Weshalb ich mir keine Apple Watch kaufen werde

Oder doch? :-)

Ich kann es nicht abstreiten. Es würde mir ohnehin niemand glauben. Ich bin und bleibe ein Technik- und Apple-Fan.

Letzte Woche habe ich mit großer Begeisterung die neueste Keynote live mitverfolgt und finde  die Apple Watch großartig.

Nur: Kaufen werde ich mit die Apple Watch nicht – hoffentlich.

Denn aus der Sicht eines Produktivitätstrainers habe ich (leider…) ein paar Vorbehalte.

Erfahren Sie hier, was die Apple Watch mit Zeitmanagement und produktivem Arbeiten zu tun hat. Und lesen Sie hier, weshalb Sie sich den Kauf einer Smartwatch sehr gut überlegen sollten.

Weshalb ich mir keine Apple Watch kaufen werde

Kleine Vorbemerkung für zarte Gemüter: Was ich hier schreibe, gilt für jede Smartwatch. Natürlich halte ich die Apple Watch für die beste, doch wenn Sie diese Meinung nicht teilen, ist das OK. Kaufen Sie sich ruhig, was Sie wollen – mir ist das völlig egal.

Ein großer Teil der neuen Technologien und Gadgets hat einen Einfluss auf unsere Produktivität. Manchmal einen positiven, manchmal einen negativen.

Wie ist das bei der Apple Watch? Hier gibt es – wie bei allen Smartwatches – ein großes Problem: Unterbrechungen.

Wissen Sie, wie oft wir pro Tag auf unser Mobiltelefon schauen? Es kursieren verschiedene Zahlen, doch alle bewegen sich zwischen 100 und 200.

Wir schauen täglich 100-200 Mal auf unser Mobiltelefon!
Diesen Satz twittern...

Wahnsinn! Jetzt stellen Sie sich nur mal vor, Sie würden auch noch eine Smartwatch tragen. Jede Wette: Da schauen wir täglich 1’000 Mal drauf.

Doch damit nicht genug: Wenn wir eine neue Freundschaftsanfrage, einen neuen Tweet oder eine neue E-Mail erhalten, zittert nicht nur unser Smartphone in der Hosentasche, sondern auch die Uhr am Handgelenk.

Oder stellen Sie sich mal folgende Situation vor: Sie sitzen in einer Besprechung mit Ihrem wichtigsten Kunden. Hier können Sie sich vielleicht noch zurückhalten, auf das Telefon zu schauen. Doch können Sie das auch bei der Uhr? Ganz ehrlich: Ich nicht…

Glauben Sie jetzt aber ja nicht, dass der Kunde das nicht bemerkt. Wir lassen uns also noch mehr unterbrechen, noch mehr ablenken und signalisieren unserem Gegenüber: Es ist zwar nett mit dir, aber ich interessiere mich jetzt mehr für den neuesten Tweet.

Die häufigste Frage in meinen Coachings

Wissen Sie, weshalb die meisten Kunden zu mir kommen? Wissen Sie, welches Thema in meinen Seminaren immer ein Thema ist?

Ganz eindeutig:

Ich werde ständig unterbrochen und komme nicht zu meiner eigentlichen Arbeit.

Es gibt unzählige Studien, die zeigen: Multitasking und ständige Unterbrechungen sind höchst ineffizient. Wir meinen, wir würden Zeit sparen, doch in Wahrheit verlieren wir Zeit und unsere Fehlerquote verdoppelt (!) sich.

Unsere Arbeitswelt beruht teilweise auf parallelen Prozessen, doch vielen brocken wir uns selbst ein. Wir alle haben Spielraum, wir alle können gewisse Unterbrechungen ausschalten. Wir müssen das aber aktiv suchen und durchsetzen. 

Das ist gewiss nicht einfach, aber absolut notwendig.

Unsere Tools, Computer und Smartphones sind so eingerichtet, dass wir ständig über alle Mögliche informiert werden.

Natürlich lässt sich all das ausschalten, doch das müssen wir bewusst und aktiv tun.

Selbstverständlich gilt das auch bei der Apple Watch.

Doch ganz ehrlich: Ich traue mir selbst nicht. Ich bin nicht sicher, ob ich dann wirklich alle Unterbrechungen ausschalten würde.

