„Was wollte ich schon wieder hier tun?“ – Tipps gegen Ablenkungen

Ich habe neben meinem „normalen“ Schreibtisch auch ein Stehpult, das ich besonders gerne zum Schreiben und Nachdenken nutze.

Kürzlich passierte mir ein Klassiker, nämlich als ich vom Stehpult zu meinem Schreibtisch ging und plötzlich nicht mehr wusste, was ich dort wollte.

Lies hier die Geschichte einer klassischen Ablenkung und was ich dagegen tue.

Tipps gegen Ablenkungen

Auch Produktivitätstrainer lassen sich ablenken

Ich arbeitete fröhlich am Stehpult und im Hintergrund lief Musik (ja, das ist produktiv). Als das Album zu Ende war, ging ich zum Schreibtisch (wo mein Computer steht) und wollte rasch ein neues Album in iTunes starten.

Wie es aber so geht: Mein Blick fiel auf das offene Mailprogramm, ich las ein paar neue E-Mails, worauf ich zu Google Plus wechselte, ein paar tolle Links entdeckte, die ich natürlich sofort anklicken musste und las ein paar Artikel.

Nach 10-15 Minuten konnte ich mich losreissen, ging zurück zum Stehpult und fragte mich: Was wolltest Du eigentlich am Schreibtisch?

Am Fuss des Leuchtturms ist es dunkel. Oder: Einem Produktivitätstrainer geht’s auch nicht besser.
Diesen Satz twittern...

Tja, am Fuss des Leuchtturms ist es dunkel. Oder: Einem Produktivitätstrainer geht’s nicht besser als allen anderen. Er tappt aber vielleicht weniger häufig in die Falle und weiß, was er dann zu tun hat. Nämlich das hier.


Vier Tipps, sich nicht ablenken zu lassen

  1. Schliess alle Programme, die du momentan nicht benötigst. Das gilt besonders für dein Mailprogramm und deinen Twitter-Client. Geschlossene Programme lenken nicht ab und der Rechner wird erst noch schneller.
  2. Nutze so häufig wie möglich Programme im Vollbild-Modus. Beim Mac gibt es standardmässig in (fast) jedem Programm einen Vollbildmodus. Die Programme füllen den gesamten Bildschirm, häufig ist auch die Menüleiste oder Statusleiste ausgeblendet. Ähnlich wie es beim iPad oder iPhone auch ist. Windows-User können das Programm-Fenster maximieren oder – wenn es geht – in den Vollbild-Modus schalten (der Acrobat Reader oder Adobe Lightroom können das beispielsweise).
  3. Schalte alle Benachrichtigungen aus. Das tust du am besten bei jedem Programm. Falls das in deinem Fall nicht geht (es gibt tatsächlich ein paar wenige Jobs, wo das nicht geht), dann schalte die Benachrichtigungen situativ ab. Beim Mac kann man das ganz einfach in der Mitteilungszentrale machen. Streiche auf deinem Trackpad oder deiner Maus von ganz rechts nach links. Damit öffnet sich diese Zentrale. Dann musst du noch ganz nach oben scrollen und dort kannst du den Schalter bei „Nicht stören“ umlegen. Windows-Nutzer müssen die nicht benötigen Programme ganz schließen oder jeweils die Benachrichtigung ausschalten.
  4. Vergiss deine mobilen Geräte nicht. Was nützt es, wenn es am Computer schön still ist, aber dein Smartphone ständig piepst und vibriert. Schalte auch dort (und auf dem Tablet) die Benachrichtigungen aus.

Tappst du doch in die Falle und lässt dich ablenken, dann tun Folgendes:

  • Bleibst du in den Mails hängen, dann arbeite sie auch ab. Einfach nur Überfliegen bringt nichts und kostet nur Zeit.
  • Verlierst du dich im Internet, dann mach bewusst einen Stopp und speichere die offenen Seiten als Lesezeichen. Später dann (z.B. in der Mittagspause oder nach Feierabend) kannst du dich dann in aller Ruhe mit diesen Seiten beschäftigen.

