Die Not-To-Do-Liste: Was tun Sie bewusst nicht mehr?

not-to-do-liste
Zeitmanagement ist nicht, was man tut, sondern was man nicht tut. Jede Entscheidung für etwas ist eine Entscheidung gegen ganz viele andere Dinge.

Daneben kann man sich auch bewusst entscheiden, gewisse Dinge, Aufgaben oder Gewohnheiten nicht mehr tun zu wollen. Genau darum geht es bei der Not-To-Do-Liste.


Das Konzept der Not-To-Do-Liste

In den Produktivitätsblogs dieser Welt zieht von Zeit zu Zeit das Konzept der Not-To-Do-Liste seine Kreise. Das ist natürlich eher eine imaginäre Liste und kann zweifach verstanden werden:

  • Hier stehen Dinge, gegen die man sich sozusagen implizit entscheidet, indem man sich für etwas anderes entschieden hat.
    Ich kaufe diesen Computer und nicht jenen. Ich erledige jetzt/heute/diese Woche diese Aufgabe und nicht jene.
  • Es können aber auch Dinge notiert sein, die man bewusst nicht mehr tun will, weil sie keinen Nutzen bringen, schaden, Energie entziehen oder Zeit fressen.

Mir fällt häufig auf, dass erfolgreiche Menschen, denen ich über den Weg laufe, sich meistens bewusst gegen ganz viele Dinge entscheiden. Sie analysieren, was sie tun können, wo ihre Stärken liegen und was sie lieber bleiben lassen. Auch haben sie eine genaue Vorstellung, wohin sie wollen und welche Ziele sie noch erreichen wollen. Der Clou: Alles, was sie am Erreichen dieser Ziele hindern könnte, wird dann bewusst gestrichen und vermieden.

Das betrifft nicht nur Aufgaben, sondern häufig auch Gewohnheiten, die uns von den Zielen ablenken.


Meine Not-To-Do-Liste

Hier ist meine Not-To-Do-Liste mit den Dingen, die ich nicht mehr tue (oder es zumindest versuche, nicht zu tun):

  • Mein Mailprogramm ständig offen lassen
  • Morgens früh sofort meine E-Mails abrufen und beantworten
  • Dinge (E-Mails, Briefe, Dokumente usw) mehrfach in die Hand nehmen
  • Dinge nicht ganz zu Ende bringen
  • Fernsehen
  • Jeden interessanten Blog lesen
  • Die ganz frühen Morgenstunden (5-7 Uhr) ungenutzt verstreichen zu lassen
  • Kleinkram
  • Dinge mehrfach abzulegen
  • Unklare Aussagen akzeptieren (Gegenfrage: “Wie ist das ganz genau?” – Danke an Peter S., von dem ich die Frage gelernt habe.)
  • Auf Pausen verzichten
  • Auf’s Frühstück verzichten
  • Auf ein Mittagessen verzichten
  • Im Urlaub arbeiten
  • Immer erreichbar sein
  • Ständig unterbrechen lassen
  • Unbewusst Geld ausgeben
  • Shoppen
  • Bücher auf Papier kaufen
  • Nur wissen und nicht anwenden
  • Nur wollen und nicht tun

Die letzten beiden Punkte habe ich übrigens schamlos von Johann Wolfgang von Goethe geklaut, der in Makariens Archiv in “Wilhelm Meisters Wanderjahre”  folgenden Satz fand:

Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.

Auch dieser Spruch hängt übrigens an meiner “Motivationswand” und steht auf meinem Hintergrundbild in meinem Computer:

Bei der Gelegenheit: Was steht auf Ihrer Not-To-Do-Liste?

