Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Der Aufschieberitis-Tag

Vielleicht haben Sie es auf Twitter mitverfolgt: Am 1. August haben ich und meine Lebenspartnerin unseren ersten Aufschieberitis-Tag durchgeführt.

Unsere Regeln waren einfach: Wir wollten uns einen halben bis ganzen Tag den Dingen widmen, die wir sonst immer aufschieben. Halt die typischen Dinge, die man sich für einen verregneten Sonntag aufhebt. Mein grösster Brocken: Endlich alle alten Geräte bei ebay respektive ricardo.ch einstellen.

In meinen letzten Aufräumaktionen (besonders im Keller) habe ich viele Geräte entdeckt, die ich nicht mehr nutze, die aber noch in sehr gutem Zustand sind. Seit letztem November sind diese Geräte in einer Kiste gesammelt und warten auf den Verkauf. Der Grund: Mir macht sowas keinen Spass. Vor einem seriösen Verkauf muss ja jedes Gerät getestet, geputzt, fotografiert und beschrieben werden. Mein Plan war, ausserdem noch ein paar längst fällige E-Mails zu schreiben, meine Foto-Abteilung im Schrank aufzuräumen und mit der Steuererklärung zu beginnen, falls ich zu viel Zeit hätte. Meine Partnerin ihrerseits wollte vor allem ihre Steuererklärung ausfüllen.

Und das war das Ergebnis: In 4.5 Stunden habe ich insgesamt 15 Geräte bei ricardo.ch eingestellt und als Zugabe habe ich in 20 Minuten den Schrank aufgeräumt. Meine Partnerin hat ihre Steuererklärung ausgefüllt und sonst ein paar Dinge erledigt.

Es war nicht einfach, für solche Dinge, die keinen Spass machen, einen Samstag zu opfern. Dass wir trotzdem durchgehalten haben, lag sicherlich daran, dass wir uns auch für andere Dinge Zeit genommen haben und dass wir uns gegenseitig motivieren konnten. Wir haben viel später angefangen als geplant, einfach nur, weil wir unser Gespräch beim Frühstück nicht unterbrechen wollten. Auch die Mittagspause war recht lange und das war gut so.

Am Ende des Tages war ich froh, meine Hauptaufgabe endlich nach Monaten erledigt zu haben, auch wenn die ganz grosse Erleichterung ausblieb. Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich ja all diese Dinge dann noch verpacken und verschicken muss, wenn sie verkauft sind. Trotzdem hätte ich erwartet, dass ich mich besser und gelöster fühle.

Mit dem Abteil im Schrank, wo ich meine komplette Fotoausrüstung lagere, bin ich sehr zufrieden. Das war wohl der einzige Teil in der Wohnung, der noch nicht aufgeräumt war. Eine Altlast sozusagen. Diese Altlast habe ich wochenlang vor mich hergeschoben, nach nur 20 Minuten war ich aber schon durch. Hätte ich das gewusst…

Was ich an diesem Tag über Aufschieberitis gelernt habe:

  • Man kann Aufgaben noch so lange aufschieben wie man will: Sie erledigen sich selten von alleine. :-) Das stimmt allerdings nur teilweise. Es gibt tatsächlich Aufgaben, die plötzlich einfach nicht mehr relevant sind. Und: Nicht-Erledigen ist immer eine Option, die man prüfen kann, wenn eine Aufgabe schon lange auf der Liste steht. Vielleicht gibt es ja einen guten Grund, weshalb man die Aufgabe noch nie angegangen ist. Diesem Grund nachzuspüren, lohnt sich.
  • Je länger man eine Aufgabe aufschiebt, desto schwieriger wird der Anfang.
  • Der Anfang ist das Schwierigste. Kaum angefangen, entpuppen sie sich meist als nicht so schlimm.
  • Bei unangenehmen Aufgaben sind die Pausen und kleine Belohnung noch wichtiger als sonst. Das motiviert.
  • Ein Leidensgenosse und der regelmässige Austausch helfen sehr.
  • Grosse Aufgaben teilt man am besten in viele kleine auf. Meine ebay-Aufgabe hätte ich unbedingt in kleinere Aufgaben unterteilen sollen. Ich hatte zeitweise den Eindruck, nie fertig zu werden.
  • Ich hätte mir gerade für diese Aufgabe ein Zeitlimit setzen sollen.

Sie sehen: Auch Produktivitätstrainer schieben auf und lernen nie aus. :-) Macht aber nicht, denn es geht ja nicht um Perfektion.

Wir werden diesen Tag wohl künftig öfters wiederholen, gerade auch für die unangenehmen Aufgaben im Haushalt wie Fenster putzen oder solche Dinge. Meist schleppt man einige Aufgaben viel zu lange mit sich und lässt es zu, dass sie einem Energie rauben durch das permanent schlechte Gewissen. Schon nur, als wir das Datum für unseren Aufschieberitis-Tag festgesetzt hatten, hat mein schlechtes Gewissen auf der Stelle aufgehört. Denn ich wusste, dass ich dann meine Geräte endlich verkaufen werde. Das hat die Aufgabe nicht schöner gemacht, aber sie wurde absehbar.

Irgendwie freue ich mich trotzdem jetzt schon auf den nächsten Aufschieberitis-Tag.

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Ivan Blatter

Über Ivan Blatter

Ich bin Personal Trainer für neues Zeitmanagement und zeige meinen Kunden, wie sie ihre Produktivität verdoppeln und mehr erreichen, ohne sich dabei auszulaugen.

Ich helfe einerseits Solopreneuren und Unternehmern, ihr persönliches Zeitmanagement zu verbessern, so dass sie ihr volles Potential umsetzen können für ein erfolgreiches Business mit mehr Freude und Motivation. Andererseits unterstütze ich Unternehmen dabei, die Produktivität ihrer Teams zu erhöhen und so die Ziele schneller zu erreichen.

So einfach wie möglich, immer persönlich und individuell.

5 Gedanken zu “Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Der Aufschieberitis-Tag”

  1. Das klingt nach einer sehr guten Idee. Ich denke auch, dass es gerade die kleinen Dinge sind die erledigt werden wollen und aufgestaut Frust hervorrufen. Wenn diese dann erledigt sind ist umso schöner.

    Danke für den Denkanstoss. Ich werde einen solchen Tag mit meinem Kalender aushandeln und das bald mal ausprobieren. :-)

  2. ach bei der hitze habe ich zu gar nix lust und werde die sachen, die ich mir für heute vorgenommen habe noch etwas aufschieben. naja im ernst. ich versuche alles unangenehme gleich zu machen, denn machen muss man es eh.

  3. Wenn ich jetzt keine Lust habe, mich mit mir auf einen „Tag der Aufschieberitis“ zu einigen, bin ich dann schon Profi-Prokrastinierer ? ;-) Wie beginnt man so einen Tag und wie verhindert man, dass man in die selbe Falle tappt, wie an anderen Tagen ?

    Das was Du draus gelernt hast, kann ich aber so bestätigen. Meist reicht der Schwung nach Beendigung der aufgeschobenen Arbeiten sogar noch für viel mehr. Was auch beweist, dass das Aufschieben dumm war, wenn man es dann doch in relativ kurzer Zeit nachholen kann.

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