Am 1.1.2015 habe ich meinen Lesern das "Du" angeboten.
In den älteren Artikeln sieze ich noch, wir bleiben aber natürlich gerne beim "Du". :-)

Ich konnte mal ein Unternehmen im Umgang mit E-Mails schulen. Die Schulung war für die ca. 300 Mitarbeitenden obligatorisch – inklusive Geschäftsleitung! So habe ich die identische Schulung etwa 10 Mal durchgeführt.

Bei einer Schulung nahm denn auch ein Mitglied der Geschäftsleitung teil.

In dem Raum hingen an der Wand Sitzungsregeln, die sich das Unternehmen selbst gab. Ein Punkt lautete: „Die Teilnehmenden schalten auf Empfang – keine anderen Arbeiten mit Laptop oder Mobiltelefon“. Vernünftig, nicht wahr?

Doch dann geschah etwas, was die Durchführung des Seminars sehr schwierig machte. Das Mitglied der Geschäftsleitung traf 10 Minuten zu spät ein (Punkt 1 der Regeln war übrigens: „Pünktlicher Beginn der Sitzung“), setzte sich hin, klappte sofort seinen Laptop auf und begann zu arbeiten – allerdings nicht für die Schulung.

Nur an einem Punkt unterbrach er seine Arbeit. Es ging grad um das Thema „Multitasking“ und er begann einen langen Monolog, in dem er sich beschwerte, dass „die Jungen heutzutage“ sich nicht mehr auf eine einzige Aufgabe konzentrieren könnten. Sprach’s, klappte den Laptop wieder auf und arbeitete weiter.

Sie können sich vorstellen, dass dieser Vormittag nicht ganz so erfolgreich verlief…

Der Fisch stinkt vom Kopf her

Mein Kollege Bernd Geropp, der den hervorragenden Podcast „Führung auf den Punkt gebracht“ veröffentlicht, fragt in einer Blog-Parade nach den drei wichtigsten Führungsprinzipien.

Er lässt offen, ob man über Mitarbeiterführung oder Selbstführung schreiben möchte.

Ich habe mich entschieden, diese Trennung nicht zu machen. Bei den Führungsprinzipien ist es wie im Zeitmanagement: Zeitmanagement ist nicht nur ein wichtige persönliche Kompetenz für jedermann. Zeitmanagement ist auch Chefsache.

Denn schließlich stinkt der Fisch vom Kopf her – sei es beim Zeitmanagement, beim Selbstmanagement oder wenn es um Führungsprinzipien geht.

Ich habe deshalb drei Führungsprinzipien ausgesucht, die sowohl für die Mitarbeiterführung wie auch für die Selbstführung entscheidend sind.

Die drei wichtigsten Führungsprinzipien

1. Schaffen Sie Klarheit.

Es wird unglaublich viel Zeit verplempert, weil Klarheit fehlt:

  • Was ist genau zu tun?
  • Was ist für mich genau jetzt die wichtigste Sache?
  • Welche Aufgabe bringt mich meinem wichtigsten Ziel näher?
  • Was ist überhaupt mein wichtigstes Ziel?
  • Was tue ich hier eigentlich? (nur halb-scherzhaft gemeint – können Sie die Frage beantworten?)
Klarheit ist der erste Schritt überhaupt – egal, ob es um Zeitmanagement oder Führung geht.
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Klarheit bei der Mitarbeiterführung heißt:
  • Erteilen Sie klare Aufträge.
  • Delegieren Sie nach dem www-Prinzip: Wer macht was bis wann? (Das Prinzip habe ich übrigens bei Bernd Geropp kennengelernt.)
  • Sprechen Sie Probleme und Schwierigkeiten an.
  • Sorgen Sie dafür, dass alle Mitarbeiter genau wissen, weshalb sie da sind und was sie zu tun haben.
  • Verteilen Sie keine Aufgaben auf dem Flur.
Klarheit bei der Selbstführung heißt:
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie immer den Überblick über Ihre Aufgaben haben.
  • Vergessen Sie keine Aufgaben.
  • Verarbeiten Sie neue unerledigte Dinge zeitnah.
  • Seien Sie sich bewusst, welches Ihre Ziele und Ihre Vision ist.
  • Seien Sie sich Ihrer Basis bewusst (Werte und Commitments).