Deshalb verzichte ich lieber darauf – auch wenn es mir sehr schwer fällt. Denn das Ding ist halt schon etwas Tolles. :-)

Doch:

  • Ich konzentriere mich lieber auf die Dinge, die mich und mein Business weiterbringen.
  • Ich versuche lieber, meinen Fokus zu verbessern und die Qualität meiner Arbeit hochzuhalten.
  • Ich versuche lieber, selbstbestimmt statt fremdbestimmt zu arbeiten und zu leben – ohne unnötige Unterbrechungen und Ablenkungen.

Und Sie?

Kleines Addendum

Falls Sie mich nächstes Jahr plötzlich doch mit einer Apple Watch sehen, dann lachen Sie mich bitte nicht aus. Ich bin auch nur ein Mensch und finde solche Geräte halt schon toll und faszinierend. :-)

Bildnachweis: © Depositphotos.com / peshkova

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Ivan Blatter

Über Ivan Blatter

Ich bin Personal Trainer für neues Zeitmanagement und zeige meinen Kunden, wie sie ihre Produktivität verdoppeln und mehr erreichen, ohne sich dabei auszulaugen.

Ich helfe einerseits Solopreneuren und Unternehmern, ihr persönliches Zeitmanagement zu verbessern, so dass sie ihr volles Potential umsetzen können für ein erfolgreiches Business mit mehr Freude und Motivation. Andererseits unterstütze ich Unternehmen dabei, die Produktivität ihrer Teams zu erhöhen und so die Ziele schneller zu erreichen.

So einfach wie möglich, immer persönlich und individuell.

14 Gedanken zu “Weshalb ich mir keine Apple Watch kaufen werde”

  1. Hallo,

    auch ich bin Apple Fan und von der Uhr begeistert. Die von Ihnen geschilderten Gründe sind durchaus nachvollziehbar. Jedoch hoffe ich, dass man genau diese Ablenkungen und Unterbrechnung mit geschickten Einstellungen ausschalten / verbergen kann. Ansonsten kann es genauso kommen wie von Ihnen befürchtet. Das wiederum wären wirklich Gründe das Produkt nicht zu kaufen.

    Mit Gruß
    Frank T.

    PS. Vielleicht sollten Sie als Fan den Entwicklern bei Apple ihre Bedenken mitteilen.

  2. Lieber Ivan Blatter,

    ich teile Ihre Einstellung zur Apple Watch uneingeschränkt. Als Unternehmer und auch als Fan. Und wahrscheinlich werde ich auch schwach….☺ Ich hoffe auf einen „bitte nicht stören-Button“, wie auf dem iPhone.

    Beste Grüße
    Wolfgang Müller

  3. Garantiert werde ich mir diese Uhr nicht kaufen. Ich habe ja nicht einmal eine normale Uhr am Handgelenk. Und ein Smartphone habe ich auch nicht, diese ständige Erreichbarkeit wird überschätzt – meiner Meinung nach. Wertvoller, besser, effektiver wird man dadurch jedenfalls nicht.
    Wer ohne diesen technischen Schnick Schnack nicht auskommt sollte ernsthaft überlegen ob er noch lebt oder nur noch funktioniert (funktionieren will).
    Ich habe die Erfahrung gemacht dass die Leute die sich vollends vernetzen in der Regel Leute sind die sich kaum noch selbst reflektieren weil eben die Zeit dazu fehlt.

    Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit.

  4. Wie wunderbar, dass ich als Apple-Verweigerer gar nicht Gefahr laufe, mir dieses Gerät zu kaufen. Deine Gründe, die gegen den Erwerb sprechen, finde ich dabei sehr vernüftig, hat das Thema doch viel mit „Selbstkontrolle“ zu tun. Und ich bin sicher, dass unser ISH (also der Innere Schweinehund) alles dransetzen wird, im nächsten Apple-Store unter einem Vorwand einzukehren und nicht ohne iWatch rauszukommen. So ein bißchen Reiz verspüre ich als „early adaptor“ da ja auch immer, denn geil ist das Teil ja schon….

