Sehr schön, damit spielst du mir wunderbar in die Hand, denn das empfehle ich meinen Kunden auch immer. Meine Devise lautet, wenn du etwas mehr als einmal tun musst, dann gehört es auf eine Checkliste oder in eine Vorlage. Hast du vielleicht ein Beispiel von einer Vorlage oder Checkliste? Oder anders gefragt, hast du die eigentlich auf Papier geführt oder digital?

Sabine: Ich kann als Beispiel die Grundbuchgeschäfte anführen. Da ging es um den Verkauf von Liegenschaften, und ich habe dafür ein Excel Formular kreiert. Und immer, wenn ein neues Geschäft abgeschlossen wurde, habe ich alle Informationen in dieses Formular übertragen, die Parteien, die Bank, wie hoch der Kaufpreis ist, bis wann Handänderungssteuer bezahlt werden muss. Das wurde dann auch automatisch berechnet. Dann die bestehenden Hypotheken und was damit geschehen soll. Das war ein Excel Formular, dass ich immer ausfüllen konnte und in dem ich mir auch notieren konnte, wo wir gerade stehen. Und so hatte ich den ganzen Prozess immer im Griff, wusste genau, wann muss ich Handänderungssteuer bezahlen, wann wird das Geschäft angemeldet, und was passiert mit den Hypotheken? Da hatte ich für jedes Geschäft innerhalb einer Datei einen eigenen Reiter, und das war auch chronologisch geordnet. Der nächste Reiter war immer das nächste Geschäft, das abgewickelt werden musste. So war das wunderbar organisiert, und ich hatte immer den Überblick.

Ivan: Sehr spannend. Du hast diese Checklisten digital verwaltet und nicht ausgedruckt?

Sabine: Nein, ich hatte dann natürlich parallel noch die Akte mit den Originalurkunden, die wir beim Grundbuchamt abgeben mussten. Und das hatte ich in einem VetroMobil, in einer Schublade, und das war dann die physische Ablage.

Ivan: In deinem Job wurdest du auch sehr häufig unterbrochen. Unterbrechungen sind eigentlich Gift für die eigene Produktivität, aber man kann sie nicht alle eliminieren oder verhindern. Meine Frage, wie bist du mit Unterbrechungen umgegangen?

Sabine: Unterbrechungen konnte ich nicht vermeiden. Zum einen gab es ständig Telefonanrufe, zum anderen aber auch Laufkundschaft, die zum Beispiel schnell mal eine Unterschriftsbeglaubigung benötigten. Bei den Telefonanrufen hatten wir eine Einsatzliste mit Assistentinnen. Jeder war mal an erster Stelle und musste in erster Linie die eingehenden Anrufe entgegennehmen. So war man immerhin nur alle paar Wochen an vorderster Front, und das hat etwas geholfen. Ansonsten aber musste man nach der Unterbrechung einfach immer wieder den Faden finden, da blieb einem nichts Anderes übrig.

Ivan: Wenn du unterbrochen wurdest, hast du dann notiert, wo du warst oder wie ist es dir gelungen, den Faden schnell wieder zu finden?

Sabine: Das kommt ganz darauf an. Wenn ich mitten in einem Ablauf war, dann habe ich mir ein Post-it hineingeklebt und mir kurz etwas dazu notiert, aber sonst hatte ich mit der Zeit auch die nötige Routine und wusste, was passiert, und dann bin ich einfach wieder in den Fall eingestiegen. Das ging eigentlich.

Ivan: Ich glaube, das macht natürlich deine lange Berufserfahrung und deine Routine im positiven Sinne aus. Wenn man unterbrochen wird, dann findet man natürlich viel schneller zurück, wenn man in einem Projekt, in einer Aufgabe ist, die man schon unzählige Male gemacht hat. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass das für dich funktioniert hat.

Das waren einige Fragen zu deiner Vergangenheit. Lass uns jetzt einen Schwenk machen auf die Gegenwart und auf deinen neuen Job. Hier hast du zum Glück nicht so viele Unterbrechungen. Das ist eines meiner Lieblingsthemen, und ich versuche für mich und natürlich auch für dich, Unterbrechungen so gering wie möglich zu halten. Zu hast zu Beginn bereits gesagt, was du tust. Kannst du das noch ein bisschen ausführen? Was tust du jetzt hier bei mir in meinem Business?

