Für jeden Solopreneur ist es spielentscheidend, gefunden zu werden. Während man sich früher physisch bei allen möglichen Anlässen zeigte, kann man sich heute auch eine Online-Sichtbarkeit schaffen.

Für das heutige Interview habe ich mir einen Experten für Online-Sichtbarkeit geholt, nämlich den Frank Katzer.

Wir unterhalten uns aber gar nicht mal so besonders über dieses Thema, sondern viel mehr darüber, ob und wie man als Solopreneur entspannt arbeiten kann.

Entspannt arbeiten
© iStockphoto.com / Lise Gagne

Entspannt arbeiten als Solopreneur?

In diesem Interview erzählt dir Frank…

  • wie er seine Firma wieder auf sich reduziert hat;
  • wie er von „self-employed“ in Richtung „Unternehmer“ strebt;
  • wie er die Angst verloren hat, etwas zu verpassen;
  • weshalb Facebook seine Lieblings-Plattform ist;
  • und vieles mehr.

Frank Katzer ist unter internet-praxistipps.de zu finden.

Zwei Links aus der Folge:


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Das Interview mit Frank zum Nachlesen

Ivan Blatter: Hallo Frank, wie geht es dir, bist du entspannt?

Frank Katzer: Hallo Ivan, entspannt? Ja, es geht, es geht, ja, doch, doch.

Ivan: Es hat natürlich einen Hintergrund, weshalb ich dich gleich auf deinen Entspannungslevel anspreche. Du hast nämlich vor kurzem einen Artikel geschrieben, der heißt “Entspannt selbständig – bin ich das?” Und den fand ich unglaublich faszinierend und spannend. Wir werden heute bestimmt wieder ein paar Gedanken aus diesem Artikel aufnehmen und ein wenig darüber sprechen können. Doch bevor wir so richtig einsteigen, stell dich doch bitte selbst kurz vor.

Frank: Gerne. Mittlerweile bin ich 44, nenne mich selbst “Experte für Online-Sichtbarkeit”, das habe ich mir als Titel zurechtgelegt. Der Claim ist, ich helfe Selbständigen online mehr zu erreichen, im doppelten Sinne, also sichtbarer zu werden und dadurch letztendlich auch mehr Kunden zu gewinnen oder mehr Produkte zu verkaufen. Ich lebe mit meiner Partnerin und unserem Fünfjährigen zusammen, der auch nicht zuletzt viel daran beteiligt ist, wie ich mich beruflich orientiert habe die letzten Jahre, so vom Nachdenken her. Und ja, so hat sich das entwickelt zu dem, was ich jetzt mache.

Ivan: Du bist seit 1999 selbständig und hattest eine Agentur mit verschiedenen Mitarbeitern. Ich habe die Zahl nicht mehr ganz im Kopf, ich glaube, du hattest sogar mehrere Mitarbeiter?

Frank: Einen Festangestellten, einen Azubi und einen Praktikanten, so die typische Kombination eigentlich.

Ivan: Und dann hast du Ende 2012 gedacht, dass du dein Business wieder zurück auf den Chef, auf dich selbst, reduzierst? Und du hast deinem beschäftigten Mitarbeiter geholfen, auch in die Selbständigkeit zu gehen und das alles schön sauber abzuschließen? Wie war das für dich, diese Umstellung von einer Firma mit Angestellten zurück zum Ein-Mann-Betrieb?