So markierst du Webseiten für später

Natürlich kannst du Webseiten, die du später lesen willst, als normale Lesezeichen/Favoriten speichern, aber es gibt auch elegantere Möglichkeiten. Häufig will man ja eine Seite einfach bei Gelegenheit lesen, aber nicht für alle Ewigkeit speichern. Oder man will sie auf dem Computer speichern, aber dann im Zug auf den Handy lesen.

Es gibt spezielle Dienste genau dafür. Diese Lösungen funktionieren alle ähnlich:

  1. Man speichert den Link zur Seite, um sie später zu lesen.
  2. Sobald man später den Link anklickt und die Seite liest, wird sie ins Archiv verschoben.

Viele Lösungen können außerdem nur den eigentlichen Text anzeigen (also ohne Bilder und das Zeugs rund herum). Häufig speichern sie auch eine Seite offline, so dass du später nicht mal eine Internet-Verbindung zum Lesen brauchst.

Hier sind drei Empfehlungen (alle mind. in der Grundversion kostenlos):

  1. Instapaper: Der Klassiker: Schnell, einfach, tut genau das, was es soll.
  2. Pocket: Ist sozusagen „Instapaper in hübsch“. Die Funktionen sind ähnlich, Pocket ist nur hübscher gestaltet.
  3. Für Mac-User: Leseliste in Safari: Safari ist ohnehin die beste Wahl, wenn du einen Mac hast (es gibt nichts schnelleres und energiesparenderes). Über „Lesezeichen/Zur Leseliste hinzufügen“ (oder CMD-Umschalt-D) kannst die aktuelle Webseite für später speichern. Dank iCloud hast du diese Seite kurz darauf auch dem iPhone oder iPad – übrigens auch offline, sobald die Artikel heruntergeladen wurden.

Bei den ersten beiden Lösungen muss man entweder eine Erweiterung für den Browser oder ein kleines Lesezeichen speichern. Darauf klickst du dann, um eine Seite zum späteren Lesen zu markieren. Beide bieten auch einen Web-Zugang, so dass du von überall her auf deine gemerkten Seiten zugreifen kannst, und natürlich Apps für verschiedene Plattformen.

Ich bevorzuge die dritte Lösungsmöglichkeit getreu meinem Motto „Back to the roots“: Was ich mit Systemfunktionen erledigen kann, tue ich auch mit diesen. Nur wenn diese absolut nicht ausreichen, suche ich Alternativen. Vorher habe ich lange Pocket genutzt und noch früher Instapaper. Alle drei Lösungen sind in jedem Fall sehr empfehlenswert.

Bildnachweis: © Depositphotos.com / silent47

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Ivan Blatter

Über Ivan Blatter

Ich bin Personal Trainer für neues Zeitmanagement und zeige meinen Kunden, wie sie ihre Produktivität verdoppeln und mehr erreichen, ohne sich dabei auszulaugen.

Ich helfe einerseits Solopreneuren und Unternehmern, ihr persönliches Zeitmanagement zu verbessern, so dass sie ihr volles Potential umsetzen können für ein erfolgreiches Business mit mehr Freude und Motivation. Andererseits unterstütze ich Unternehmen dabei, die Produktivität ihrer Teams zu erhöhen und so die Ziele schneller zu erreichen.

So einfach wie möglich, immer persönlich und individuell.

11 Gedanken zu “„Was wollte ich schon wieder hier tun?“ – Tipps gegen Ablenkungen”

  1. Hallo Ivan,

    beruhigend, dass auch ein Zeitmanagement-Experte wie du sich ab und zu ablenken lässt ;-)

    Vielen Dank für den schönen Artikel und die hilfreichen Tipss. Ich merke, dass es bei mir auch viel von den momentanen inneren Einstellung abhängt, ob ich zu Impulshandlungen neige oder nicht. Mir hilft die ToA-Methode (Timer orientierte Arbeit, ähnlich Pomodoro), um in 25 Minuten-Blöcken ablenkungsfrei zu arbeiten.