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Kommentare

  1. meint

    Vielen Dank für die Nor-to-do Liste, werde ich gleich aufhängen und mit folgenden Punkten erweitern:
    - ständig neue To-do Listen erstellen
    - Papierberge anwachsen lassen
    - vor dem Fernseher schlafen
    - jedes Telefon beantworten

    und auf die To-do Liste kommt ein Punkt:
    - TIME BANDITS jagen (am besten die Ghostbusters holen)

  2. meint

    Hallo Ivan,

    die Idee einer Not-to-do Liste ist hervorragend!! Auf meiner Not-to-do Liste wird gleich mal ein Punkt notiert:

    - nicht mehr 3 Dinge gleichzeitig machen.

    Und noch einer:

    - nicht mehr vergessen, einmal pro Tag raus zu gehen.

    Herzliche Grüße
    Petra

  3. meint

    Als lösungsorientierter Coach frage ich meine Klienten eigentlich nicht danach, was sie nicht mehr tun möchten, sondern fokussiere auf Ziele und das, was sie tun möchten. Trotzdem finde ich die Idee der Not-To-Do-Liste sehr schön, zeigt sie doch anschaulich, auf was wir (gut) verzichten könnten und werden uns bewusst darüber, mit was wir täglich unsere Zeit verbringen und was uns oftmals daran hindert, die Ziele (s.o.) zu erreichen.

    • meint

      Danke für den Kommentar!

      Im letzten Satz steht die beiden entscheidende Worte: “Bewusst werden”. Denn genau darum geht es und ist eine Schlüsselkompetenz im Anti-Zeitmanagement.

  4. meint

    generell super sache nach dem prinzip: weniger tun, mehr erreichen.

    da jedes verbot auch ein gebot ist, versuche ich die dinge immer positiv zu formulieren. z.b. statt “wichtiges nicht aufschieben” schreibe ich “wichtiges zuerst erledigen”. dies geht dann zwar schon in richtung Operating Principles (aus dem buch Work the System), hat jedoch auch psychologische vorteile.

    in letzter zeit experimentiere ich noch mit einem postiven erfolgs anhang, der mir direkt zeigt was ich davon habe diese “richtlinie” einzuhalten. im obigen beisipiel wäre das etwa in die richtung “wichtiges zuerst erledigen und den tag entspannt genießen”.

    • meint

      Ich bin auch ein “Fan” von positiven Formulierungen, doch bei der Not-To-Do-Liste finde ich es “richtiger”, negativ zu formulieren. Hier entscheiden man sich nämlich bewusst GEGEN etwas und nicht für etwas anderes.

    • Brigitte meint

      Hallo da draußen, mir erscheint die Methode, den Fokus auf das zu legen, was ich möchte, erfolgversprechender als auf das zu richten, was ich lassen möchte. Auch ich bin der Meinung, dass das Gehirn das Wort “nicht” ignoriert und man automatisch an das denkt, was man lassen möchte. Zum Beispiel: ich möchte nicht mehr rauchen. Dann denkt das Gehirn “rauchen” und schon sitzt man in der Falle. Das hat z.B. Alan Carr sehr gut beschrieben, danach habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Indem ich mir suggeriert habe, dass ich was für meine Gesundheit tun möchte und durchatmen möchte, usw. Das gelingt mir noch nicht mit dem Naschen, da arbeite ich zur Zeit noch dran …:)))

  5. Tipp Geber meint

    Hallo lieber Herr Blatter,

    prinzipiell scheint diese Idee der “Not-To-Do-Liste” gut zu sein….
    dennoch möchte ich hierzu meine Gedanken einbringen.

    ***Alles, worauf ich meinen Fokus lege, wird mich erreichen!***

    1. BEISPIEL:

    Eine Frau ist zum ersten mal schwanger..
    => eine völlig neue Situation für die Frau und ihre Familie…

    Was geschieht mit der Frau?
    => alles was mit Babys zu tun hat, kommt auf einmal auf sie zu…
    => die Frau sieht auf einmal mehr schwangere Frauen, wie zuvor…

    Dies wird jede Frau, die einmal schwanger war, bestätigen!
    —————————————————————————–

    2. BEISPIEL:

    Ein Mann kauft sich ein Auto…
    => ein völlig neues Modell für den Mann und ggf. für die Familie…

    Was geschieht mit dem Mann?
    => überall sieht er auf einmal die gleiche Marke…
    => auf einmal sieht er mehr Autos des gleichen Modells als zuvor….