Frank: Das war schon ein krasser Schnitt. Ich neige ein bisschen dazu, mich selbst ins kalte Wasser zu werfen und dann zu gucken, was passiert – ohne groß zu konzipieren. Das sorgt natürlich auch immer für ein bisschen Durcheinander, aber mir war es im Prinzip sehr wichtig, einfach mal wieder zu reduzieren, weil gemerkt habe, dass das viel zitierte Hamsterrad voll am Start gewesen ist. Du schaffst nur noch, um dann irgendwie ein Minimum von 10.000,- Euro Umsatz im Monat hinzukriegen, um es am Laufen zu halten. Und du nimmst vieles mit, von dem du eigentlich denkst, dass du es nicht unbedingt machen willst. Der Punkt, wo ich sage, dass ich froh bin, es jetzt nicht mehr machen zu müssen, das ist, dass du immer schauen musst, dass die Jungs etwas zu tun haben, dass Jobs da sind und dass sie sich nicht langweilen. Da musst du so weit vordenken, dass sie es gut abarbeiten können. Der Mitarbeiter hatte dabei sehr viel selbständig umsetzen können, aber für das alles nicht mehr sorgen zu müssen, das war schon sehr angenehm. Und bei diesem Reduzieren auf mich selbst gab es diese Nebeneffekte, dass ich zum Beispiel kein großes Büro mehr benötige, in dem andere Leute drinsitzen, wo Kunden hinkommen können. Davon ziehe ich mich wieder zurück, und das ist auch eher mein Ding. Mich wieder auf mich selbst zu reduzieren, das war so ein bisschen der Schritt, wo ich überlegt habe, “wirst du kleiner oder wirst du größer?” Natürlich, die meisten fragen, “warum machst du es kleiner, ihr habt doch Jobs und es hat doch funktioniert?” Aber dann hätte ich noch mehr drehen müssen, um noch Kunden ranzuschaffen, und irgendwie war das dann nicht mehr so mein Ding. Wie ich bereits angedeutet habe, kam der Prozess in Gang, als mein Kleiner geboren wurde. Ich dachte, gut, wie verbringe ich jetzt meine Zeit? Ich kann jetzt nicht mehr zehn, zwölf Stunden in der Agentur dabei sein, sondern ich möchte natürlich auch von dem Kleinen etwas mitkriegen, wie er größer wird, und ihn nicht erst später sehen, wenn er mit dem Mofa vom Hof fährt. Das waren Elemente, die dabei wirklich wichtig waren.

Ivan: Du schreibst in dem Artikel, den ich anfangs erwähnt habe auch, dass die meisten Selbständigen self-employed sind, also bei sich selbst angestellt, aber keine Unternehmer. Geht das auch ein wenig in diese Richtung, die du mir beschreibst?

Frank: Ja, schon, aber mit Angestellten hätte ich es noch eher umsetzen können. Wenn ich es schaffen würde, Produkte herzustellen, dann bin ich eher derjenige, der Produkte und Dienstleistungen im Päckchen schnürt und die Sachen dann verkauft und das Ganze mit ein bisschen mehr Abstand betreibt. Dann wäre die Firma aber nicht mehr so gewesen, wie ich sie hätte haben wollen, weil ich nicht derjenige sein wollte, der nur noch delegiert und sagt, “mach du das und du das, und hier gibt es ein Paket, das arbeitet ihr jetzt ab!”, und dann läuft es von alleine. Bei “im und am Unternehmen arbeiten” ist wichtig zu wissen, dass man häufig erst auf den Trichter kommt, wenn man durch irgendeine Geschichte längere Zeit von außen auf das eigene Tun gucken kann. Bei manchen ist es das Gesundheitliche, das sie erst einmal rauskickt, beim nächsten ist es die Geburt des Kindes oder etwas anderes, was in irgendeiner Form etwas dramatischer ist. Wo du einfach einmal den Blick von außen hast, den du normalerweise nicht bekommst, und den du auch nicht einfach mit zwei Wochen Urlaub hinbekommst. Du merkst, dass du dir letztendlich selbst einen Job geschaffen hast, wie bei mir zum Beispiel als Webdesigner, ich habe mir quasi meinen eigenen 9-to–5-Job geschaffen. Und das ist eigentlich auf Dauer Quark, denn du hast jetzt deinen eigenen 9-to–5-Job, musst dich aber um das ganze Drumherum auch noch kümmern, um Aufträge, um Steuern und das ganze Gedöns. Ich denke, dass man dann etwas Einschneidendes braucht, es sei denn, man ist so konzipiert, dass man einen automatischen Abstand dazu hinbekommt, dass man mal von außen draufgucken kann und schauen kann, was man eigentlich macht. Kann ich das auf Dauer machen, und bin ich mit 65 auch noch Webdesigner?

Ivan: Und wie gelingt dir das jetzt, wo du den Schritt wieder mehr in Richtung Unternehmer gemacht hast? Gelingt dir das gut?

Frank: Im Moment hält sich das in Grenzen. Den Weg dahin, den gehe ich schon, aber ich mache nach wie vor sehr viele Dienstleistungen, bei denen ich mich selbst als Freelancer sozusagen verkaufe oder mich direkt als Berater anbiete. Spannend wird es dann, wenn du noch mehr Produkte zwischen dir und den Kunden hast, die man einfach online stellen kann und die buchbar sind, also das viel zitierte passive Einkommen. Wobei ich diese Bezeichnung immer ein bisschen schwierig finde, denn so passiv ist es ja auch nicht. Die Arbeit findet dann nur an einer anderen Stelle statt und nicht direkt am Kunden. Das ist das Marketing oder die Produkterstellung an sich oder so etwas. Also wirklich die Trennung vom direkten selbst buchbar sein durch Produkte oder durch Dienstleistungspakete, die du irgendwie standardisiert anbieten kannst. Da wird es dann spannend, und da bin ich im Moment am Anfang, aber ich sage mal, dass das meine Vision davon ist, wo es hingehen soll, wovon ich vorrangig mein Auskommen habe.

