Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Hermann Rühle vertritt in einem Gastbeitrag auf der karrierebibel.de [Link funktioniert leider nicht mehr; IB] die These, dass das Eisenhower-Prinzip mehr Schaden anrichte, als wirklich etwas nütze. Er plädiert für ein Zeitmanagement nach der Devise “KISS – Keep it simple and stupid” – was meinen Motto “einfach produktiv” entspricht – und vor allem für ein chaotisches Zeitmanagement.

Der Artikel – der vielmehr ein Buchauszug ist – vertritt ein paar spannende Thesen. Lesen Sie in diesem Artikel meine Ansicht zu Eisenhower im Alltag.


Ich teile nicht alle Schlussfolgerungen von Hermann Rühle und bin der Meinung, dass er mit seiner modifizierten Eisenhower-Matrix eigentlich Eisenhower weitgehend folgt, jedoch nur Aufgaben anders einteilt. Beispielsweise ist die Aufgabe “Erholung” oder generell “Work-Life-Balance” sehr wichtig, aber hoffentlich selten dringend. Bei Rühle ist diese Aufgabe nicht wichtig und nicht dringend. Meiner Meinung nach ein Trugschluss. Trotzdem – oder deswegen – ist der Artikel lesenswert, regt er doch zu eigenen Gedanken und in meinem Fall zu einem eigenen Artikel an.

Das Eisenhower-Matrix

Als kurze Wiederholung: Die Eisenhower-Matrix teil Aufgaben anhand der beiden Dimensionen “wichtig – nicht wichtig” und “dringend – nicht dringend” ein. Im Idealfall arbeitet man so oft wie möglich an wichtigen Aufgaben, die (noch) nicht dringend sind. Hier liegt der Schlüssel zum Arbeiten im Flow, zum stressfreien, entspannten Arbeiten. Nicht wichtige Aufgaben werden möglichst gemieden oder delegiert.

Ich habe in einem eigenen Artikel über die “Arbeitsorganisation mit Eisenhower” geschrieben und das Prinzip genauer beschrieben.

Die Ebenen des Zeitmanagements

Die spannende Frage lautet: Hilft die Eisenhower-Matrix im ganz konkreten Arbeitsalltag wirklich?

Ich finde das Prinzip hinter der Matrix nach wie vor nützlich. Es hat allerdings eine Schwäche: Es ist zu abstrakt, um konkret bei der täglichen Arbeit angewendet werden zu können.

Das ist nicht schlimm. Wichtig ist zu erkennen, welches Prinzip oder welche Methode auf welcher Ebene angewendet werden kann. Denn es gibt mindestens drei Ebenen im Zeitmanagement, auf denen man ansetzen kann.

Die Ebene der Einstellungen und Glaubenssätze

Auf dieser Ebene geht es um die ganz grundlegenden, teilweise auch unbewussten Dinge.

Hier liegen die Ursachen vieler Herausforderungen im Zeitmanagement. Unsere Selbstgespräche, Einstellungen und Glaubenssätze bestimmen mit, ob wir etwa einen Hang zur Aufschieberitis haben. Sie bestimmen auch, ob wir meinen, immer erreichbar sein zu müssen, wie leistungsorientiert wir sind oder welchen Wert wir Erholung beimessen und vieles mehr.

Die Ebene der Grundsätze eines erfolgreiches Zeitmanagements

Es gibt ein paar wenige Grundsätze, die schon fast als Fakten für ein erfolgreiches Zeitmanagement gelten.

Beispielsweise die Schriftlichkeit als Erfolgsprinzip: Ein nicht-schriftliches Zeitmanagement ist so gut wie unmöglich. Oder die Vollständigkeit als Grundsatz.

Die Ebene der Umsetzung

Auf dieser Ebene geht es darum, die Grundsätze in meinen konkreten Arbeitsalltag umzusetzen.

Das hier ist sicherlich die konkreteste Ebene und in hohem Mass individuell: Was bei mir funktioniert, funktioniert bei Ihnen vielleicht nicht. Und umgekehrt. Ich verwalte meine Aufgaben am liebsten elektronisch, andere arbeiten lieber auf Papier. Hier findet auch die konkrete Tages- und Wochenplanung statt oder es wird bestimmt, auf welcher Flughöhe Aufgaben notiert werden.

Eisenhower im Alltag

Das Eisenhower-Prinzip kann nützlich sein, allerdings ist es für die Ebene der konkreten Umsetzung zu abstrakt. Die Eisenhower-Matrix hilft mir nicht wirklich, wenn ich eine Aufgabenliste erstelle. Hingegen hilft sie mir auf der Ebene der Grundsätze und auf der Ebene der Einstellungen: Die Eisenhower-Matrix liegt bei mir wie im Hintergrund eines Bildes, auf dem ich mein konkretes Zeitmanagement der 3. Ebene dann aufbaue. Sie hilft mir bei meiner Einstellung gegenüber meiner Arbeit oder bei der Beurteilung des Stellenwertes meiner Arbeit, also eher bei den grundlegenden Fragen.

Sie ist, was sie ist: Ein Prinzip. Damit hilft das Eisenhower-Prinzip auch nur prinzipiell und selten ganz konkret. Nur in Einzelfällen – beispielsweise wenn ich überlastet bin – nehme ich ein kurzes Time-Out und überlege mir anhand der Matrix, was ich heute und diese Woche ganz konkret erledigen will. Sie hilft mir also dann, wenn ich Prioritäten setzen möchte – was ich selten auf der Ebene der Aufgaben tue.

Die Eisenhower-Matrix kann also durchaus helfen. Allerdings hilft es, genau zu wissen, bei was. So ist die Vorstellung, die Matrix hilft im ganz konkreten Arbeitsalltag, ein Trugschluss. Die Eisenhower-Matrix hilft eher bei den grundlegenderen Fragen und Einstellungen.

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