    Doch wie sagte gestern jemand so schön: Die Apple-Uhre heißt iWatch, weil die NSA ihr diesen Namen gab – und es dauere kaum mehr lange, bis Obama unserer Frau Merkel eine eWatch(you) schenkt. Alleine deshalb würde ich mich gegen diesen Begleiter entscheiden….

    Warum ich nix von Apple kaufe? Ich verweigere diese (von mir als durchaus sehr, sehr clevber gewertschätzte!) Marketingpolitik: Bevor ich auch nur ein Gerät BENUTZEN kann, muss ich meine Daten via iTunes preisgeben und mich so dem Werbegewitter von Apfels aussetzen. Und um die iWatch zu nutzen muss ich auch erstmal ein iPhone kaufen. Clever – aber eben nix für mich. Danke.

    Respekt vor dem Ich ist in diesem Fall der Verzicht auf die iWatch ;-)

    • Hi Bettina, ich finde dein Kommentar und besonders deine Bedenken zur „iwatch (you)“ der NSA sehr gut und wichtig! selbst wenn die Technik genial ist sollte man sich im Internet definitiv dazu informieren und genau diesen Aspekt recherchieren bevor man kauft. (Stichwort: Massenüberwachung).

  5. Ich bin grundsätzlich eigentlich kein Apple-Fan, obwohl ich weiß, dass die Produkte durchaus sehr hilfreich sein können… ich sehne mich einfach nach einer (entschleunigten) Welt mit weniger Technik – so praktisch und arbeitserleichternd Technik auch sein mag.
    Ich schalte mein Handy und meinen Laptop auch gerne mal für eine Stunde aus nehme Papier und Bleistift zur Hand. Und wenn ich meine analoge Uhr mal vergessen, meinen Laptop nicht dabei habe und der Akku meines Handys leer ist, frage ich einfach jemanden, wie spät es ist. ;-)

    viele Grüße
    Andreas

  6. Hallo Ivan,

    ich trage seit etwa 1 Jahr eine Smartwatch (Pebbble) und aus der Praxiserfahrung kann ich sagen: deine Bedenken sind in der Realität kein Problem.

    1. Nein, ich schaue nicht 1.000 mal täglich auf meine Uhr.
    Warum schauen wir 200 mal auf unser Smartphone? Um zu kontrollieren, ob wir nicht etwas verpasst haben. Wenn man aber weiß, dass man automatisch informiert wird, wenn etwas wichtiges passiert, schaut man sogar weniger darauf. Diese Kontrollblicke auf mein Handy haben komplett aufgehört und auf meine Pebble schaue ich auch nur, wenn ich einen Anruf bekomme – oder (was häufiger vorkommt) um einfach zu wissen, wie spät es ist ;-)

    2. Ich reagiere nicht bei jeder eingehenden Nachricht. Ich weiß nicht, wie es bei anderen Smartwatches ist, aber bei meiner kann ich einstellen, welche Benachrichtigungen übertragen werden sollen. Meine Uhr vibriert nur bei Anrufen (und selbst das könnte man evtl. noch verfeinern). Aber selbst das ist in einem Meeting kein Problem, ein dezenter Blick auf’s Handgelenk und ein kurzer Druck auf einen Knopf hat bisher noch niemanden gestört. Und falls es doch wichtig ist, mach ich einfach einen Disconnect und bekomme in der Zeit gar keine Info mehr.

    Insofern hilft mir meine Smartwatch sogar, mich zu fokussieren – da ich genau steuern kann, welche Informationen mich erreichen und mein Hinterkopf beruhigt ist, dass ich nichts wichtige verpasse. Fazit: nie wieder ohne Smartwatch ;-)

    Ich würde mir trotzdem keine Apple Watch kaufen. Ach kein Modell von Samsung, Sony oder anderen. Warum? Weil der Akku nur 1 Tag hält. Wenn ich also mal vergesse, über Nacht meine Smartwatch aufzuladen, ist meine Armbanduhr nutzlos? Ein absolutes K.O.-Kriterium.
    Wenn das Problem aber gelöst ist und der Akku eine Woche hält – dann werde ich Smartwatches auch von Apple und Samsung empfehlen. Denn generell ist das eine großartige Sache. Ansonsten bleibe ich bei meiner Pebble. Hat zwar kein Touchdisplay, aber alles was ich brauche. Und der Akku hält 7-10 Tage.