Ivan: Zurück zur Umstellung, zurück zum Ein-Mann-Betrieb, das hast du als sehr befreiend im Artikel beschrieben und auch nochmal so ähnlich umschrieben. Du hast auch ein paar Prinzipien, die dir helfen sollen, entspannter zu arbeiten. Kannst du uns ein paar von diesen Prinzipien verraten?

Frank: Das sind auch viele Sachen, auf die du immer gerne Bezug nimmst, zum Beispiel, dass Unterbrechungen tödlich für die Produktivität sind. Solche Störungen habe ich in vielen Bereichen abgestellt, denn ich lenke mich selbst schon genug ab. Da bin ich mit Sicherheit auch nicht die Ausnahme, aber gerade durch diverse Medien, Smartphones, Tablets und so weiter ist man sehr geneigt, alle möglichen Mitteilungen anzulassen. Das habe ich sehr stark auf ganz wenige Kanäle reduziert und mache sogar etwas rabiatere Sachen, wie selten bis fast gar nicht ans Telefon zu gehen. Vieles läuft über den Anrufbeantworter, früher war es ein Callcenter. Da habe ich sehr viel reduziert, denn man hat sich solche Sachen schon sehr stark angewöhnt, zum Beispiel, dem Telefon Vorrang zu geben. Das ist eigentlich völlig daneben, wenn man sich das mal so überlegt. Natürlich möchte der Kunde auch bedient werden, und wenn man ihn gleich zurückruft und sich im Nachgang darum kümmert, ist das auch in Ordnung. Aber man darf sich dabei nicht so “versklaven”, wie man das gerne macht, weil es die Medien eben anbieten.

Ivan: Hast du denn nicht Angst, dass du irgendetwas Wichtiges oder einfach nur etwas Spannendes verpasst?

Frank: Nein, mittlerweile nicht mehr. Früher hätte ich gesagt, “okay, gehst du dem mal nach, vielleicht ist es ein cooler Job” oder was auch immer, aber inzwischen gehe ich entspannter an die Sache, dass ich sage, wenn es wichtig ist, wird eine Nachricht hinterlassen oder sie kommt auf einem anderen Kanal zu mir. Wenn man viel Geld umsetzen muss oder vieles machen möchte, dann wäre das vielleicht nicht die richtige Methode. Aber jeden Tag verfügbar und greifbar zu sein, das muss ich nicht mehr nach mittlerweile 15 Jahren in der Agentur. Das ist ein Schritt, den ich mir jetzt einfach herausnehme und dabei hoffe, dass es so funktioniert. Manche Kunden haben sich auch mittlerweile in der Richtung darauf eingestellt, dass vieles über die asynchronen Kanäle funktioniert, über einen Facebook-Chat oder dass eine E-Mail reinkommt, auf die ich dann reagiere. Und so halte ich diese direkten Unterbrechungen möglichst weit von mir weg.

Ivan: Ich glaube, das funktioniert sehr gut, ich mache genau dieselben Erfahrungen wie du, vorausgesetzt, dass man natürlich die anderen Kanäle auch zuverlässig bedient. Wenn man also innerhalb von einem Arbeitstag dann auch zurückschreibt oder sich meldet, dann funktioniert das eigentlich sehr, sehr gut.