Sabine: Nun arbeite ich als Projekt- und Content Manager. Ich denke, das trifft es auch recht gut, so wie ich das vom momentanen Zeitpunkt aus beurteilen kann. Ich habe vorhin von einem beruflichen Richtungswechsel gesprochen. Ich sehe gerade, dass es zwar wohl ein gänzlich anderer Bereich ist, dass es aber eigentlich viele Parallelen gibt. Auch damals habe ich mich um Projekte, sprich Fälle, gekümmert und deren Ablauf gemanagt. Und beim Content habe ich Urkundeninhalte erstellt.

Ivan: Schöne Parallele!

Sabine: Hier bei dir kümmere ich mich um einen Teil der administrativen Abläufe wie zum Beispiel Blogartikel einstellen sowie Podcasts schneiden und einstellen. Ich veröffentliche Social Media Posts, pflege den Mailkontakt zu Kunden und erledige allgemeine organisatorische Aufgaben. Außerdem bin ich auch bei der Redaktionsplanung dabei und kann ebenfalls bei der Erarbeitung von Inhalten mitwirken, was mir besonders Spaß macht, beispielsweise bei der Recherche für Blogartikel oder für Newsletter Inhalte. Im Moment stehe ich noch ganz am Anfang und muss mich erst noch einarbeiten. Aber ich denke, das Arbeitsgebiet wird sich in der kommenden Zeit auch noch in die eine oder andere Richtung weiterentwickeln. Das wird für uns beide sehr spannend werden, denke ich.

Ivan: Oh ja, und ich freue mich sehr, dass du mit dabei bist, und ich freue mich auch auf das, was noch alles auf uns zukommt. Wir haben das Glück, beide mit Apple Geräten zu arbeiten, und so wird die Programmauswahl vielleicht etwas eingeschränkter, aber auch einfacher. Vor allem ist es kein Problem, beispielsweise Dateien zu synchronisieren. Wir haben einige Programme, die wir nutzen, so dass wir beide immer auf dem aktuellen Stand sind und uns gut im Team organisieren können. Magst du darüber etwas erzählen? Wie organisieren wir uns?

Sabine: Wir haben die verschiedenen Programme, die wir uns teilen. Da wäre zum einen das Daylite. Jetzt musst du mir kurz helfen, wie nennt sich diese Art der Programme?

Ivan: Das Daylite ist ein CRM, ein Customer Relationship Management von Marketcircle. Das verlinken wir natürlich gerne in den Show Notes, genauso wie all die anderen Tools, die wir noch erwähnen werden. Du wollest etwas darüber erzählen.

Sabine: Das Daylite ist eine große Nummer. Es bietet sehr viel, aber wie andere Programme, die viel bieten, hat es Vor- und Nachteile. Die Vorteile sehen folgendermaßen aus: Es ist alles in einem Programm. Und weil wir beide damit arbeiten, ist alles, was wichtig ist, an einem Ort. Das heißt, die Informationen sind alle einsehbar. Wenn du an einer Sache arbeitest und ich dort weiterfahre, dann kann ich nachsehen, was du alles schon gemacht hast. Ich kann mir diese Informationen aus dem Daylite holen. Die Nachteile: Das Programm ist nicht sehr übersichtlich. Weil man alles miteinander verknüpfen kann, kann man sich auch gerne darin verlieren. Obwohl, ich kenne schlimmere Programme! Es geht, man kann sich daran gewöhnen, und ich finde es nicht schlecht.

Ivan: Ich weiß genau, an welches Programm du denkst, aber diesen Namen werden wir hier nicht erwähnen.

Sabine: Nein, werden wir nicht!

Ivan: Ich teile deine Einschätzung. Wir nutzen Daylite als Zentrale für unsere gesamte Arbeitsorganisation. Da haben wir die Kontakte, die ich schon mitgebracht habe, sozusagen. Wir haben einen gemeinsamen Kalender, auf den wir beide Zugriff haben. Wir können dort unsere Projekte verwalten und natürlich gegenseitig Aufgaben delegieren. Bei den Projekten können wir verschiedene Stufen einrichten, so wie bei einem Funnel. Und das Zentrale hast du bereits erwähnt, man kann alles miteinander verknüpfen. Ich kann zum Beispiel einen Kontakt mit einem Termin oder mit einem Projekt verknüpfen oder ich kann eine Notiz mit einem Termin verknüpfen und so weiter und so fort. Der Grund, weshalb wir Daylite einsetzen, ist sicherlich die nahtlose Integration in das Apple Mailprogramm. Wir können im Mailprogramm eine Nachricht per Knopfdruck direkt in Daylite speichern, und dann kommt eben das zum Tragen, was du gerade erwähnt hast. Wenn ich eine Mail beantworte, dann drücke ich auf einen Knopf, und dann ist sie im Daylite und du siehst, was ich mit dieser Person bereits abgemacht habe oder wie wir kommuniziert haben. Das ist großartig.

