Gleich vorneweg eine tröstliche Nachricht:

Aufschieberitis ist eine natürliche, menschliche Reaktion, um unangenehmen Dingen oder unangenehmen Gefühlen auszuweichen.

Deine Kunden schieben auf, deine Kollegen schieben auf und sogar Personal Trainer für neues Zeitmanagement schieben auf.


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Denk nur an deinen Wecker:

Hast du schon mal auf die Snooze-Taste gedrückt, um noch ein paar Minuten im warmen, weichen Bett liegen zu bleiben?

Auch das ist Aufschieben: Du willst noch nicht in den Tag starten und lieber noch das Bett genießen.

Leider mit der Konsequenz, dass du dann keine Zeit mehr für ein richtiges Frühstück hast, auf den Bus rennen musst und schon gestresst und hektisch im Büro ankommst.

Wichtig sind zwei Dinge:

  • Aufschieben ist eine normale, menschliche Reaktion.
  • Erst wenn das Aufschieben zur Regelmäßigkeit wird oder häufig zu Problemen führt, hast du wirklich ein Problem.

Wir bekommen häufig unsere Aufschieberitis nicht in den Griff, weil wir einfach falsche Vorstellungen davon haben.

Welche das sind und was definitiv nicht hilft, zeige ich in diesem Artikel. Am Ende des Artikels kannst du außerdem einen kleinen Aufschieberitis-Test anfordern, um zu sehen, wo du stehst.


VERschieben ist nicht AUFschieben

Die Eingangsbotschaft („Jeder schiebt auf.“) mag trösten.

Doch sollten wir genau hinsehen: Häufig ist das vermeintliche Aufschieben kein Aufschieben, sondern ein Verschieben.

Dinge zu verschieben ist ein legitimes und notwendiges Mittel der Arbeitsorganisation: Manche Dinge sind wichtiger als andere und bekommen deshalb Priorität.

Prioritäten setzen ist deshalb nichts anderes, als auszuwählen, was liegen bleiben soll.

Ruft mich jetzt ein Personal Training-Kunde an und hat ein dringendes Problem, dann höre ich sofort auf, an diesem Artikel zu schreiben, um dem Kunden zu helfen. Diese Aufgabe wird plötzlich wichtiger als die aktuelle Aufgabe.

Genau das ist Verschieben und nicht Aufschieben – ein wichtiger Unterschied.

Verschieben ist ein legitimes und notwendiges Mittel der Arbeitsorganisation, Aufschieben hingegen behindert dich nur.


„Ich brauche nur den richtigen Tipp.“

Wer der Aufschieberitis richtig verfallen ist, sucht häufig nach dem ultimativen Tipp, Computer-Programm oder einer magischen Lösung.

Die gibt es leider nicht.

Die Aufschieberitis geht viel tiefer. Gründe gibt es viele, aber meistens wird die Aufschieberitis zu einer lange antrainierte schlechten Gewohnheit, also zu einem tief sitzenden Verhalten. Dem kann man nicht einfach mit ein paar Tipps begegnen.

Besonders wenn man bedenkt, dass die Aufschieberitis ein Symptom und keine Ursache ist. Die Gründe liegen eindeutig tiefer und so lange man die Ursachen nicht angeht, wird der innere Schweinehund immer wieder grinsend zurück kehren.

Eine Symptombekämpfung mag im Moment etwas helfen, aber beseitigt das Problem nicht.

Trotzdem helfen Tricks, wenn deine Aufschieberitis nicht zu fest ausgeprägt ist oder um dir einen Startschwung bei der Bekämpfung des Problems zu geben.


„Ich muss mich nur zusammenreissen.“

Ich mag das Wort „Disziplin“ nicht. Disziplin hat etwas Verkrampftes, Verbissenes an sich.

Meistens hilft sie denn auch nur kurzfristig, außer der Druck ist so immens gross, dass man diszipliniert sein muss.

Besonders bei der Veränderung des eigenen Verhaltens kann Disziplin als Startschuss helfen, sollte dann aber so bald wie möglich ersetzt werden – etwa durch erfolgreiche Gewohnheiten oder positive Rituale.

Zusammenreissen hilft also in der ersten Phase der Gewohnheitsänderung. Disziplin hilft zunächst, um sich an eine neue Gewohnheit zu gewöhnen. Mittel- bis langfristig ist es jedoch um einiges erfolgsversprechender, wenn man Disziplin durch richtige Motivation und positive Rituale ersetzt.


„Ich bin faul.“

Schon möglich, aber das hat nichts mit deiner Aufschieberitis zu tun. :-)

  • Wer faul ist, der will gar nicht. Der will nichts tun, der will lieber umherliegen und weicht allem aus – besonders der Arbeit.
  • Wer hingegen aufschiebt, der will, aber kann nicht. Der will die Aufgaben erledigen, der will arbeiten, aber er schafft es nicht, die Starthürde zu überwinden. Die Folge: Selbstvorwürfe, schlechtes Gewissen, Rüge vom Chef, verlorenere Kunden etc.

Typische Aufschieber erkennen, dass und was sie aufschieben. Diese Erkenntnis schmerzt sie, passt sie doch oft nicht zum Selbstbild und zum eigenen Arbeitsethos.

Nur können viele Aufschieber aus dieser Erkenntnis keine Folgerungen ziehen und schaffen es nicht, ihr Verhalten nachhaltig zu verändern. Sie sind aber keineswegs faul.


„Ich brauche den Druck, um richtig arbeiten zu können.“

Das ist eine weit verbreitete Falschmeinung.

Zweifellos: Ein gewisser Druck hilft, ein gewisser Druck ist sogar notwendig, um die optimale Leistung abrufen zu können.

Die Psychologie spricht von einer mittleren Aktivierung (d.h. ein bisschen Druck, um in Schwung zu kommen), die notwendig ist, um die eigene Leistungsfähigkeit optimal ausnutzen zu können.

Sobald aber diese mittlere Aktivierung überschritten wird – also wenn der Druck immer mehr steigt -, nimmt die Leistungsfähigkeit rapide ab.

Gleichzeitig steigen die Fehleranfälligkeit und natürlich der Stress.

Wir meinen zwar subjektiv, dass wir mehr leisten. Vermutlich tun wir das auch, weil wir die Guillotine (=Termine, Fristen etc.) schon spüren und einfach Gas geben müssen.

Aber eben, auf dem Preisschild steht: Fehler nehmen zu und der Stress sowieso.

Falls du mir das nicht glaubst, dann frag am besten die beiden Psychologen Robert Yerkes und John D. Dodson. Die konnten diesen Zusammenhang nämlich bereits vor über 100 Jahren nachweisen.

Hast du dich bei den verschiedenen Glaubenssätzen und Ausreden wiedergefunden?
Möchtest du wissen, wie es mit deiner Aufschieberitis steht?

Dann fordere hier den kostenlosen Aufschieberitis-Test an.

Bildnachweis: © Depositphotos.com / raywoo

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