Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

In meinem Freundeskreis wurde ich lange ausgelacht, weil unser Keller ein Trauerspiel war. Obwohl ich sonst sehr gut organisiert bin, galt hier die Devise: Aus den Augen aus dem Sinn. Die Folge: Um etwas in unserem Keller finden zu können, mussten wir zuerst viele Dinge und Kisten umher schichten. Natürlich sind diese Dinge dann gleich am neuen Ort geblieben, so dass nach jeder Suchaktion das Chaos noch grösser wurde.

Mittlerweile haben wir in einer Grossaktion den Keller richtig aufgeräumt und diese Ordnung ist seit Monaten auch so geblieben.

Meine Freunde habe mich ausgelacht, weil ich ja anderen Menschen helfe, sich besser zu organisieren und trotzdem hatte ich selber ein Chaos. Damit werde ich oft konfrontiert: Viele Menschen meinen, ich als Experte müsse doch perfekt organisiert sein. Es stimmt zwar, dass ich gut – wahrscheinlich besser als die meisten Leute – organisiert bin. Gut ist aber nicht perfekt – und das ist gut so!

Auch mein Eingangskorb ist manchmal übervoll, mein Schreibtisch nicht immer leer und meine Aufgabenliste nicht immer aktuell. Das ist nicht weiter schlimm. Wir sind alle nur Menschen und niemand ist perfekt. Ich weiss aber immer:

  • Ich kann sehr schnell wieder Ordnung schaffen, da ich weiss, wie das am besten geht.
  • Ich lasse es nie zu weit gehen. Die Basis meiner Organisation, also sozusagen die Grundordnung, behalte ich immer bei.

Organisiert zu sein, heisst nicht automatisch, perfekt organisiert zu sein. Um Perfektion in etwas zu erreichen, braucht es einen sehr sehr grossen Aufwand. Es ist fraglich, ob der Bereich der Arbeitsorganisation der richtige Ort ist, um Perfektion anzustreben. Ich denke nicht. Viel lieber nehme ich einen pragmatischeren Weg:

Eine gute Arbeitsorganisation ist ja nichts anderes als ein Hilfsmittel für das wirklich Wichtige: Nämlich meine Aufgaben zu erledigen.

Darum geht es und nicht, ob es nicht doch noch ein besseres Programm für meine Aufgabenliste gibt oder ob es auf meinem Schreibtisch einen Bleistift zu viel hat.

Das ganze geht aber noch viel weiter: Ich mache aus einem ganz bestimmten Grund meine Arbeit, nämlich ich mache das, was mir Spass macht, was ich am besten kann und wo ich meine Talente und Stärken wirklich ausleben kann. Mir ist das Wort ein wenig zu gross, aber man könnte auch sagen, in meiner Arbeit kann ich meine Berufung erfüllen. Und genau darum geht es: Ich investiere genau so viel in meine Arbeitsorganisation, damit ich meine Berufung optimal leben, meine Ziele erreichen und mein Potential voll ausleben kann. Darum geht es schlussendlich.

Diese Erkenntnis nimmt viel Druck weg. Wer ständig ein schlechtes Gewissen hat, weil er nicht perfekt organisiert ist oder wer ständig auf der Suche nach der perfekten Organisation ist, hat vielleicht etwas missverstanden. Hier täte ein wenig Lockerheit gut. Arbeitsorganisation macht nur soweit Sinn, wie es hilft, die dahinterliegenden Dinge zu verwirklichen. Deshalb ist Perfektion nicht nötig, ein gesunder Pragmatismus reicht völlig aus.

Wenn ich also mal meinen Schreibtisch nicht mehr wirklich sehe oder mein Eingangskorb überquillt, weil ich so von einem Projekt inspiriert bin, dann ist das völlig OK. Ich weiss, dass ich – wenn ich aus dem Projekt wieder auftauche – meinen Tisch aufräumen werde und ich weiss, dass ich trotzdem so gut organisiert bin, dass ich nichts vergessen und nichts verloren gehen kann.

Eine gute Arbeitsorganisation ist zweifellos wichtig, und es ist richtig, sich darum zu kümmern. So steigt die Wahrscheinlichkeit, meine Leistung auch abrufen zu können. Manchmal täte uns lediglich mehr Pragmatismus und weniger Perfektion und Diskussionen um das allein selig-machende System gut.

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