Am 31. August 2017 erscheint mein Buch „Arbeite klüger – nicht härter“.

Ich muss schon sagen, das Schreiben war ein großes Stück harte Arbeit – auch wenn ich versucht habe, die Aufgabe klug zu erledigen. :-)

Wenn ich so darüber nachdenke, fallen mir viele Parallelen zur normalen Alltagsarbeit ein. Also habe ich nochmals reflektiert, was ich gemacht habe und was ich hätte besser machen können.

Selbst wenn du nicht vorhast, ein Buch zu schreiben, wirst du in diesem Artikel doch viele Tipps für deine Arbeit mitnehmen können.


Arbeite klueger nicht haerter

Unterschätzt? Na klar!

Ein Merkmal, das ich besonders bei Erstautoren häufig sehe, ist, dass man das Schreiben des Buches komplett unterschätzt.

Das wusste ich natürlich – doch selbstverständlich habe ich es auch komplett unterschätzt. :-)

Wir unterschätzen häufig (aber nicht nur) größere Projekte, die für uns neu sind.

Das Projekt als solches ist dann nicht überschaubar, weil wir ja nicht wissen, was wir genau zu tun haben. Es ist ja etwas völlig Neues. So wird es auch nicht handhabbar.

In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich natürlich:

Ach komm, jetzt hast du fast 10 Jahre Schreiberfahrung aus deinem Blog, da wird das Buch ein Klacks.

Was ich nicht ahnte: ein Buch ist etwas völlig anderes als die Anreihung von ein paar Blogartikeln. Es braucht eine andere Struktur und einen anderen roten Faden.

Natürlich habe ich das getan, was man mit neuen Projekten immer tun sollte: herunterbrechen. Manchmal kann man sich nur die ersten paar Schritte ausdenken, doch das genügt bereits.

Beim Buch waren die Schritte eigentlich klar. Ein Exposé hatte ich schon, es ging „nur noch“ ums Schreiben.

Auch das kann man schön ausrechnen. Ich kannte den Abgabetermin des Manuskripts und die Anzahl Zeichen, die gefordert waren.

Doch das Schreiben ist auch ein sehr kreativer Prozess. Manchmal geht es wie von selbst und man ist nicht zu stoppen. Manchmal allerdings läuft es einfach nicht…

Genau das habe ich komplett unterschätzt. So war zwar mein Plan gut, doch in der Ausführung haperte es. Da hilft auch der beste Plan nicht und doch ist er unerlässlich!

Mein Tipp:

  • Beginnst du ein neues Projekt, dann überleg dir mindestens die nächsten fünf Schritte.

P.S.: Das Manuskript habe ich natürlich zwei Tage vor der Deadline abgegeben. So wie sich das für einen Zeitmanagement-Trainer auch gehört. :-)

Vom Exposé zum Buch

Als ich mit verschiedenen Leuten, die bereits selbst Bücher geschrieben haben, über mein Buch sprach, bekam ich einen goldenen Tipp.

Ein Freund hat mir nämlich geraten, relativ viel Zeit in das Exposé zu investieren. Je genauer und besser das nämlich ist, umso leichter schreibt sich danach das Buch.

Diesen Tipp habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Mein Vorteil war, dass ich von den Inhalten her schon gut Bescheid wusste. Ich musste also fast gar nichts mehr recherchieren.

Hier kam mir meine Blogerfahrung sehr zugute. Aus E-Mails, Kommentaren und Umfragen kenne ich die Themen, die die Menschen beschäftigen.

So habe ich ein relativ ausführliches Exposé erstellt und tatsächlich ging dann das Schreiben leichter von der Hand.

Mein Tipp:

  • Je besser und genauer der inhaltliche Plan, desto einfacher ist die Ausführung. So siehst du das Ergebnis praktisch schon vor dir. Damit meine ich nicht die zeitliche Planung, sondern die inhaltliche. Das gilt auch für andere Projekte.

Vorsicht vor MindMaps

Vor ein paar Jahren habe ich den Klassiker von Oliver Gorus gelesen. Er beschreibt dort alles, was man als Autor eines Sachbuches wissen muss.

Spannend fand ich eine Passage, in der er vor MindMaps warnt, wenn man ein Buch schreiben will. MindMaps sind großartig, um Zusammenhänge zu sehen und Dinge miteinander zu verknüpfen.