Frank: Genau, du musst die Greifbarkeit dann dort sehr zuverlässig abbilden, damit du nicht das Vertrauen verlierst und der andere denkt, dass er dich überhaupt nicht an die Strippe bekommt. Das ist schon etwas, was man auf jeden Fall abbilden muss. Und dieses Indirekte, das Asynchrone, das finde ich sehr cool, gerade, weil einem das Internet dabei hilft. Früher war es die Agentur, über die ich mich repräsentiert habe, vielleicht mit der Webseite der Agentur, und mittlerweile tue ich das über Tutorials, Videos oder Facebook und was auch immer, um online da zu sein. Und da kann ich natürlich auch Dinge wie Videos hinterlassen und so weiter, die für mich länger funktionieren. Und das ist super spannend am Netz, dass du dich dort virtuell präsentieren und speichern kannst, und andere können jeden Tag rund um die Uhr Kontakt mit dir darüber aufnehmen. Und dadurch erkennen sie, ob es passen würde, ob derjenige mit dem Frank Katzer irgendetwas anfangen kann oder nicht. Und das ist eine schöne Vorselektion, bei der ich auch immer stärker merke, dass die Leute, die auf mich zukommen, mit denen ich dann arbeite, einfach super passen, weil sie schon wissen, wer ich bin. Ganz kurzer Schlenker: Darüber hat Gitte Herta ( ? unverständlich ) mal so einen schönen Artikel geschrieben, “bitte empfehlt mich nicht weiter”, das fand ich sehr passend, denn das ist manchmal ein bisschen kontraproduktiv, weil so eine Weiterempfehlung, das merke ich immer wieder, die funktioniert nicht so gut, weil die Leute mir nicht schon länger folgen und nicht wissen, was für ein Typ ich bin und was ich mache. Sondern das sind dann meistens Kontakte “aus dem Kalten” sozusagen, die mich nicht kennen und denen ich meistens erst einmal erklären muss, was ich mache und meine Preise rechtfertigen muss. Das muss ich alles nicht, wenn mich die Leute schon ein, zwei Jahre online verfolgt und geguckt haben, was ich tue und wo und wie ich helfe. Das ist sehr spannend.

Ivan: Eben, wer auf dich zukommt, der kennt dich eigentlich schon. Er weiß, wie du bist, er weiß, wie du sprichst, er weiß, was du kannst und was du bietest. Und er weiß beispielsweise auch, dass deine Videos immer schwarzweiß sind (lacht). Und wenn das einer blöd findet, dann kommt er nicht zu dir. Aber wenn er zu dir kommt, dann sagt er, “doch, die Arbeit von Frank, die überzeugt mich, ich will jetzt mit ihm eine enge Zusammenarbeit”.

Frank: Genau, das ist schon eine krasse Selektion, aber ich denke, am Anfang jeder Selbständigkeit sagt man, “das ist doch ein schöner Job, den nehme ich mal mit”. Man hört nicht so aufs Bauchgefühl, und irgendwann kommt man auf den Trichter, dass man sich eher die Leute heraussucht, von denen man weiß, dass es ein guter Job wird. Und zu dieser Vorselektion funktioniert bei mir im Moment das Internet und wie ich mich dort präsentiere super. Und wenn jemandem nicht gefällt, wie ich mich im Video darstelle oder wie ich rede, dann ist es gut, wenn er es an diesem Punkt merkt. Es ist besser, als wenn wir erst nach zwei Stunden E-Mails hin und her schreiben merken, dass es irgendwie nicht passt. Und das ist perfekt, das ist ein Effekt, den man meistens sehr unterschätzt, was man online bereits an Vorselektion machen kann und was einem dann auch die passenden Kunden bringt.

Ivan: Das ist definitiv so, du bildest dich mehr und mehr virtuell ab, du versuchst, diese asynchrone Kommunikation zu pflegen. Gibt es sonst noch Tipps, die dir helfen, entspannter zu arbeiten?

Frank: Ich mache mittlerweile wenig vor Ort beim Kunden sondern viel über Skype. Ich mache auch solche Dinge, dass ich tagsüber mal in die Stadt laufe und wieder zurück oder so etwas, um einfach nicht dem Standard-Trott zu verfallen, wo man erst abends im Dunklen wieder aus dem Kämmerchen kommt und merkt, dass der Tag vorbei ist. Ich versuche, öfter Unterbrechungen zu etablieren, nicht zuletzt auch einige deiner Methoden, die du gerne propagierst, 60/60/30 und so etwas. Damit versuche ich auch, den Tag ein bisschen mehr zu strukturieren, denn ich bin eigentlich ein super ungeordneter Mensch. Ansonsten schaue ich auch mehr danach, was ich selbst möchte. Das ist sinnvoll, denn dabei kommen immer wieder Dinge heraus, die auch für die Kunden wirklich relevant sind, weil es meistens internetbezogene Sachen sind, die Leute voranbringen. Dass ich mich zum Beispiel mit einer Technik beschäftige, die dann letztendlich auch wieder in meinen Beratungsgesprächen verwendbar sind. Ich habe es ein bisschen herumgedreht, früher sprang ich sehr nach dem, was die Kunden sagten, aber mittlerweile achte ich eher darauf, was ich eigentlich machen möchte. Wo sind meine Ziele, wo soll es für mich hingehen? Und das ist natürlich auch eine etwas entspanntere Haltung. Ich habe nicht zuletzt auch solche Dinge gemacht, dass ich für vieles kein oder wenig Geld ausgebe, damit ich nicht wieder in die Lage komme, alles Mögliche machen zu müssen, nur, damit ich wieder Geld habe, um das Zeug bezahlen zu können, was ich nicht wirklich brauche. Das sind auch solche Sachen, die mit hineinspielen.

