Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag von Bernd Geropp.

Mit keiner anderen Technik oder Methode kannst du so viel freie Zeit bekommen, wie mit Delegieren. Du bekommst genügend Zeit für das Wesentliche, wenn du konsequent Aufgaben abgibst und immer wiederkehrende Arbeiten delegierst.

…und trotzdem tun sich viele schwer mit dem Delegieren. Ob privat oder im Job, ob als Sachbearbeiter oder als Führungskraft, viele haben damit ihre Probleme.


Warum Delegieren so schwer fällt

Aber wenn du nicht lernst, erfolgreich zu delegieren, verschwendest du Lebenszeit. Du kümmerst dich zu viel um für dich unwichtige Dinge oder beschäftigst dich mit Aufgaben, die andere besser erledigen könnten.

Wer nicht richtig delegiert, hat keine Zeit, seine Stärken richtig einzusetzen. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss deshalb lernen, richtig zu delegieren.

Wer nicht richtig delegiert, hat keine Zeit, seine Stärken richtig einzusetzen.
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Delegieren für Führungskräfte

Das gilt natürlich in besonderem Maße für Führungskräfte. Wenn du ein Projekt, eine Gruppe, eine Abteilung oder sogar ein Unternehmen führst, dann darfst du nicht alles selbst machen. Du musst genug Zeit haben für das Wesentliche, nämlich das Führen und den Überblick behalten.

Du bist schließlich derjenige, der den Weg vorgibt. Du musst dich mit der richtigen Strategie beschäftigen, Ziele vereinbaren, Mitarbeiter inspirieren, sie ins Boot holen und sie unterstützen. Wenn du nicht führst – wer dann?

In der Rolle als Führungskraft musst du deshalb Fachaufgaben konsequent an deine Mitarbeiter delegieren. Es ist nicht mehr deine Aufgabe, Powerpoint-Folien zu erstellen, Excel-Listen im Detail zu kontrollieren oder Berichte zu formatieren.

Mir fiel das Delegieren zu Beginn meiner Führungstätigkeit sehr schwer. Ehrlich gesagt, hatte ich einfach bei vielen Aufgaben Angst, sie abzugeben, weil sie dann vermeintlich mit minderer Qualität erledigt würden. Auch gab es bestimmte Fachtätigkeiten, die ich einfach gerne machte und nicht abgeben wollte.

Natürlich ist das falsch, aber – wenn man es etwas genauer betrachtet – auch verständlich. Denn gerade wenn du in die erste Führungsrolle kommst, hast du ja meist keine Erfahrung mit Mitarbeiterführung.

Das Führen lernst du nicht in der Schule und auch nicht auf der Uni. Du lernst es, indem du es tust und es ausprobierst – und dabei viele Fehler machst.

Fachaufgaben statt Führungsaufgaben

Die Erkenntnis, dass du als frisch gebackene Führungskraft blutiger Anfänger bist, Fehler machst und in viele Fettnäpfchen trittst, kann sehr frustrierend sein. Deshalb tendieren viele Führungskräfte dazu, sich lieber mit Fachaufgaben zu beschäftigen, anstatt sich mit Führung auseinander zu setzen. Mir ging das genauso.

Bei den Fachaufgaben fühlte ich mich sicher. Darin hatte ich ja Erfahrung. Darin war ich Experte. Fehler passierten mir da nicht oder zumindest selten. Das war gut für mein Selbstvertrauen.

Das Problem aber war: Die Fachtätigkeiten waren nicht mehr meine Aufgabe. Dafür hatte ich ja meine Mitarbeiter. Es dauerte einige Zeit, bis ich das wirklich verstand und auch umsetzen konnte.

Ich hatte so typische Glaubenssätze verinnerlicht, wie:

  • „Keiner außer mir weiß, wie das geht!“
  • „Bis ich das jemandem erklärt habe, habe ich es schon selbst gemacht.“
  • „Wenn ich da nicht aufpasse, geht das in die Hose, da kümmere ich mich besser selbst drum…“
  • „Das macht sowieso keiner richtig. Ich hab ja niemandem, dem ich das übergeben kann.“

Immer hatte ich das Gefühl, dass ich ja eigentlich der bin, der die Aufgaben am Besten und am Schnellsten erledigen kann und wir uns ja gerade jetzt und bei dem Kunden nun wirklich keine Fehler erlauben können.