    Herzliche Grüße,
    Oliver

  2. Hallo Ivan,

    deine 4 Tipps sind zwar einfach, aber auf jeden Fall wirkungsvoll. Jedenfalls weiß ich sehr gut, was mit mir passiert, wenn ich sie einmal nicht befolge.

    Dann lasse ich mich von all dem bunten Geschehen im Internet und um mich herum nur allzu gerne ablenken und vergesse gerne mal für eine halbe Stunde oder so, dass ich eigentlich arbeiten wollte ;)

  3. Hallo Ivan, vielen Dank für die praxisnahen Tipps! Das Problem mit dem „später lesen“ beschäftigt mich täglich. Ablenkung vermeiden und zugleich Lektüre sammeln und gebündelt lesen. Noch eine Ergänzung: Es gibt unter Windows 8.1 eine Leselisten-App. Wenn man Internet Explorer als Standardbrowser nutzt, kann man einfach von rechts wischen, auf „Teilen“ klicken und dort Inhalte zum „später lesen“ ablegen und sogar kategorisieren.

  4. oh ja, gerade wieder ertappt……….

    mit dem Lesen einer Email begonnen und dann hängengeblieben…………(und dann weiter auf facebook, weil ich ja etliche neue Benachrichtigungen hatte)

    so, ich antworte noch auf Markus‘ Mail (habe ich auch schon eine ganze Woche aufgeschoben), und dann schließe ich alle Programme bis auf Word und schreibe meine Datei endlich fertig!

    danke für die Tipps!

    lg Bettina

  5. Hallo Ivan,

    deine Tipps sind sehr wertvoll. Herzlichen Dank.

    Einen nützlichen Tipp zu den „Lesetools“ am Ende deines Beitrages habe ich noch. Bislang war ich Pocket-User und habe nun „Readabilty“ entdeckt. Ein Vorteil liegt darin, dass es die Website von den ablenkenden Fenstern, Werbung und Frames befreit und lediglich den Haupttext anzeigt (auch gut für den Druck von Seiten).

    Viele Grüße

    Marc

  6. Mein „Problem“ mit Pocket ist bloß, dass ich die Sachen dann nie lese und die Liste immer länger wird. Aber dann sind die Sachen wohl auch nicht so wichtig.

  7. Danke Ivan, dass Du die Tipps nochmals aufgezeigt hast und uns so ins Bewusstsein zurück geholt hast. Ich kann mich in Deiner Schilderung sehr gut wiederfinden. Im Büro nutze ich die Funktion, dass die Windows Leiste immer verschwindet. Gepaart mit maximierten Fenstern kann ich so sehr viel Ablenkung eliminieren.

    Weiter so und viele Grüße,
    Thomas

  8. Hi Ivan,

    Schön, dass du mich wieder an den Vollbildmodus erinnerst! Ich hatte die Vorteile dieser Arbeitsmethode schon vor einiger Zeit erkannt. Nur hatte ich sie wieder vernachlässigt. Arbeiten im Vollbildmodus bringt wirklich was, wenn man sich noch dazu überwindet mal eine Stunde lang durchzuarbeiten. Da kommen schnell 1000 Wörter und mehr zusammen.

    Viele Grüße,
    Mike

  9. Sehr wertvolle Tipps. Dazu kann ich nur hinzuschreiben, das man vor allem ein Ziel setzen sollte was genau man machen will. Zusätzlich, um mehr produktiver zu sein, nutze ich die Pomodoro Methode. 25 Minuten Arbeiten und 5 Minuten Pause machen. Nach vier Zyklen gibt es eine längere Pause. Die 25 Minuten sind Ideal, weil mein sich auf die eine Aufgabe konzentriert und Ablenkung gar nicht mal in die Frage kommt.
    Gruß
    Anton

    • Danke für die gute Ergänzung!

      Ich halte sehr viel von der Pomodoro-Technik, auch wenn mir persönlich 25min etwas zu kurz sind. Doch der Grundgedanke ist sehr wichtig (=Arbeiten in Sprints, viele Pausen).

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