Ein Buch hingegen ist ein linearer Text, der von vorne bis hinten gelesen wird. Querverweise und Verknüpfungen sind natürlich möglich, aber ein Buch ist nicht so vernetzt wie eine MindMap.

Mein Tipp:

  • Nutze MindMaps. Sie sind ein großartiges Instrument, um deine Gedanken auf Papier zu bringen. Verzichte aber beim Schreiben eines Buches darauf.

Von leicht zu schwer

Ich hatte also ein gutes Exposé und musste nur noch den Inhalt runterschreiben.

Ganz ehrlich: das ist trotzdem noch ein Riesenberg an Zeichen und Wörtern, die ihren Weg auf das digitale Papier finden wollen!

Doch wie sagen die Chinesen so schön?

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

Wenn du eine Wanderung machst, beginnst du nicht gleich mit dem schwersten Teilstück. Sondern du willst dich erst warm laufen.

Genauso habe ich auch begonnen: anstatt mit der Einleitung oder irgendeinem für mich schwierigen Kapitel zu starten, habe ich geschaut, welches Kapitel mir leicht fallen wird und auf welches ich so richtig Lust habe.

Deshalb habe ich meine ersten Worte für den Tipp Nr. 4 (Tagesplanung) geschrieben.

Mein Tipp:

  • Beginne auch im Alltag mit den Aufgaben, die dir Spaß machen oder die dir leicht fallen. Besonders bei großen oder aufgeschobenen Projekten. Ich weiß, es gibt auch den Tipp „Eat the Frog“ (d.h. mach zuerst das Unangenehmste), doch das hat bei mir noch nie funktioniert. Schon als Kind wollte ich zuerst vom Fleisch oder der Pasta kosten, bevor ich mich ans Gemüse machte. :-)

Automatisches Schreiben

Ja, es wäre natürlich schon fantastisch, wenn sich das Buch aus dem Exposé automatisch schreiben würde. Das hat es auch fast.

Was meine ich damit? Alles, was wir automatisch tun – also ohne darüber nachzudenken -, kostet uns kaum Energie.

Bei der Arbeit kann man einiges automatisieren im eigentlich Sinn. Mir geht es hier aber um Gewohnheiten.

Viele Aufgaben gehen viel leichter von der Hand, wenn wir sie aus Gewohnheit tun. Dann müssen wir nicht überlegen, was wir als nächstes tun wollen, sondern tun es einfach.

Paradebeispiel: die Zeit zwischen Aufstehen und Verlassen der Wohnung. Diese Zeit ist geprägt durch Gewohnheiten und Routinen. Jeden Tag folgen wir denen ganz automatisch: aufstehen, duschen, Zeitung holen, frühstücken, Zähneputzen usw. Wir überlegen uns nicht, ob wir heute zuerst duschen oder frühstücken sollen, sondern tun es einfach so, wie wir es immer tun.

Dasselbe Prinzip können wir auch bei der Arbeit nutzen und Aufgaben, die täglich anfallen (wie z.B. E-Mails abarbeiten), immer zur selben Zeit tun.

Wichtig ist dabei der Auslöser. Der zeigt uns an, was als nächstes folgt.

So habe ich mir angewöhnt, immer morgens als erstes für eine Stunde am Buch zu schreiben.

Als Auslöser habe ich die letzte Handlung meines Morgenrituals genommen. Das war damals der Sport. Ich ging jeden Tag zum Sport und habe dann die erste Stunde in einem Café verbracht, wo ich eine Stunde konzentriert schrieb. So war ich beim Betreten des Cafés bereits im „Schreibmodus“.

Mein Tipp:

  • Aufgaben, die immer wieder anfallen (besonders auch kreative Aufgaben) gießt du am besten in Routinen und Gewohnheiten. So bist du automatisch in der richtigen Stimmung und sparst Energie.

Ohne Werkzeug kein Ergebnis

Es gibt viele Schreibprogramme da draußen. Man könnte aber natürlich ein Buch in der normalen Textverarbeitung schreiben.

Das wollte ich aber nicht, weil ich dort viel mehr abgelenkt bin. Dafür nutze ich gerne Apps für ablenkungsfreies Schreiben.

Ich bin ja sehr in der Apple-Welt zuhause (ich lebe sozusagen auf einer Apfel-Plantage :-) ) und kann deshalb hier nur Apps für Mac bzw. iOS empfehlen.