2. Schaffen Sie einen optimalen Rahmen.

Wenn es um den Arbeitsplatz geht, ist es völlig logisch, dass wir für einen Schreibtisch, eine Lampe, ein Telefon und einen Computer sorgen.

Geht es aber um den „weicheren“ Rahmen, der uns praktisch zwangsläufig zu einer optimalen Leistung führt, dann sind wir nicht so konsequent.

Dabei braucht jede Arbeit einen Rahmen, innerhalb dessen wir uns entfalten können. Ein optimaler Rahmen schafft Freiräume und sorgt dafür, dass wir unser Potential auch wirklich abrufen können.

Ein optimaler Rahmen schafft Freiräume.
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Ein optimaler Rahmen bei der Mitarbeiterführung heißt:
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter einen guten Arbeitsplatz erhalten.
  • Sorgen Sie dafür, dass sie alle nötigen Tools zur Verfügung haben
  • Sorgen Sie für die Weiterbildung, die ihnen auch tatsächlich etwas bringt. Ja, und das kann durchaus auch mal ein Zeitmanagement-Seminar oder –Coaching sein.
  • Ermöglichen und fördern Sie Pausen.
  • Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitern Erholung. Suggerieren Sie nie, die Mitarbeiter müssen auch nach Feierabend erreichbar sein.
Ein optimaler Rahmen bei der Selbstführung heißt:
  • Schaffen Sie sich Gewohnheiten, die Sie zum Erfolg führen.
  • Wie Sie Ihren Tag starten, wird er auch verlaufen. Sorgen Sie für ein Morgenritual, das Sie wirklich stärkt.
  • Achten Sie darauf, genug zu schlafen, viel zu trinken, sich gesund zu ernähren und so oft wie möglich zu bewegen.
  • Machen Sie regelmäßig Pause (mindestens einmal pro Stunde).

3. Belohnen Sie keine Busyness.

Wer am schnellsten rennt und nie Zeit hat, wird häufig als der Produktivste angesehen. Das ist völlig Blödsinn.

Wer nie Zeit hat und immer gestresst ist, zeigt nur eines: Er hat weder seine Zeit noch seine Arbeit im Griff.

Wir brauchen mehr Business und weniger Busyness.
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Genauso beim Schreibtisch: Als bekennender Leertischler werde ich häufig mit der Aussage konfrontiert:

Das geht bei mir nicht, denn dann meinen die Kollegen, ich hätte nichts zu tun.

Auch das ist natürlich völliger Quatsch. Ordnung auf dem Schreibtisch und im Büro ist ein messbarer Wettbewerbsvorteil.

Anti-Busyness bei der Mitarbeiterführung heißt:
  • Belohnen Sie nie Hektik, sondern Leistung und Resultate.
  • Bremsen Sie Ihre hektischen Mitarbeiter, bevor Sie in eine Sackgasse (wie Dauer-Stress, Erschöpfung, Burn-Out) steuern.
  • Werden Sie selbst ruhiger. Hektik und Busyness verbreitet sich von oben her aus.
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken über die großen Linien Ihres Geschäfts. Brechen Sie aus der Alltagshektik aus.
  • Schaffen Sie auch für Ihre Mitarbeiter Zeit-Gefässe zum Nachdenken (z.B. in Form von Team-Klausuren).
Anti-Busyness bei der Selbstführung heißt:
  • Wenn es hektisch wird, dann lehnen Sie sich zurück und überlegen in aller Ruhe: Was tue ich zuerst?
  • Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit zum Nachdenken.
  • Lernen Sie, auch mal „Nein“ zu sagen, um sich selbst zu schützen. Selbst wenn es schwierig ist.

Das Thema Führung hat immer beide Seiten – Mitarbeiterführung und Selbstführung -, die aber nicht streng von einander getrennt sind. Das zeigen auch die drei Prinzipien, die auf beide Bereiche angewendet werden können.

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