Ivan: Hilft dir das auch bei deiner Positionierung? Dass du zuerst einmal schaust, was sind meine Ziele, und was ist es eigentlich, das ich will? Dass du dich nicht immer nur nach den Kunden richtest?

Frank: Absolut, ja, wobei man auch erst einmal auf den Trichter kommen muss, denn die meisten starten erst einmal mit einer Art Bauchladen, und man möchte keinem Kunden vor den Kopf stoßen, indem man sagt, “nein, das mache ich nicht!” Die Jobs, bei denen ich früher gesagt habe, “ja klar, das können wir” und wo wir uns dann doch sehr hineinfuchsen mussten, die haben sich meist gerächt. Wenn man irgendwelche Sachen dazu nimmt, die man eigentlich nur des Jobs wegen übernommen hat, die man aber gar nicht so richtig gut kann, dann ist das immer ein Stressfaktor. Wir haben dann zwar gute Arbeit abgeliefert, aber mit viel mehr Aufriss als geplant. Und bei der Positionierung, klar, du machst dir zuerst einmal Gedanken, wo du überhaupt hinwillst. Und dann wird die Richtung immer klarer, vor allen Dingen durch die Sachen, an denen man merkt, wohin man nicht will, und irgendwann bleibt ein bestimmter Kurs übrig. Zum Beispiel bei meinen Tutorial-Videos habe ich gemerkt, okay, ich erkläre gerne Sachen, das habe ich schon immer ganz gerne gemacht, ich kann Ton aufnehmen, ich kann Bilder aufnehmen, ich kann mit den Medien umgehen. So kam vieles zusammen, durch das mir klar wurde, dass ich Kurse erstellen kann. Und darauf muss man erst einmal mithilfe eines gewissen Abstandes kommen, dass man bestimmte Kompetenzen auch für etwas Anderes nutzen kann als nur dafür, um für Kunden Webseiten umzusetzen. Aber das braucht seine Zeit, und bei mir hat es sehr lange gedauert.

Ivan: Das geht mir eigentlich auch so. Du beschreibst das sehr gut, zu Beginn macht man alles, weil man auch das Geld braucht – schlicht und einfach. Wenn ein Kunde kommt, dann denkt man, “yeahhhhhh”, und dann macht man eben, was er will. Und mit der Zeit merkt man, dass man damit doch eher self-employed ist und nicht unbedingt ein Unternehmer, weil ich so mein Unternehmen ja auch nicht vorwärtsbringe, sondern vom einen zum Nächsten springe und eben diesen Bauchladen habe. Bei dir ist es vor allem auch diese Sichtbarkeit im Internet. Wie sorgst du denn so ganz allgemein für Sichtbarkeit im Internet bei dir selbst?

Frank: Mein vorrangiger Kanal ist immer Facebook, weil die vier, fünf Blogartikel, die ich im Jahr schreibe, die reichen nicht für die Sichtbarkeit. Wobei die schon auch Reaktionen bringen, aber das ist einfach zu wenig. In Facebook hingegen bin ich wirklich in sehr vielen Gruppen unterwegs und auf vielen Ebenen, sage ich mal. Ich nutze Facebook auf alle Arten und Weisen, und man merkt, dass Facebook viel mehr leisten kann als nur Verteiler für die eigenen Blogartikel oder Informationen zu sein. Das ist für mich im Moment eine sehr, sehr spannende Plattform. Twitter, Google+ und so weiter – gerade mit Twitter bin ich noch nicht so richtig warm geworden, obwohl es auch seine Vorzüge hat. In letzter Zeit probiere ich mehr diese Livestream-Plattformen aus, aber Facebook ist trotzdem das Ding meiner Wahl.

Ivan: Weshalb? Was sind für dich die größten Vorteile von Facebook?