Du hast Recht, es gibt einen Nachteil, das Programm versucht, eine eierlegende Wollmilchsau zu sein. Und wenn ein Programm alles macht, dann ist es vielleicht überall gut, aber nirgendwo hervorragend oder exzellent. Es gibt durchaus bessere Kalender, es gibt bessere Aufgabenlistenprogramme, es gibt bessere Projektmanagementprogramme. Aber hier haben wir alles unter einer Oberfläche, und das ist für mich, für uns eigentlich ein Riesenvorteil. Was nutzen wir außerdem noch?

Sabine: Wir nutzen noch Apple Notizen, vor allem als Vademecum, also als Speicherort für das neu Gelernte. Dort habe ich meine Checklisten und Abläufe notiert, die ich im Moment noch als Gedankenstützen benötige, um meine Arbeit zu machen. Toll ist dabei auch, dass man Notizen teilen kann. Wenn wir zum Beispiel eine Besprechung haben und du eine Skizze mit dem iPad aufzeichnest, dann kannst du sie nachher mit mir teilen, so dass ich jederzeit darauf zugreifen kann. Und das ist toll.

Ivan: Ich habe lange überlegt, ob wir Evernote oder Apple Notizen einsetzen wollen. Der Nachteil bei den Apple Notizen ist, dass ich nur eine einzelne Notiz teilen kann und nicht einen ganzen Ordner oder ein ganzes Notizbuch. Das heißt, jede Notiz muss einzeln geteilt werden. Wir schauen jetzt mal, wie sich das entwickelt. In Daylite können wir nämlich auch Notizen ablegen, die sich auf einen Termin, einen Kunden oder ein Projekt beziehen. Das heißt, einige Dinge sind natürlich auch im Daylite. Unsere Herausforderung ist, dass wir uns nicht verzetteln, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber mal sehen, wie sich das Ganze entwickelt, ansonsten ist das schnell geändert. Ich habe einen vollen Werkzeugkasten mit diversen Tool. (Lacht)

Magst du noch weitere Beispiele nennen?

Sabine: Wir arbeiten mit Pages und Numbers. Diese verwenden wir als allgemeine Textverarbeitungsprogramme, zum Beispiel für Rechnungen oder Vertragstexte. Dann nutzen wir die Dropbox. Die ist praktisch, um einander Dokumente zur Verfügung zu stellen, an denen wir parallel arbeiten. Hier haben wir unsere Texte, die wir mit dem iA Writer schreiben, das wäre noch ein weiteres Programm. Und das ist auch der Ort, wo ich den aufgenommenen Podcast finde, den ich dann schneide und weiterbearbeite.

Ivan: So wie diesen hier zum Beispiel, den du dann noch schneiden darfst. Apropos Podcast, das vielleicht ein gutes Beispiel. Das Ganze beginnt eigentlich viel früher. Bevor ich einen Podcast aufnehmen kann, gibt es einen ganzen Prozess dahinter, der natürlich im Daylite abgebildet ist. Aber in welchem Programm beginnt es?

Sabine: Zu Beginn steht mein absolutes Lieblingstool, und das ist der Mindmeister. Das eignet sich ideal für Brainstormings oder auch für Recherchen. Es ist eine kreative Art, Gedanken zu einem Thema niederzuschreiben und zu ordnen und entspricht sehr meiner visuellen Herangehensweise an ein Thema. Hier habe ich alle Punkte zu einem Thema auf einem Blick beisammen, von den einzelnen Komponenten des Themas bis hin zu möglichen Titeln für den Blog und den Social Media Posts. Es ist alles zusammen und überschaubar. Ich arbeite sehr, sehr gerne damit, das macht mir wirklich großen Spaß.