Eigentlich nutze ich für alle Texte (auch diesen hier) die App iA Writer. Die ist schön schlicht und funktioniert großartig am Mac, am iPad und auf dem iPhone.

Nur gab es ein „kleines“ Problem: ich konnte nicht mehrere Dateien aneinander hängen und als ein PDF exportieren.

Also habe ich meine Alternative dazu wieder entstaubt und Ulysses für mein Buch genommen. Hier habe ich einen sehr mächtigen Editor, kann mehrere Kapitel zusammenhängen, exportieren und vieles mehr.

Ein sehr nützliches Feature sind auch die Ziele. Für jeden Text kann man sich Wort- oder Zeichenziele setzen und sieht dann immer schön, wieviel noch fehlt (oder wie sehr man über das Ziel hinausgeschossen ist).

Mein Tipp:

  • Schreibst du längere Texte, dann nutz eine App für ablenkungsfreies Schreiben. In diesen Apps kannst du im Wesentlichen eines tun: schreiben. Genau das, was du brauchst.

Kein aufgabeninternes Multitasking

Multitasking funktioniert ja nicht. Das zeigen unzählige Studien.

Es gibt aber auch das aufgabeninterne Multitasking – besonders beim Schreiben. Wir schreiben einen Satz, korrigieren dann ein Wort drei Zeilen weiter oben, setzen einen Satz fett und schreiben dann weiter.

Die Folge: Texte ohne roten Faden.

Die viel bessere Lösung ist, die einzelnen Handlungen voneinander zu trennen. Also zuerst einfach nur zu schreiben. Dann umzuschreiben. Dann zu korrigieren. Dann zu editieren. Usw.

So werden Texte eindeutig besser. Apps für ablenkungsfreies Schreiben helfen dir auch hier.

Mein Tipp:

  • Eines nach dem anderen. Versuch nicht, während der Arbeit zwischen verschiedenen Modi zu wechseln (Schreiber, Editor, Textsetzer usw.). Das gilt nicht nur beim Schreiben, sondern auch sonst.

Feedback-Schlaufe

Kennt man sich in einem Thema sehr gut aus, ist es schwer zu beurteilen, ob das, was man da schreibt, wirklich gut und nützlich ist.

So habe ich in meinen Prozess drei Feedback-Schleifen eingebaut:

  • Erstleserin war meine Frau. Als „normale“ Angestellte, kennt sie „die Welt da draußen“. Und sie ist eine gute und ehrliche Kritikerin. Dank ihr hat mein Buch eindeutig gewonnen und klingt wirklich nach mir.
  • Zwischendurch ging mal ein Kapitel an den Verlag an meine Lektorin dort. Sie weiß genau, was ein gutes Buch ausmacht.
  • Das fertige Manuskript ging dann an eine externe Lektorin, die vom Verlag beauftragt war. Ich hatte eine großartige Lektorin: offen, ehrlich und knallhart. OK, das war nicht immer angenehm, aber ich wollte ja ein gutes Buch schreiben und nicht kuscheln. Sie sah alle Widersprüche („auf S. 17 haben Sie das geschrieben, aber auf S. 143 steht was ganz anderes“) und natürlich Fehler. Dank ihr hat das Buch eindeutig nochmals als Klarheit gewonnen.

Mein Tipp:

  • Zeig dich. Wir sehen nur, was wir sehen. Nur andere Menschen erkennen Lücken, blinde Flecken und können deine Ergebnisse noch besser machen.

Ein Buch zu schreiben, ist eine sehr spannende Reise. Ich habe viel über mich gelernt und habe jetzt mein erstes physisches Produkt, das man auch richtig in die Hand nehmen kann. :-)

Ich konnte all meine Tipps, die ich dauernd gebe, natürlich auch auf das Buch anwenden.

Doch wie das Leben halt so ist – die Praxis unterscheidet sich manchmal von der Theorie.

Kein neues Phänomen, natürlich auch nicht für mich. Ich wollte dir aber einen Einblick in den Prozess geben und meine Lehren daraus jede Art von Projekt oder Aufgabe übertragen.


Falls du das Buch gerne näher kennenlernen möchtest, dann trag dich jetzt in die Warteliste zum Buch ein.

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Das Buch erscheint übrigens am 31. August 2017 und kann bereits auf Amazon vorbestellt werden.

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