Frank: Das Coole bei Facebook ist, wenn du dich traust, möglichst authentisch zu sein und auch einige Sachen von dir preiszugeben, dann kannst du in eine tolle Interaktion mit den Leuten kommen. Das passiert, wenn du dort weitgehend echt unterwegs bist und nicht eben nur Informationen postest und um Likes bittest. Meine Mastermind-Gruppe hat sich über Facebook zusammengefunden, die Mitglieder haben mich teilweise darüber gefunden und wir haben gemeinsam Gruppen zusammengestellt. Im Prinzip ist dort mein virtuelles Büro abgebildet, über den Chat, über geheime Gruppen, die wir haben, wo wir uns austauschen, in öffentlichen Gruppen, in denen ich Leuten zu bestimmten Themen helfe. Das sind Gruppen, die ich teils selbst betreibe oder die von anderen Leuten betrieben werden, wo ich wahrgenommen werde als jemand, der zu diversen Sichtbarkeitsthemen Hilfe anbietet, ob das Newsletter sind, Videos oder WordPress. Dort gebe ich den Leuten Tipps und Ratschläge, und das auf eine möglichst hilfreiche Art. Und irgendwann, und das ist schon häufiger passiert, werden daraus Kunden, auch wenn das teilweise wirklich ein, zwei Jahre dauert. Das ist nichts von heute auf morgen, aber darüber bilde ich im Moment meine Sichtbarkeit ab. Das ist natürlich nicht ungefährlich, denn klar, wenn der Zuckerberg irgendwann mal sagt, “so, jetzt kostet jeder Post fünf Dollar”, dann müsste man gucken, was man macht, aber im Moment ist das eben meine Variante. Natürlich habe ich auch meinen eigenen Newsletter, aber der ist noch sehr vernachlässigt. Facebook ist wirklich sehr vielschichtig, ich denke, viele übersehen, was dort alles möglich ist und was es auch zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen kann über den Austausch, den man dort haben kann. Es ist einfach eine tolle Kommunikationsplattform. Mal abgesehen von dem ganzen Datenschutzzeug, das ist natürlich heftig, das Schlimmste sind immer die Daten, von denen man nicht weiß, dass sie abgegriffen werden. Aber das ist mein Preis, den ich in Kauf nehme.

Ivan: Schlussendlich ist es eine Entscheidung. Du siehst eben auch die Vorteile, du kannst dich dort als Experte positionieren und nicht einfach nur, indem du auf dich zeigst und sagst, “ich kann es”. Du zeigst eben, dass du es kannst, indem du ein Video einstellst oder den Leuten hilfst, so, wie du es beschrieben hast. Du hilfst in den Gruppen oder mit Kommentaren und so weiter und so fort. Und das ist natürlich ein Riesenvorteil.

Frank: Genau, das ist es, was viele erst einmal kapieren müssen, dass man eben nicht nur sagt, “ich kann dieses und jenes”, sondern man wirbt dadurch, dass man anderen sagt, “wenn du das machen willst, geht das so und so und so”. Man bringt es den anderen bei. Sie merken irgendwann, dass sie es nicht alleine schaffen oder sie bekommen ihren Tagesablauf nicht gebacken, dann müssen sie den Ivan buchen, weil es ohne ihn oder eines seiner Produkte nicht geht. Aber ich weiß bei dir auch, was ich geliefert bekomme, wenn ich ein Produkt von dir buche oder deine Zeit buchen würde. Zum Beispiel ist es für mich toll, für einen Podcast gebucht zu werden, den ich selbst super gerne höre. Wir kennen uns virtuell, und es ist toll, dass wir uns auch einmal persönlich treffen. Denn früher waren es ganz andere Voraussetzungen, die man im Marketing hatte. Früher hat man auf den Webseiten aufgelistet, “ich mache das, das und das…”, und heute klärt man die Leute konkret darüber auf, und dann weiß man als Kunde auch, was man geliefert bekommt und hat eine Menge Vertrauensvorsprung in der Richtung.

Ivan: So ist es, ja. Das war ganz interessant, wir haben uns vor etwa einem Monat in Bonn bei einem Barcamp, am Inspirationscamp von Marit Alke und Karin Linzbach live kennengelernt. Und in diesem Camp kannte ich die Hälfte der Leute, ohne sie jemals zuvor im Leben gesehen zu haben. Und das war eine ganz spezielle Stimmung, auch mit dir, Frank, ich kannte dich schon länger, wir hatten auch schon einen Austausch gehabt, und plötzlich sah ich dich persönlich! Und das ist eine ganz andere Ebene, aber man musste sich nicht mehr gegenseitig vorstellen, da war einfach schon eine gewisse Vertrautheit da. Man konnte direkt die Gespräche weiterführen, die man bereits geführt hatte. Man war vielleicht ein bisschen erstaunt, wie lang jemand ist oder so etwas (lacht)…

Frank: (Lacht) …oder wie kurz!