Ivan: Sehr schön. Mindmeister ist ein Mindmapping Programm und hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Mindmapping Programmen, nämlich die Kollaboration. Das heißt, ich kann ein Mindmap oder in der Business Version sogar ganze Ordner mit jemanden teilen, und dann können wir beide gleichzeitig daran arbeiten. Und das ist wirklich toll gemacht. Mindmeister ist übrigens aus derselben Softwareschmiede wie MeisterTask und bietet, wie könnte es anders sein, eine perfekte Integration mit MeisterTask. Aus Mindmeister-Ästen beziehungsweise aus Mindmap-Ästen könnte ich direkt Aufgaben machen, die dann im MeisterTask erscheinen.

Das waren einige Programme, die wir nutzen, um uns zu organisieren. Als ich Sabine eingestellt habe, habe ich mir natürlich viele Gedanken darum gemacht, wie diese ganzen Prozesse ablaufen sollen. Und das ist auch immer eine gute Idee, die Prozesse mal zu hinterfragen. Ich hatte zwar vorher schon einen Virtuellen Assistenten, mit dem ich sehr gerne zusammengearbeitet habe und der hervorragende Arbeit geleistet hat, aber jetzt habe ich die örtliche Nähe, denn Sabines Büro, also dein Büro, ist gleich neben meinem Büro. Das vereinfacht viele Dinge. Man kann viel enger zusammenarbeiten, und du bist auch zu mehr Prozent angestellt als mein Virtueller Assistent es war. Das gab mir eine gute Gelegenheit, alle Prozesse zu durchdenken. Ich muss vorarbeiten, ich muss dir zuarbeiten, und ich muss einplanen, wie viel Zeit du brauchst. Und da haben wir einiges herumdiskutiert, was ich sehr spannend fand. Und so bin ich auf die Tools gekommen, die du, Sabine, gerade angesprochen hast.

Dann gibt es noch eine andere kleine Dimension. Wir haben über die Vergangenheit und die berufliche Gegenwart gesprochen, aber es gibt noch die dritte Dimension: Du, Sabine, hast es zu Beginn erwähnt, wir sind nicht nur Geschäftspartner oder Chef und Angestellte, wie auch immer, sondern wir sind auch ein Ehepaar. Und das ist eine interessante Konstellation, eine Konstellation, auf die man mit offenen Augen zugehen darf, damit alles klappt. Als wir begannen, im Freundeskreis und bei Bekannten zu erzählen, dass Sabine künftig für mich arbeiten würde, waren interessanterweise etwa neunundneunzig Prozent der Leute begeistert. Die kannten uns und sagen, “super, macht das!” Ich kann mich spontan nur an eine einzige Stimme erinnern, die etwas kritischer war. Aber die meisten waren begeistert. Aber wie gesagt, trotzdem gibt es natürlich Herausforderungen. Wie siehst du das, Sabine, welche Herausforderungen siehst du von dieser Konstellation an uns als Ehepaar?

Sabine: Eine Herausforderung ist bestimmt, dass wir nicht ständig über das Geschäft reden. Gerade jetzt in der Einarbeitungszeit fällt mir das natürlich ziemlich schwer, weil ich so schnell wie möglich alles wissen will. Alles ist neu für mich und spannend, und ich denke, dass das eine Herausforderung bleiben wird. Ganz ehrlich. Wenn ich erst einmal weiß, wie der Hase läuft, dann bin ich erst recht mittendrin so richtig involviert. Das wird somit, zumindest für mich, wohl immer eine Knacknuss bleiben.

Ivan: Das ist ganz lustig. Ich verordne auch Pausen, denn schließlich sage ich auch im Podcast ständig, wie wichtig Pausen sind. Und dann gibt es eine gemeinsame Kaffeepause. Und du hast die Tendenz, diese Kaffeepause zu einer verkappten Sitzung zu machen, indem du Fragen stellst. Und ich muss immer wieder auf den Tisch klopfen und sagen, “nein, jetzt haben wir Pause, jetzt diskutieren wir nichts Geschäftliches!” Das ist ganz witzig.