Falsch!

Meine Einsicht konsequent Fachaufgaben zu delegieren, kam erst, als ich merkte, dass mich diese Glaubenssätze viel Zeit kosteten und langfristig für mich und mein Unternehmen schädlich waren.

Ich musste lernen, dass ich anfänglich akzeptieren muss, dass meine Mitarbeiter länger brauchten als ich und dass zu Beginn immer auch mal wieder Fehler passieren, die mir so wahrscheinlich nicht passiert wären.

Delegieren akzeptieren

Das zu akzeptieren und die Fachtätigkeiten nicht wieder an mich zu reißen, fiel mir anfänglich schwer. Ließ ich es aber eine Zeit lang zu, dass meine Mitarbeiter selbstständig agierten, ich Ihnen nicht reinredete und ich anfängliche Fehler akzeptierte, wurden meine Mitarbeiter immer besser.

Bis sogar einige die Aufgaben nicht nur genauso gut, sondern sogar deutlich besser machten, als ich sie je gemacht hatte. Durch diese Erfahrung fällt es mir seitdem viel leichter zu delegieren.

Delegieren fällt dir dann besonders schwer, wenn du vorher selbst der Experte für die zu delegierende Tätigkeit warst. Du musst akzeptieren, dass es erst schlechter wird, bevor es besser wird.

Wenn du eine Aufgabe delegierst, die du bisher immer selbst erledigt hast, wirst du wahrscheinlich anfänglich ein schlechteres Ergebnis bekommen. Das ist aber doch nur verständlich. Schließlich hast du über Monate oder Jahre lernen können, wie’s geht.

Diese Lernphase musst du deinen Mitarbeitern auch einräumen. Denn mit der Zeit werden die auch immer besser, bis es vielleicht sogar dazu kommt, dass deine Mitarbeiter die delegierte Tätigkeit besser erledigen, als du es je gekonnt hättest. Und das ist eine tolle Sache!

Delegieren: Du musst akzeptieren, dass es erst schlechter wird, bevor es besser wird.
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Die möglichen anfänglichen Fehler solltest du als eine Investition in die Weiterbildung deiner Mitarbeiter sehen.


Die Entscheidung, ob du eine Aufgabe delegierst oder nicht, darfst du nicht vom Spaßfaktor abhängig machen. Es ist egal, ob du diese Aufgabe gerne machst oder nicht. Frage dich immer:

Muss ich wirklich diese Aufgabe bearbeiten oder kann ich sie delegieren und so meine Zeit besser nutzen?

Als Führungskraft ist es deine Aufgabe, dich auf Wichtiges zu fokussieren. Deshalb musst du Routinen und Sacharbeiten so weit als möglich delegieren.

Habe keine Angst davor, auch scheinbar langweilige Arbeiten abzugeben. Vielleicht glaubst du, dass du damit zwangsläufig deine Mitarbeiter demotivieren würdest. Das ist häufig aber nicht der Fall. Was für dich langweilig erscheint, kann für einen deiner Mitarbeiter eine interessante Tätigkeit sein.



Bernd-1Über den Autor
Bernd Geropp ist Geschäftsführercoach und Führungstrainer in Aachen. Er hilft seinen Kunden dabei, selbstständige und eigenverantwortliche Mitarbeiter zu führen.

Mit seinem Blog www.mehr-fuehren.de und seinem Podcast: „Führung auf den Punkt gebracht“ hilft er Unternehmern und Führungskräften mehr zu führen und weniger zu managen.

Ende Februar 2015 startet er mit der Online-Leadership-Platform (www.leadership-platform.de), einem Online-Training für Fachkräfte, die in die erste Führungsrolle reinwachsen.

Bis zum 24.02.2015 gibt es von Bernd Geropp ein 3-teiliges Gratis-Videotraining „Worauf es bei Führung wirklich ankommt!“


Bildnachweis: © Depositphotos.com/Olga Yastremska

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