Ivan: Je nachdem (lacht), genau, solche Dinge. Aber unseren Kunden geht es natürlich genauso, wenn sie uns irgendwo auf einer Veranstaltung sehen oder uns anrufen, dann kennen sie uns schon ein Stückweit, und dann ist die Hürde, auf uns zuzugehen, auch viel kleiner. Und das ist eigentlich das Fantastische daran.

Frank: Genauso ging es mir auch auf dem Treffen. Mein Schnitt war noch ein bisschen krasser, ich glaube, ich habe lediglich fünf Leute nicht gekannt, den Rest kannte ich mehr oder weniger schon über Facebook. Und du kannst mit den Leuten einfach losquatschen, du weißt gleich, worum es geht, du hast gleich eine gemeinsame Basis und weißt, wo sie sich jeweils bewegen. Da war schon eine ganz besondere Stimmung, und das alles durch diese online-Vorselektion. Es war schon krass, das dann in echt zu sehen, eine beeindruckende Geschichte, es auf diese Weise zu realisieren, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ivan: Das ist so, ja. Lieber Frank, zurück zu deiner Arbeit. Wenn du morgens aufstehst, das Wetter ist schön, dein Sohn hat frei, wie motivierst du dich trotzdem? Oder generell, wie motivierst du dich überhaupt?

Frank: Meine spontane Antwort wäre: Eigentlich gar nicht! Ich bin in vielen Sachen bereits motiviert, weil ich viel von dem, was ich jetzt mache, auch gerne mache. Und ich mache es auch gerne auf die Art und Weise, wie ich es gerade mache. An Tagen, an denen nichts auf mich zukommt, erlaube ich mir auch, einfach mal nichts zu machen. Natürlich gibt es auch Tage, wo ich sage, dass ich etwas durchziehen muss, obwohl die äußeren Umstände so wären, dass man eher eine Pause machen würde. Die Motivation ist dann eigentlich eher zu schauen, wo will ich eigentlich hin? Das ist am Anfang dieses Visionsthema, wo man sagt, dass man beispielsweise seine Kurse oder Produkte voranbringen möchte, auch wenn ich da bei manchen Sachen dezent prokrastiniere. Aber das ist schon die Vision, wo ich hin will. Ich habe immer ein Bild im Kopf, in einer Stadt auf einer Bank sitzen zu können und den Leuten eine Stunde lang in Ruhe zuschauen zu können, ohne denken zu müssen, “jetzt müsste ich eigentlich dieses und jenes machen”. Das ist eines meiner Ziele, das machen zu können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und ohne Druck zu verspüren, eigentlich arbeiten zu müssen, weil es gerade 10:00 Uhr ist, alle anderen rotieren und man selbst das eigentlich auch tun müsste. So etwas halte ich mir dann vor Augen, denn dort kann es mit solchen Produkten oder passiven Einkommensquellen hingehen, wo du nicht immer persönlich andauernd zur Verfügung stehen und jederzeit auf alles reagieren musst. Das ist etwas, was mir hilft. Sehr konkret ist das nicht, aber gemeint ist damit, ein Ziel vor Augen zu haben.

Ivan: Gut, viele Solopreneur sind ja motiviert, weil sie eine starke Antwort auf die Frage “warum tue ich mir das eigentlich an?” suchen. Das klingt so negativ, “es ist ja toll, was wir machen, es macht Spaß und ist großartig, aber warum tue ich das?” Und wenn du darauf eine Antwort für dich gefunden hast, die dir irgendwie bewusst ist, dann brauchst du in der Regel auch keine Motivation mehr, denn du kennst die Antwort auf das “Warum”. Da musst du dich nicht irgendwie austricksen oder irgendwelche Hilfen aus der Psychologie nutzen, um dich an den Rechner zu setzen, sondern es geht einfach.