Sabine: So ist es. Eine weitere Herausforderung ist sicher auch der Spagat zwischen Ehepartnern, die sich auf gleicher Höhe begegnen, so wie wir das tun und der Beziehung Chef – Angestellte. Natürlich begegnen wir uns auch da irgendwie auf Augenhöhe, aber trotzdem existiert ein Subordinationsverhältnis. Im Moment habe ich keine Probleme damit, denn ich glaube, ich kann das richtig einordnen. Wie wir damit umgehen, wenn es privat oder beruflich mal zwischen uns kracht, das werden wir noch sehen. Eine Herausforderung wird es bestimmt sein, das eine vom anderen zu trennen. Es wird wahrscheinlich nicht leicht werden, aber unsere Konstellation kann auch eine Chance sein, zum Beispiel eine Chance, um die Kommunikation zu verbessern. Weil wir wissen, wie viel auf dem Spiel steht, gehen wir vielleicht auch noch sorgsamer miteinander um und machen bei einer Auseinandersetzung nicht jeden Topf auf, auch wenn uns im Moment danach wäre. Außerdem suchen wir uns unsere Baustellen aus und bedienen nicht jedes Drama. Das kann doch sein. Oder?

Ivan: Das kann durchaus sein, das sehe ich genauso wie du. Du hast es bereits angesprochen, eine der Herausforderungen ist es, nicht ständig über das Geschäft zu reden. Bislang war es so, du kamst abends nach Hause, wir saßen zusammen beim Abendessen und haben über den Tag gesprochen, so wie man das halt tut. Was hast du erlebt, und was war toll und was weniger toll? Und ich frage mich, wie das in Zukunft sein wird, werden wir dann auch noch gemeinsam über den Tag sprechen? (Lacht) Über was sprechen wir dann eigentlich in der Freizeit?

Sabine: Da bin ich ganz realistisch und denke, dass das Business immer auch ein Thema in der Freizeit bleiben wird. Wir müssen einfach darauf achten, dass sich nicht alles nur ums Geschäft dreht. Wirklich schlimm finde ich das aber auch nicht. So lange wir beide Spaß an der Sache haben, habe ich eigentlich keine Bedenken. Du hast als Selbständiger auch nicht ganz fixe Arbeitszeiten, und so sehe ich das eigentlich auch für mich. Wenn mich die Materie interessiert, dann interessiert sie mich über die Arbeitszeiten hinaus. Zum Glück haben wir aber auch ein gemeinsames Hobby, die Fotografie,, und sind dort auch engagiert. Das sorgt somit auch immer für genügend Gesprächsstoff, denke ich. Und da wir auch darauf achten, die sozialen Kontakte zu pflegen und immer mal wieder einen Film zusammen zu schauen, eine Ausstellung zu besuchen oder sonst irgendetwas Kulturelles zu unternehmen, habe ich keine Angst, dass uns die Gesprächsthemen ausgehen werden.

Ivan: Das Stichwort “Arbeitszeiten” ist abgesehen von den Witzlein, die wir da machen, auch ein zentrales, denn wir arbeiten beide im Home-Office. Wir haben separate Büros, aber trotzdem sind wir den ganzen Tag zu Hause. Ich bin das jetzt schon seit vielen, vielen Jahren gewohnt, aber für dich ist es etwas Neues, dass du im selben Büro arbeitest und deinen Freizeitaktivitäten nachgehst. Wie ist das so für dich?

Sabine: Ich genieße es sehr, in meinen eigenen vier Wänden arbeiten zu können. Hier fühle ich mich wohl, und es ist doch toll, wenn man sich bei der Arbeit zu Hause fühlt. Lustig ist folgendes, als ich erzählt habe, dass ich nun daheim arbeite, meinten etliche Leute, “oh toll, da kannst du ja von jetzt an im Pyjama arbeiten!” Im ersten Moment denkt man vielleicht, wow, das ist ja toll und bequem, raus aus dem Bett, im Pyjama, ungeschminkt, mit Pantoffeln und mit Wirrwarr auf dem Kopf ins Büro, und niemand stört es. Aber ich will das nicht. Für mein Mindset ist es mir wichtig, dass ich mich am Morgen so vorbereite und zurechtmache, als würde ich raus zur Arbeit gehen. Erst dann kann der Tag für mich beginnen, und erst dann kann ich mich auch businessernst nehmen.