    Dies wird jeder Mann, der sich einen neuen Wagen kaufte, bestätigen!
    —————————————————————————–

    E-R-G-O !

    Wenn wir uns nun in der empfohlenen “Not-To-Do-List”
    auf ALL DAS konzentrieren, was wir NICHT wollen,
    na, WAS geschieht dann……?

    Nehmen wir doch einfach mal den bekannten Test:
    => Konzentrieren Sie sich bitte nun ganz genau…
    => Tun Sie bitte genau DAS, was ich jetzt zu Ihnen sage…
    => “denken Sie jetzt bitte NICHT an den Eifelturm”!!!

    Was sehen Sie JETZT mit Ihrem *inneren Auge*?

    Wir wissen alle, dass das Unterbewusstsein kein “NEIN” kennt,
    wie Sie nun aus den vorbenannten Test erkennen konnten.

    1. Variante:
    Macht es dann Sinn, sich auf DAS zu konzentrieren, was wir nicht wollen?

    2. Variante:
    Oder ist es möglicherweise ergebnisreicher uns auf DAS zu konzentrieren,
    WAS WIR WOLLEN und somit ZEIT zu sparen…?

    Jeder hat sein eigenes Konzept ;o))

    Ich selbst nutze meine kostbare Zeit gerne für DAS, was ich möchte…
    und immer wieder durfte ich erkennen, dass die Dinge, die ich nicht erledigen wollte, sich von alleine auflösten, denn meist waren diese uneffektive Zeitfresser und völlig unwichtig.

    Wenn ich mich auf etwas Gutes konzentriere,
    dann nimmt das weniger Gute unwillkürlich ab ;-)

    GREAT DAY
    und alle(s) Liebe @all

    • meint

      Es gibt noch die 3. Variante. :-)
      Man kann das eine tun ohne das andere zu lassen.

      Nicht jeder kommt mit Ihrem Konzept klar. Oder es gibt Leute, die wollen zuerst “aufräumen” und ein paar Dinge aus Ihrem Leben verbannen. Denen hilft die Not-To-do-Liste gut.

      Ihr Konzept finde ich gut, aber ich kenne viele Leute, die genau damit gescheitert sind. Vielleicht hilft Ihnen dafür die Not-To-do-Liste.

      • Tipp Geber meint

        Hallo lieber Herr Blatter,

        danke für Ihr nettes Feedback :-)

        So unterschiedlich ist doch unsere Gedankenwelt…

        Ich persönlich kenne in meinem Umfeld sehr viele Leute,
        die e n d l i c h Erfolg mit der obigen Methode hatten :-)

        Das “Vorleben” half Vielen dabei….

        Der Eine kannte diese Methode und wandte sie bereits erfolgreich an und der Andere benötigte zu Beginn eine entsprechende und individuelle Begleitung, um mit der Umsetzung zu beginnen…
        Die kleinen kontinuierlichen Schritte und die hieraus resultierenden kleinen Erfolgserlebnisse dienten als Motivator.

        Die Methode schlich sich dadurch in das Leben der Einzelnen ein, so wie das tägliche “Zähneputzen” :o)

        Im Grunde ist jede Methode recht…

        Wichtig dabei ist jedoch
        zu WISSEN,
        >> welches ZIEL habe ich?
        >> welchen Nutzen bringt mir meine Ziel-Erreichnung?
        >> WANN möchte ich mein Ziel erreicht haben?
        Kleine Teilziele zu setzen um das Endziel zu erreichen ist hierbei natürlich sehr hilfreich, um rasche Erfolgserlebnisse zu erzielen ;-)

        ….