Frank: So ist es. Ich will noch kurz darauf zurückkommen, was wir vorhin angesprochen haben. Diese ganzen Phasen, die ich durchlaufen habe, als ich gesagt habe, Agentur, okay, das Rad ein bisschen größer drehen, okay, das ist alles nicht schlecht, das ist alles eine Entwicklung, die man machen muss, um da anzukommen, wo man hin will. Das wollte ich nochmal anbringen, denn sonst klingt das zu negativ, weil man doch viel rotieren muss, viel delegieren muss und so weiter. Das war in der Phase aber auch gut, und letztendlich braucht es das auch immer, um dann später sagen zu können, dass man genau das nicht mehr will, sondern dass man es wieder kleiner machen möchte. Wie es so viele machen, die sich dann wieder auf sich selbst reduzieren und dann als Berater oder ähnliches unterwegs sind. Und ich denke, dass es da eine ganz natürliche Entwicklung gibt. Man kann sich überlegen, braucht es dazu wirklich zehn oder 15 Jahre oder hätten drei Jahre nicht auch gereicht? Manche sind schneller in der Entwicklung. Das wollte ich nur sagen, denn der Weg ist einfach nötig. Man kann das, glaube ich, nicht abkürzen.

Ivan: Das sehe ich genauso. Häufig hat man selbst die Vorstellung oder man wird mit dieser Vorstellung konfrontiert. Du machst dein Business auf, sagst, “ich mache jetzt das”. Und nach einem halben Jahr nimmst du die ersten Korrekturen vor, und nach einem weiteren Jahr wieder, und dann wird man damit konfrontiert, “du hast doch damit begonnen, und jetzt machst du schon wieder etwas Neues, wolltest du nicht in diese oder jene Richtung gehen?” Ja, das ist so, und das muss so sein, weil ein Business, ein eigenes Unternehmen, das bleibt nie stehen. Und gerade als Solo-Unternehmer, wenn du eigentlich für dich arbeitest, schlussendlich, und nicht schauen musst, dass deine 15 Angestellten ein regelmäßiges Einkommen haben, hast du auch diese Flexibilität. Und da ist es auch wichtig, diese Flexibilität zuzulassen und auch auszuleben. Und das Ganze ist eine Entwicklung, das kann gar nie stehenbleiben.

Frank: Genau, vor allen Dingen ist es eine Entwicklung, die du dir vorher nicht überlegen kannst. Du musst einfach loslaufen, gibst dir selbst vielleicht eine gewisse Richtung vor, aber du musst loslaufen und gucken, wohin geht es eigentlich? Und das ist etwas, was man häufig sehr verplant, wo man denkt, jetzt mache ich dies und jenes Konzept, einen Businessplan und das ganze Gedöns, was meist totaler Blödsinn ist. Man muss einfach loslaufen und ungefähr wissen, wo man eigentlich hin möchte, und vielleicht stellt sich in einem halben Jahr heraus, dass es etwas ganz Anderes ist. Wichtig ist, dass man sich anfangs nicht total verkopft, sondern dass man einfach etwas macht und schaut, was sich daraus entwickelt.

Ivan: Ganz genau, so sehe ich das auch. Ist das auch schon ein Stückweit dein Lebensmotto? Oder anders gefragt: Hast du ein Lebensmotto?

Frank: Gute Frage! Eigentlich wäre das eine Frage, auf die ich mit “nein” antworte, aber jetzt, wo du das Loslaufen erwähnst und zu schauen, in welche Richtung es geht, dann ist das eigentlich schon so mein Ding. Ich habe mir nie einen Satz zurechtgelegt, da gibt es nichts, wo ich sage, “danach lebe ich jetzt”. Aber das ist etwas, was sich die letzten Jahre herauskristallisiert hat, du kannst dir wirklich lange überlegen, wo es hingehen soll, aber letztendlich musst du loslaufen. Du musst nach draußen gehen und gucken, was sich daraus entwickelt. Das ist das Problem vieler Menschen, du setzt beispielsweise einen Blog auf, weißt nicht, wo es hingeht, und dann siehst du, okay, die Leute reagieren so und so und wollen dies oder das von mir. Okay, möchte ich das? Darauf reagierst du, und irgendwann formt sich daraus dein Produkt oder deine Persönlichkeit und das, was du anbieten kannst und wo du selbst hinwillst. Und das ist dann schon sehr spannend. Das könnte als mein Lebensmotto ganz gut herhalten.

Ivan: Sehr schön. Lieber Frank, ganz herzlichen Dank für die Zeit, die du dir für dieses Interview genommen hast.

Frank: Sehr gerne, vielen Dank für die Einladung, es hat mich sehr gefreut. Wie gesagt, vor allem, weil dein Podcast einer meiner Lieblingspodcasts ist. Ich lausche dir immer sehr gerne, und das sind immer sehr angenehme Tritte in den Hintern, um wieder mal etwas an der eigenen Produktivität zu verbessern.

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