Bevor ich hier angefangen habe, war es mir wichtig, mein Büro etwas umzustellen und den Arbeitsplatz neu zu gestalten. Das war mir auch aus Gründen des Mindsets wichtig. Ich wollte mir selbst zeigen, hier beginnst du nun etwas, hier sitzt du an deinem neuen Arbeitsplatz, an dem Platz, wo du sonst deine Bilder bearbeitet und private Dinge gemacht hast. Und so hat das sehr gut geklappt. Ich habe gedacht, dass ich eher Probleme damit hätte, plötzlich dort richtig zu arbeiten, wo ich vorher jahrelang mein Hobby ausgeübt hatte. Das war jedoch nicht der Fall. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich eher darauf achtgeben muss, dass ich, wenn ich Privates erledige und zum Beispiel eben Bilder bearbeite, nicht in den Business Mode verfalle und immer mal wieder kurz die geschäftlichen Mails angucke. Aber ich denke, das wird mir Ivan dann schon abgewöhnen, wenn es so sein sollte.

Ivan: Das glaube ich auch. Ich denke, dass eine der größten Herausforderungen im Home-Office ist, eine Grenze zur Freizeit und zur Nicht-Business-Zeit zu ziehen. Ich bin bereits seit einigen Jahren selbständig und als Unternehmer tätig. Und da sind die Grenzen natürlich etwas fließender. Aber ich glaube, man darf das nicht automatisch auch von seinen Angestellten erwarten oder gar fordern und fördern. Ich habe es zum Beispiel sehr bewundert, dass du gesagt hast, du willst um 08:00 Uhr morgens beginnen. Ich habe dir die Wahl und die Freiheit gelassen, wann du arbeiten möchtest. Aber dir ist es wichtig, eine gewisse Tagesstruktur und einen Ablauf zu haben, so, wie du es gerade geschildert hast. Du machst dich morgens richtig parat, als ob du in ein externes Büro gehen würdest, einfach, weil du das so willst und weil es dir einen gewissen Rahmen gibt. Und genauso sehe ich das auch mit der Freizeit. Ich sehe es auch als meine Verantwortung als Arbeitgeber an, dafür zu sorgen, dass eine Angestellte nicht ständig arbeitet, sondern es ist auch meine Aufgabe, Grenzen zu setzen. Und das ist hier ein wenig schwieriger, weil du am selben Computer deine Bilder bearbeitest, an dem du für mich arbeitest. Darauf werden wir beide sicher ein Augenmerk legen, und das wird sicher gut werden.

Sabine: Gut.

Ivan: Jetzt zum Abschluss noch ein paar eher persönliche Fragen zu dir. Mich würde nämlich interessieren, wie motivierst du dich eigentlich?

Sabine: Wenn ich einen Sinn bei der Arbeit sehe, wenn ich den Überblick habe und die Fäden in der Hand, dann macht es mir Spaß, und dann kann ich mich auch mit der Arbeit identifizieren. Und das motiviert mich enorm. Ich habe bereits früher meinen Teil der Arbeit als “mein Business” angesehen, obwohl ich angestellt war. Auch jetzt bin ich angestellt, aber nun bin ich noch mehr Teil des Bootes und sehe das als unser gemeinsames Business an. Und da fällt die Motivation natürlich auch noch leichter, das spielt bestimmt eine große Rolle. Aber selbstverständlich gibt es immer Dinge, die man nicht so gerne macht, da hält sich die Motivation dann natürlich in Grenzen. Das gibt es aber überall, und da sage ich mir einfach: Augen zu und durch, je schneller, desto besser.

Ivan: Und stell dir vor, ich weiß genau, welche Aufgaben du ansprichst, das habe ich schon herausgefunden (lacht). Aber ich verrate es unseren Hörern nicht. Diese Identifikation mit dem Business ist natürlich sehr attraktiv für mich als Arbeitgeber, das ist klar. Und es ist natürlich auch klar, dass dein Commitment, mit mir zu arbeiten, viel höher ist als wenn du irgendwo anders angestellt bist. Und da kann ich mir schon vorstellen, dass du dir dabei viel Motivation herausziehst. Was löst denn bei dir Stress aus?

Sabine: Stress löst aus, wenn ich merke, dass ich den Überblick verliere, weil zum Beispiel zu viel aufs Mal zu tun ist oder wenn etwas ganz neu ist und ich den Überblick noch gar nicht habe. Das löst dann Stress aus. Das lähmt mich, und ich werde dann auch schnell unkoordiniert. Ich habe einfach gerne die Fäden in der Hand. Ich bin gerne Herrin der Dinge, und Kontrollverlust ist für mich ein ganz großer Stressfaktor.