        Und nun wünsche ich allen Lesern, dass jeder für sich seine eigene Methode findet – Hauptsache man(n/frau) ;o) erreicht sein Ziel !!!

        Herzliche Grüße @all

  6. meint

    Hallo Herr Blatter

    Sie sprechen mir aus dem Herzen. Wissen Sie, was auch noch auf meiner not-to-do Liste steht?
    - Ständig für das Unternehmen erreichbar sein!
    - Ständig freundlich sein, auch wenn einem nicht dazu zumute ist
    - Ständig “ja” sagen
    - Trotz Grippe trotzdem zur Arbeit gehen

    Vielen Dank für Ihren tollen Artikel!

    Beste Grüsse
    Mischu

  7. Philipp meint

    Interessanter Ansatz.
    Schade finde ich, dass manche Leute nicht verstehen (wollen), das man manche Dinge einfach nicht mehr macht/machen möchte.

    Worüber ich gestolpert bin, ist der Punkt “Shoppen”. Für Männer jetzt nicht furchtbar überraschend, aber wie ist der gemeint: Kleidung etc. brauchen Sie ja weiterhin. Bestellen Sie nur noch?

    • meint

      Danke für den Kommentar!

      Doch, doch, ich kaufe noch ein. :-)
      Aber ich shoppe nicht mehr – oder höchstens im Urlaub.

      “Shoppen” heißt für mich: Umherlaufen, schauen, was es alles Schönes gibt und mich verführen lassen.

      “Einkaufen” heißt: Gezielt das kaufen, was man braucht. Da ich fast zwei Meter lang bin, gibt es ohnehin nicht so viele Möglichkeiten, wo ich Kleider finde. Die wenigen Läden steuere ich dann gezielt an. :-)

  8. Peter Intorp meint

    Hallo Herr Blatter,

    die Idee mit der Not-to-do-Liste finde ich super. auch ich habe aber ein wenig Probleme mich auf das zu konzentrieren, was ich nicht will.

    Meine Lösung ist es, die Punkte der Liste aufzuführen und sie dann bei der Entscheidung so bewusst durchzustreichen, dass man sie noch lesen kann. Das Durchstreichen bedeutet dann: Nein, ich will nicht mehr, z.B. Fernsehen: NEIN
    zuerst Mails lesen: NEIN
    Rauchen: NEIN

    Beste Grüße
    Peter Intorp

  9. Daniele meint

    Hallo Herr Blatter,

    ich glaube, ich bisher gar keine Not-To-Do-Liste, sondern eher immer viele viele To-Do-Listen, wo ich dann den Überblick verloren habe und dann diese irgendwo verblieben bin und bestimmt irgendwann wieder auftauchen.

    Ihr Artikel verdeutlicht drei wichtige Punkte:

    - was sind meine Ziele
    - wieviel Zeit kostet das
    - wieviel Energie wird das in Anspruch nehmen

    Ich habe ja wie schon vorhin geschrieben einen “kleinen” Papierstapel, davon hatte ich vor einige auf den PC zu übertragen. Aber ist das wirklich klug? Nein, das sind Notizen, die mal wichtig waren. Ich werde sie wahrscheinlich nur ablegen. Alles andere kostet viel zu Zeit und Energie.

    Auch habe ich ein viel zu volles E-Mail-Postfach, wie konnte das passieren? Und muss ich mich jetzt durch jede dämliche E-Mail durchlesen. Nur zur Info: Viele E-Mails sind eigentlich Newsletter. Naja, vielleicht kann ich ja einen kleinen Blick drauf werfen.

    Bei jeder Aufgabe überlegen, ob mich das meinem Ziel näher kommt ist keine so schlechte Idee.

  10. meint

    Oh wie schön, eine not-to-do-Liste. Das ist auch mal was anderes. Fernsehen gehört bei mir definitiv dazu, zumindest ist es enorm reduziert.

    Und “auf Facebook abhängen” muss ich auch stärker kontrollieren. Das frisst unheimlich viel Zeit.

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