Wie kann man andere Menschen motivieren? Ein Interview

Aus aktuellem Anlass möchte ich einen etwas älteren Artikel hier von ivanblatter.com erneut veröffentlichen.

Vor 5 Jahren erhielt ich nämlich die Gelegenheit, ein Interview mit dem wohl ältestest noch aktiven Motivationstrainer zu führen: Mit dem Nikolaus. Da er bereits langjährige Erfahrungen besonders bei der Motivierung von Kindern hat, kann man viel von ihm lernen.

Tauchen Sie ein in die Welt des bärtigen Mannes und lassen Sie sich verzaubern.

Lieber Nikolaus, danke für die Gelegenheit, mit Ihnen ein Interview führen zu dürfen. Würden Sie sich zuerst kurz selber vorstellen?

Nun, ich bin unter den verschiedensten Namen bekannt: Samichlaus, Santiglaus, Niggi Näggi, Nikolo, Nikolaus, Santa Claus, Father Christmas, Saint Nicolas usw. Mein richtiger Name ist aber Nikolaus von Myra, da ich im 3./4. Jh. Bischof von Myra war. Heute bin ich ein Heiliger.

Viel ist nicht bekannt von mir, es ranken sich aber zahlreiche Legenden um mich. Die wichtigsten davon berichtet die Wikipedia.

Wohl alle meiner Leser kennen Sie persönlich aus Kindheitstagen. Doch nur wenige werden wissen, dass Sie auch als Motivationstrainer tätig sind.

Genau, einige ahnen es vielleicht. Ich trete ja selten alleine auf, sondern habe meinen Knecht Ruprecht oder – Sie sind ja Schweizer – den Schmutzli dabei.

Ich konzentriere mich auf den Inhalt, auf die guten und bösen Taten der Kinder. Mein Gehilfe Schmutzli trägt die Geschenke auf seinem Rücken und auch die Ruten für unartige Kinder.

Sie können sich vorstellen, dass das bei den Kindern wirkt: Sie geben sich – meist leider nur kurz vor dem 6. Dezember – speziell Mühe, damit sie viele Geschenke erhalten und möglich keine Rute.

Ich mache das so nur für die Kinder, denn diese Motivationsmethode bei ihnen noch wirkt, aber sicher nicht mehr bei Erwachsenen.

Mich erstaunt aber, wie oft im Arbeitsleben meine Methode kopiert wird: Zuckerbrot und Peitsche. Was wird da nicht alles versprochen, wenn man seine Leistung erbringt: Boni, Lohnerhöhungen, Mitarbeiter des Monats usw.

Und wehe, man erbringt nicht die geforderte Leistung. Dann droht einem Aufgabenentzug, Tadel, schlechte Bewertung oder sogar Kündigung.

Das ist tatsächlich Alltag im Berufsleben. Doch warum ist das schlecht? Es ist doch gut, wenn ich mich besonders anstrenge und dafür auch belohnt werde?

Im Prinzip schon. Es ist aber die Frage, was ein Vorgesetzter erreichen will.

Heutzutage sind viele Mitarbeiter hoch qualifizierte Menschen, die nicht einfach und kostenlos ersetzbar sind. Deshalb muss man speziell Sorge zu ihnen tragen.

Die grösste Leistung erbringt aber immer noch jemand, der sich selber motivieren kann und mit Herzblut arbeitet, so wie Sie das auch in den beiden Prinzipien “Sich selbst verpflichten” und “Durchhalten” in Ihrem Anti-Zeitmanagement beschreiben.

Wenn Sie lediglich das Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip anwenden, dann besteht die Gefahr, dass die Menschen nicht mehr aus Leidenschaft arbeiten, sondern nur noch, um den Bonus zu erhalten oder einen Karrieresprung machen zu können. Die Leistung wird zwar hoch sein, aber trotzdem nur gerade so hoch, um die Anforderung zu erfüllen. Aber diese Menschen werden sicher nicht so kreativ sein, so viele neue Ideen entwickeln und so viel Spass haben, wie wenn sie aus Leidenschaft und mit Herzblut arbeiten.

Anreize setzen hat eben immer zwei Seiten: Sie trainieren die Menschen darauf, genau die Anforderungen zu erfüllen, aber nicht darüber hinaus zu gehen.