Ivan: Ich weiß nicht, ob es dich tröstet, aber das Thema “Überblick gewinnen und behalten” ist natürlich ein sehr zentrales Thema im Zeitmanagement. Es gibt drei wichtige Themen: Übersicht haben, fokussiert arbeiten und Prioritäten setzen. Das sind von mir aus gesehen die drei ganz großen Themen im Zeitmanagement. Wenn etwas davon nicht funktioniert, dann funktioniert auch dein Zeitmanagement nicht, und du bleibst unter deinen eigenen Möglichkeiten. Von daher überrascht mich das überhaupt nicht, dass es dich stresst, wenn du den Überblick verlierst. Wie gehst du denn damit um, wenn du gestresst bist oder eben, wenn du den Überblick verlierst?

Sabine: Das kommt ganz darauf an. Wenn ich denke, dass ich nur den verlorenen Überblick wiedergewinnen muss und das durch Mehrarbeit hinzukriegen ist, dann investiere ich mehr Zeit in die Arbeit, um die Berge abzutragen und wieder etwas Überblick zu gewinnen. Ich weiß, dass das nicht immer die Lösung ist, aber es hat mir schon oft geholfen. Da bin ich lieber mal an einem Samstag arbeiten gegangen und konnte in einem angenehmen Tempo und mit gutem Fokus arbeiten. Ich hatte zwar einen freien Tag geopfert, aber ich war am Abend zufrieden und hatte den Kopf wieder über dem Wasser. Das war es mir wert. Wenn es sich allerdings um Dauerstress handelt und der Kopf nicht so einfach über Wasser zu kriegen ist, dann gibt es nur eines, dann muss man das Problem beim Vorgesetzten ansprechen und gemeinsam eine Lösung suchen.

Ivan: Und das wäre ja dann ich! (Lacht) Genau.

Sabine: In unserem Fall, ja.

Ivan: Wie erholst du dich?

Sabine: In erster Linie sicher beim Fotografieren. Wenn ich beim Fotografieren die richtigen Motive finde oder beim anschließenden Bearbeiten am Computer bin, komme ich relativ einfach in einen Flow und tauche völlig in die Bilder ein. Dazu höre ich auch gerne Musik. Da bin ich dann in meiner eigenen kreativen Welt und kann sehr gut abschalten. Idealerweise mache ich auch einen Lesenachmittag am Wochenende, aber meist bleibt es leider beim Ideal. Obwohl ich gerne in Bücher, Zeitungen und Zeitschriften eintauche, und das, wenn ich es denn mache, auch genieße, habe ich immer zig andere Ideen und Dinge auf meiner Liste, die ich in der Freizeit machen will. Das Lesen schiebe ich dann meist sehr erfolgreich auf, deshalb stapeln sich bei uns auch die Zeitungen und Zeitschriften, denn die lese ich gerne auf Papier.

Ivan: Das kann ich bestätigen, sowohl das Analoge als auch das Gestapelte. Vielleicht noch zum Abschluss meine Standardfrage, die ich den Interviewgästen gerne stelle, nämlich, hast du ein Lebensmotto, und falls ja, magst du es uns verraten?

Sabine: Ein Lebensmotto. Ja, ich denke, es könnte sein, “wo ein Wille ist, ist auch ein Weg”. Ich hatte angeblich schon als kleines Kind einen sehr ausgeprägten Willen. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann war ich nicht so leicht davon abzubringen.

Ivan: Mhm! (Lacht)

Sabine: (Lacht) Ich bin nicht unbedingt der Typ, der auf Biegen und Brechen mit dem Kopf durch die Wand geht, aber ich versuche schon, dranzubleiben, wenn ich etwas wirklich will. Dann suche ich so lange nach Lösungen, bis ich sie gefunden habe.

Ivan: Und das ist von mir aus gesehen auch eine deiner vielen sehr großen Qualitäten. Liebe Sabine, ich danke dir herzlich, dass du hier zu mir ins Interview gekommen bist. Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht, endlich mal dich zu interviewen. Das wollte ich eigentlich schon seit Jahren tun, aber jetzt hatte ich einen guten Grund dazu, weil du eben seit kurzem bei mir im Business mitarbeitest. Aber ich muss schon sagen, es ist ein bisschen merkwürdig, mit der eigenen Frau auf Hochdeutsch zu sprechen und nicht wie sonst auf Schweizerdeutsch. Auf jeden Fall vielen Dank, liebe Sabine, mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

Sabine: Ich danke dir, Ivan, mir auch.

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