  7. Sehr geehrter Herr Blatter

    Vielen Dank für den interessanten Bericht. Auch ich bin ein Apple Fan, jedoch betrachte ich alles aus einem kritischen Blickwinkel. Bin aus diesem Grund kein sogenannter „Apple Fanboy“, der immer das neueste Produkt haben muss. Auf Ihren Artikel möchte ich jedoch ausführlich eingehen.

    Im grossen und ganzen lässt sich Ihre Argumentation gegen die Apple Watch und die vorausgesagten Unterbrechungen durch die „Nicht stören“ Funktion relativieren. Diese Funktion ist leicht einzurichten, man kann sie zeitlich begrenzt laufen lassen (z. B. während der Arbeit von 8:00 bis 18.00 Uhr) oder manuell einschalten. Diese Funktion gibt es bereits beim iPhone (wie ein Vorgänger erwähnt hat) und es wird sie auch bei der Apple Watch geben (siehe Apple Website). In welchem Umfang, weiss ich nicht.

    Und eben genau das macht einen der Unterschiede zw. Apple und dem Rest aus. Apple durchdenkt jeden Punkt vom Design bis zur Bedienung der Produkte. Über das Design kann man sich aber streiten. Mir gefällt es überhaupt nicht und ich bin in einer ähnlichen Branche tätig.

    Der zweite Punkt, der mir sehr am Herzen liegt ist das Thema der Argumentation einer Vorgängerin, die schlichthin auf Unwissen und Fehlinformationen beruht. Wir leben, wie ich finde, in einer sehr spannenden Übergangsphase (Thema analog-digital). Eine Smartwatch ist eben nur dann smart, wenn sie in Kombination mit einem Smartphone verwendet wird. Das Smartphone ist ja bereits smart, da es eigentlich ein mobiler Hosentaschencomputer ist. Aber genau das ist auch die Stärke einer Smartwatch. Inhalte vom Mobiltelefon auf die Uhr darstellen, die man eben immer am Handgelenk trägt. Das bedeutet, dass die Bindung an ein Gerät noch grösser ist und die Distanz noch geringer und genau das will ja jeder Hersteller nicht nur Apple. Aber eine Smartwatch ohne die Anbindung an ein Smartphone wäre ja eine einfache Uhr, deshalb wird sie nur in Verbindung mit dem iPhone verkauft werden.

    Thema Datenschutz und Selbstkontrolle. Vor einiger Zeit musste man als Benutzer keine grossen Einstellungen ein einem Gerät tätigen, um sicher zu stellen, dass der persönliche Datenschutz gewährleistet ist. Heute ist es wie ich denke umgekehrt. Man muss gewisse Einstellungen tätigen und Häkchen setzen, um den Datenschutz zu gewährleisten, weil die Werkseinstellungen der Geräte eben offener als früher konzipiert sind. Da sollten die Datenschützer meiner Meinung nach mehr Druck ausüben.

    Was ich aber damit sagen will ist, dass man heute als Benutzer aktiv sich um den persönlichen Datenschutz kümmern muss. Zudem muss und kann man aktiv werden um einen Grossteil der Störungen zu filtern bzw. zu steuern, sei es bei der Apple Watch (nicht iWatch) oder im persönlichen Umfeld. Die Möglichkeiten sind gegeben, analog und digital.

    PS: Sie haben im Artikel drei Mal die Möglichkeit erwähnt, dass es doch passieren könnte (siehe 1. Oder doch, 2. hoffentlich, 3. kleines Addendum), dass Sie die Apple Watch erwerben. Aus diesem Grund gehe ich mit einer 80%-igen Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sie nächstes Jahr eine tragen werden ;-)

    • Du hast recht. :-) Vermutlich würde ich heute den Artikel anders schreiben, da ich auch ein großes Potential in der Apple Watch sehe – bez. Umgang mit Todos, Kalender und besonders auch für Datenfreaks wie mich (Stichwort: Lifesum, Apple Health, Ausgabenerfassung usw.).

      Wir Schweizer sind ja später dran, d.h. ich kann mir das in Ruhe überlegen, deinen und all die anderen Testberichte lesen und dann entscheiden.

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