Anreize setzen hat 2 Seiten: Sie trainieren, genau die Anforderungen zu erfüllen, aber nicht mehr.
(diesen Satz twittern)

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, jedes Jahr alle Kinder zu besuchen? Damit haben Sie einen unglaublichen Erfolg und Ihr Name und Ihre Marke ist dadurch weltweit bekannt geworden.

Wissen Sie, die meisten Ideen entstehen ja nicht einfach aus dem leeren Raum. Meine Idee oder mein Brauch geht zurück auf eine Stelle in der Bibel (Mt 25, 14-28). Dort steht das Gleichnis vom anvertrauten Geld, in der ein reicher Mann sein Vermögen seinen drei Dienern anvertraut, bevor er auf Reisen geht. Jeder bekommt nach seinen Fähigkeiten einen Teil des Vermögens. Nach der Rückkehr müssen die Diener Rechenschaft über die Verwaltung des Vermögens ablegen.

Auf diese Geschichte geht mein Brauch zurück: Deshalb frage ich die Kinder, ob sie denn brav gewesen seien. Die Geschichte geht aber weiter: Zwei der drei Knechte haben das Vermögen sehr gut verwaltet, nur der dritte hat nichts daraus gemacht. Die ersten beiden werden gelobt, belohnt und dürfen an der Tischgemeinschaft des Chefs teilhaben. Der dritte wird aber getadelt und raus geworfen. Nicht weil er Pech gehabt oder sich bei einer Geldanlage vertan hätte, sondern weil er nichts aus seinen Fähigkeiten gemacht hat.

Eine schöne Geschichte. Können wir daraus etwas lernen?

Ja, natürlich. Der Mann hat alle drei Knechte genau gleich behandelt, unabhängig davon, welche Fähigkeiten sie hatten. Er hat zwar allen unterschiedliche Beiträge anvertraut, aber behandelt hat er sie alle gleich. Nun hat er aber nicht erwartet, dass am Schluss alle mit gleich viel Geld nach Hause kommen. Sondern er hat erwartet, dass alle drei das Beste aus ihren Fähigkeiten machen. Das hat der dritte Mann nicht getan.

Daraus können wir lernen, dass jeder von uns mit einem Paket an Fähigkeiten und Talenten auf die Welt gekommen ist. Dafür kann niemand etwas. Aber wir sind selber dafür verantwortlich, was wir daraus machen. Wenn also jemand einen grünen Daumen hat und wunderbare Gärten und Pärke anlegt, woran die Menschen Freude haben, ist das genauso viel Wert wie ein Professor, der den Nobelpreis bekommt. Aber man muss seine Fähigkeiten ausnutzen.

Dazu muss man ganz nüchtern überlegen und heraus finden, was man eigentlich kann und was die Bestimmung von einem selber ist. Dann geht es darum, sich Ziele zu setzen, die man auch erreichen kann. Und dann, diese Ziele zu verfolgen. Das macht man ja nicht mal unbedingt, um Erfolg zu haben, sondern um ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu führen, wo man sich selber so nahe wie möglich ist.

Wir sind selbst dafür verantwortlich, was wir aus unseren Fähigkeiten und Talenten machen.
(diesen Satz twittern)

Nikolaus, Knecht Ruprecht wirft Ihnen ungeduldige Blicke zu und tippt auf seine Uhr. Ich möchte Ihnen ganz herzlich danken, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben und wünsche Ihnen eine stress- und unfallfreie Weihnachtszeit! Besten Dank!

Wer mehr über den Nikolaus erfahren möchte, kann auf seine Webseite klicken. Dort kann man ihn auch direkt kontaktieren. Erfahrungsgemäß ist er aber im Dezember stark ausgelastet, so dass ein wenig Geduld gefragt ist.

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Kommentare

  1. meint

    Eine wunderschöne Geschichte mit viel Wahrheitsgehalt. Das tragische daran ist, das im Wirschaftsleben die Rollen oft vertauscht sind. Will heissen, der “Samichlaus” (Nikolaus) sollte sich besser als Schmutzli bestätigen, und der eine oder andere Schmutzli wäre besser geeignet als Samichlaus. Mit “Herzblut und Leidenschaft” arbeiten. Nur lässt das Samichlaus auch zu oder hat er Angst, im nächsten Jahr nicht mehr im”heiligen” Gewand die Kinder zu besuchen?

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